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Beim Antik- und Trödel stellen die Händler Veränderungen im Verhalten der Kundschaft fest

Besucher in Massen – Geschäfte mit Bedacht

Bückeburg (jp). Wie wirkt sich die Weltwirtschaftskrise auf Floh-, Antik- und Trödelmärkte aus? Sitzt den Käufern das Geld weniger locker in der Tasche, sodass als erstes bei Liebhaberstücken sparen, wie es sie besonders auf solchen Märkten in großer Zahl gibt? Oder suchen die Menschen gerade dort das preiswerte Schnäppchen, um nicht den beträchtlich höheren Preis der entsprechenden Neuware im regulären Geschäft zu bezahlen?

veröffentlicht am 22.10.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 07.11.2016 um 18:41 Uhr

Walter Eschenbach aus Rinteln schwärmt für „Clever & Smart

Über mangelndes Besucherinteresse zumindest konnte sich der jüngste Antik- und Trödelmarkt in der Wagenremise des Bückeburger Schlosses nicht beklagen. Insbesondere am zweiten Veranstaltungstag, traditionell auf einem Sonntag, herrschte in dem fürstlichen Gemäuer ein sehr reges Kommen und Gehen. Aber so viele Waren wie früher – da waren sich alle Händler und Anbieter sicher – finden dort schon länger nicht mehr einen neuen Besitzer.

„Die Leute kaufen mittlerweile auf Trödelmärkten viel bewusster und suchen gezielter“, meinen beispielsweise Astrid Kühle und Doris Lehmeier aus Rinteln. „Dass einfach so irgendwelche Objekte mal eben im Vorbeigehen gekauft werden, weil sie im Moment gefallen, das gibt es schon lange nicht mehr.“ Dabei komme es auch sehr auf das jeweilige Warenangebot an: „Gesucht werden entweder Dinge, die besonders teuer sind, oder Waren, die die Leute gerade wirklich brauchen.“ Ein großer Unterschied bestehe auch zwischen einem Handel mit Ware aus zweiter Hand und antikem Trödel in einer Halle und unter freiem Himmel: „Dinge des täglichen Gebrauchs verkaufen sich draußen am besten. Objekte, die sich vom Gewöhnlichen deutlich abheben, dagegen vor allem drinnen.“

Das Ungewöhnliche braucht ein Dach

Einer, der das Schlossareal als Betätigungsfeld bestens kennt, ist Walter Eschenbach: Vom Weihnachtszauber auf Schloss Bückeburg kennt man den stets distinguiert dreinschauenden und mit tadellosen Umgangsformen ausgestatteten Rintelner als Butler vom Best-Butler-Service aus der Weserstadt. An seinem Stand auf dem Antik- und Trödelmarkt in der Wagenremise bietet er nach eigenen Worten „das gesamte Spektrum der Unterhaltung“ an, konkret vor allem DVDs. CDs und Comics. „Eine schöne DVD am Abend ist doch genau das richtige, wenn die Tage kürzer und die Nächte länger werden“, ist sein Verkaufsargument. Über mangelnde Nachfrage kann er sich nicht beklagen: „Wenn man bedenkt, wie viel Gebühr das Leihen einer DVD in der Videothek kostet, greifen die Leute hier gerne zu.“ Bei den Comics haben es ihm vor allem die klassischen Abenteuer der beiden grenzdebilen Agenten „Clever & Smart“ angetan, die – 1958 ersonnen vom spanischen Zeichner Francisco Ibáñez – in den 60er-Jahren ihren Siegeszug nach Europa antraten. „Die sind einfach Kult.“ Unter seinen Angeboten findet sich da eine ganze Reihe von Raritäten, unter anderem das Heft Nr. 1 der zweiten Auflage mit dem Titel „Die Asphalt-Safari“, das es Ende der 70er-Jahre in Deutschland zu kaufen gab.

Auf eine ganz andere Art von Literatur hat es Bernhard Ellerhorst abgesehen. Den Vizevorsitzenden des Kirchenvorstands der Pfarrgemeinde St. Marien Bückeburg interessieren vor allem alte Bücher, zum Beispiel solche, die nach dem Krieg von den Vertriebenen aus dem Osten mitgebracht wurden. „Es war eine ganze, eigene Kultur, die diese Menschen damals mitbrachten. Zum Beispiel gab es nach dem Krieg lange Zeit ostdeutsche Liederbücher in den Kirchen.“ Beim Stöbern in altem Lesewerk lässt sich Ellerhorst bewusst viel Zeit: „Ich bin ein Käufer auf den zweiten Blick.“




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