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Ambulante Dienstleister kommen mit der Teerwalze vorbei, kassieren und verschwinden / Adresse in Paris

Betrüger unterwegs: Nach dem Pfusch auf und davon

Minden (mt/mk). Sie haben Baumaschinen auf ihren Anhängern und irische Personalausweise in der Tasche. Damit reisen sie durch die Bundesrepublik und bieten Asphaltierungsarbeiten auf Privatgrundstücken an. Seit Jahren häufen sich aber Beschwerden bei der Polizei, wenn die ambulanten Handwerker ihre Kunden betrügen. Diesmal hat es einen Mindener erwischt.

veröffentlicht am 17.07.2010 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 09:21 Uhr

„Ich dachte, es geht alles korrekt zu“, erklärt der Unternehmer zu dem Vorfall. Anfang der Woche kamen die Teerkocher mit einem Kipper und einem Lastwagen nebst Planierwalze und anderen Maschinen zu seinem Betriebsgelände. Sie boten an, die Einfahrt zu reparieren und dem mit Schlaglöchern übersäten Hof eine neue Asphaltdecke zu geben.

„Wir hatten uns auf einen Preis verständigt und am Montag sowie am Dienstag je drei Arbeitsstunden vereinbart“, sagt der Kunde. Dafür wurde eigens ein Rechnungsformular ausgefüllt, das der Chef der Kolonne mitgebracht hatte. Angegeben war in dem Papier eine Firmenadresse am Boulevard-des-Italiens in Paris. Auch seinen Personalausweis hatte der Ire zur Fotokopie vorgelegt. Durch diese Sicherheitsleistung beruhigt, rückte der Auftraggeber dann weit vor Ende der Arbeiten den Bankscheck mit der Rechnungssumme heraus.

Allerdings: Am Dienstag holten sich die Teerkocher zunächst das Geld von der Bank und dann ihre Baumaschinen vom Firmenhof. Damit verschwanden sie auf Nimmerwiedersehen und stahlen auch noch vier Gasflaschen. Zurück blieb eine Fläche ohne taugliche Deckschicht. Wer jetzt darüber fährt, hinterlässt lange Spuren aus weichem Teer.

Nach der Diebstahlsanzeige ermittelte die Mindener Polizei am Mittwoch bei irischen Landfahrern, die sich derzeit mit 40 Wohnwagen in der Nähe des Mindener Yachtclubs in Hahlen aufhalten. Trotz der zwei polizeibekannten Kennzeichen des Kippers und des Lastwagens sowie der Kopie des Personalausweises fehlt von den Gasflaschendieben jede Spur. „Dort herrscht ein ständiger Wechsel“, erklärt Werner Wojahn, Pressesprecher der Polizei, zur Zusammensetzung der Wohnwagenkolonie.

So wie in Minden sind seit Jahren bereits Polizeidienststellen mit Anzeigen gegen die ambulanten Dienstleister beschäftigt. Geschädigte beschweren sich, wenn ihre Pfuscharbeit beim Teeren mit einer Rechnung von mehreren Tausend Euro verbunden ist. Unter anderem hatten eine britische Tätergruppe im Juni im Kreis Mettmann meist ungefragt Haus- und Grundbesitzer angesprochen und zu angeblichen Sonderkonditionen Teerarbeiten auf unbefestigten oder defekten Hofflächen und Einfahrten angeboten. Dabei traten sie rabiat und bedrohlich auf oder täuschten vor, im kommunalen Auftrag zu handeln.

Immerhin: Acht Beschuldigte, die nach einer ähnlichen Masche wie in Minden vorgegangen waren, wurden Mitte des vergangenen Monats im Kreis Mettmann festgenommen und der Kriminalpolizei übergeben. Die in Deutschland zum Teil bereits einschlägig aufgefallenen Straftäter wurden nach Vernehmungen und erkennungsdienstlicher Behandlung entlassen. Da alle keinen festen Wohnsitz in der Bundesrepublik besaßen, wurden vor der Freilassung finanzielle Sicherheitsleistungen erhoben.

Denkbar ist natürlich, dass die Betrüger auch auf der Schaumburger Seite der Landesgrenze tätig wurden oder werden. Die Polizei warnt Grundstückseigentümer ausdrücklich vor der Masche.




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