weather-image
23°
×

Genmais-Feld bei Brandenburg zerstört / Zu Geldstrafe verurteilt

Bienen im Gerichtssaal: Rintelner Bioimker kämpft gegen Gentechnik

Rinteln (cok). Wenn Berufsimker Michael Grolm als geborener Rintelner wie immer zumÖkomarkt kommt, dann verkauft er nicht nur seinen Biohonig, sondern hat immer auch konkrete Neuigkeiten zu berichten vom einfallsreichen Kampf die Bioimker gegen die grüne Gentechnik.

veröffentlicht am 18.09.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:25 Uhr

Die meisten Imker, erst recht diejenigen, die Biohonig produzieren, fürchten für die Zukunft ihrer Zunft. Je mehr genmanipulierter Raps und Mais auch in Deutschland angebaut wird, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass Pollen dieser Pflanzen den Honig verunreinigen. Damit würde ein für seine Naturbelassenheit berühmtes Produkt, der Imkerhonig, die Reputation verlieren. Zusammen mit der Initiative "Gendreck weg" organisierte Michael Grolm in diesem Sommer bereits zum zweiten Mal die Zerstörung von Genmaisfeldern. Dabei kamen viele hundert Menschen, Berufsimker, Landwirte und Gegner der "Agro"-Gentechnik in einen kleinen Ort bei Brandenburg, wo sie Zelte aufschlugen, Vorträge hörten, an einer großen öffentlichen Podiumsdiskussion teilnahmen und sich zwei Tage lang in Workshops darauf vorbereiteten, zwischen 300 Polizisten mit Hundestaffeln, Pferden und Wasserwerfern möglichst viele der genmanipulierten Maispflanzen auf dem Versuchsfeld eines Agrarunternehmers zu zerstören. "Übrigens waren die meisten Polizisten von der Sache her auf unserer Seite und haben sich nicht sehr engagiert, wenn wir an ihnen vorbei wollten." Die Teilnehmer wussten auch deshalb von dieser Aktion, weil sie in Zeitungen mit Anzeigen angekündigt worden war. "Das haben wir mit Absicht so gemacht! Wir wollten nicht im Schatten der Nacht und ohne unser Gesicht zu zeigen, ein Feld zerstören, sondern ins Bewusstsein bringen, dass wir alle etwas tun müssen, um eine gefährliche, unkontrollierbare Gentechnik zu verhindern", erklärt Michael Grolm. Er macht die Pressearbeit der Initiative, telefoniert mit den Zeitungen, holt das Fernsehen heran und beweist sich dabei als schlagfertiger Argumentierer, dem niemand mit Allgemeinplätzen kommen kann. "Warum zerstören Sie?", fragen immer wieder kritische Journalisten. Und er sagt: "Wir zerstören nicht, wir bewahren! Wir bewahren das Saatgut davor, für immer ein Produkt der Gentechnik und der großen Saatgutfirmen zu werden." Kürzlich nun musste er sich zusammen mit einem Kollegen wegen "Ankündigung einer Straftat" vor Gericht verantworten. "Uns war das nur recht", sagt er. "Man nimmt uns ernst und wir haben dadurch ein öffentliches Podium mehr." Er lacht: "Vorher hat man uns eher als Wildschweinschaden verbucht." Er kam mit seinen Bienen in den Gerichtssaal, hielt einen kleinen Vortrag über Imkerei und Gentechnik und kam glimpflich mit einigen Tagessätzen Strafe davon. Trotzdem geht er auf jeden Fall in Berufung. "Ich fühle mich nicht im Unrecht. Im Notfall gehe ich auch ins Gefängnis. Im Imkeranzug. Und ganz bestimmt nicht sang- und klanglos." Noch aber verkauft er wie stets seinen so besonderen Honig und träumt nicht vom Widerstand, sondern von den drei Hektar Obstwiesen, die zu einem alten Schloss bei Weimar gehören, dass er mit über 30 anderen Menschen gekauft hat, um dort in einer genossenschaftlich organisierten Gemeinschaft zu leben. "Ich will einfach weiter zufrieden in meinem Leben sein", sagt er. "Das ist es, wofür es sich zu kämpfen lohnt." Internet: Weitere Informationenüber den Kampf der Imker gegen die Gentechnik im Internet unter: www.gendreck-weg.de




Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige