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Siebte Tat in zwei Jahren / Kein typischer Fall von Kleptomanie

Beim Klauen „gut gefühlt“ – Ladendiebstahl wird zur Sucht…

Bückeburg (ly). Sie kann sich nicht erklären, warum sie im Laden immer wieder lange Finger macht – angeblich wie unter Zwang. Experten sprechen von Kleptomanie. „Ich bin keine Kriminelle, eigentlich bin ich ganz harmlos“, versichert die Bückeburgerin.

veröffentlicht am 10.02.2009 um 18:24 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 10:21 Uhr

Trotzdem häufen sich im Vorstrafenregister der Frau die Diebstähle. Sechs sind es mittlerweile – begangen innerhalb von zwei Jahren. Gut möglich, dass die Dunkelziffer deutlich höher ist. Bisher ist die Ladendiebin stets mit Strafbefehlen davongekommen, schriftlichen Verurteilungen. Jetzt hat sie zum ersten Mal als Angeklagte vor dem Amtsgericht gestanden. Das Urteil: 780 Euro Geldstrafe, in diesem Fall zwei Monatseinkommen.

Ob die Frau Kleptomanin ist, wurde vor Gericht nicht geklärt. Ihr Therapeut geht davon aus. Und so steht es auch in einem Attest, aus dem Richter Armin Böhm zitierte. Zumindest bei dem Diebstahl, um den es jetzt ging, sieht Böhm jedoch „nicht den typischen Fall von Kleptomanie“, in dem „ohne Bereicherungswillen Dinge gestohlen werden, die man nicht braucht“. Mitgehen lassen hatte die Frau in einem Bückeburger Supermarkt nützliche Sachen wie Socken oder WC-Steine im Wert von insgesamt 30 Euro. Schuldunfähigkeit greife deshalb nicht, so Böhm.

„Ich weiß nicht, warum

ich das mache…“

„Als ich den Laden betreten habe, war das nicht geplant“, erklärte die Angeklagte. „Ich weiß nicht, warum ich das mache. Es ist wie eine Sucht.“ Nach eigener Angabe leidet die Frau unter Minderwertigkeitsgefühlen. Beim Klauen habe sie sich „gut gefühlt“, sogar „groß“, nachher Schuldgefühle bekommen. „Es setzt mir zu, dass ich mehrfach erwischt worden bin.“

Unter Kleptomanie, auch bekannt als Stehlsucht, verstehen Fachleute ein zwanghaftes Stehlen von Dingen, die häufig nur einen geringen materiellen Wert haben. Ein einheitliches Krankheitsbild gibt es offenbar nicht. Dass dem Klau das schlechte Gewissen folgt, gilt als typisches Symptom. Über Beweggründe für Kleptomanie streiten die Psychoanalytiker. Zwanghaftes Stehlen könnte demnach eine Art Ersatzbefriedigung für unterdrückte Wünsche sein, eine versteckte Form des Widerstandes gegen die Gesellschaft oder auch erregende Gefühle als Motiv haben, wie auf speziellen Seiten im Internet aufgezählt wird. Auch Filmregisseure wie Hitchcock („Marnie“) haben sich bereits mit dem Thema befasst.




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