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Gymnasiasten als Kriminalisten: Im Praktikum DNA-Proben nehmen, vermehren und sichtbar machen

Biotechnologie: Wann kann man Gott spielen?

Rinteln (dil). Das Misstrauen in Europa ist groß, doch der Nutzen gerade in der Medizin ebenfalls, er erscheint kaum noch verzichtbar. Biotechnologie – ihre Produkte möchten die meisten Menschen hierzulande nicht auf dem Teller haben, aber in Kläranlagen und Waschmitteln verrichten zum Beispiel künstlich erzeugte Enzyme längst gute Arbeit. Das Insulin auf chemischer Basis hilft Diabetikern und ist wesentlich verträglicher als das früher benutzte auf tierischer Basis. Alles gut also? „Kann man bald Gott damit spielen?“, fragte ein Schüler des Gymnasiums Ernestinum gestern kritisch. „Können Bäume bald mit Katalysatorenhilfe schneller wachsen?“

veröffentlicht am 09.07.2012 um 18:38 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 12:22 Uhr

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An die Jahrgänge 9 und 11 sowie speziell Leistungskurse Biologie wendet sich gestern und heute das „BIOTechnikum“ am Gymnasium. Ein doppelstöckiger Bus des Bundesministeriums für Forschung und Entwicklung macht zwei Tage Halt auf dem Schulhof und bietet Gelegenheit zu zwei- bis dreistündigen Praktika. Hier wird aufgeklärt, werden Vorurteile relativiert, aber es geht nicht vordergründig um Werbung für Biotechnologie.

„Es geht viel, aber das meiste ist verboten“, schränkte Dr. Aline Anton nach dem Einführungsvortrag vor Schülern des Jahrgangs 11 auf die Gott-spielen-Frage ein. „Es gibt eben auch die ethische Sichtweise.“ Das führe dazu, dass zum Beispiel Gentechnik in Deutschland nur bei Futterpflanzen eingesetzt werden dürfe, dies dann beim Fleisch im Laden nicht mehr angezeigt werden müsse. Auch sei nur eine Sorte Kartoffeln (Amflora) genverändert im Anbau, diene aber nur zur Klebstoffherstellung.

„Wo liegt denn der Nachteil beim Verzehr?“, wollte ein anderer Schüler wissen. Die Diplom-Biologin erwiderte: „Es gibt immer ein Restrisiko.“ Manchmal sind es aber auch die bis zu viermal höheren Kosten, die den Erfolg verhindern¨– so bei Bio-Kunststoffen, die dafür aber voll biologisch abbaubar sind.

Erfolg und hohe Akzeptanz haben biotechnologisch veränderte Enzyme, wenn es um das Reinigen von Abwasser in Kläranlagen oder von ölverseuchten Böden geht. Außerdem können bestimmte Pflanzen Schwermetalle an sich binden – Pappeln zum Beispiel Blei, Sonnenblumen Uran, Raps Chrom und Silber. Sehr nützlich bei der Rekultivierung von Altlasten

Bekannt und geachtet ist der Einsatz von Biotechnologie bei der Verbrechensbekämpfung und bei Vaterschaftstests. Und hier durften die Gymnasiasten in weißen Kitteln praktisch üben – wie im Fernsehkrimi: erst mit Wattestäbchen Speichelproben nehmen, dann den „genetischen Fingerabdruck“ in der Zentrifuge isolieren, besondere Bestandteile vermehren und mit UV-Licht in Form rot fluoreszierender Banden sichtbar machen.

Biologielehrer Erhard Bachmann: „Wir versucher immer etwas Besonderes an die Schule zu holen.“ Gestern durfte auch die Öffentlichkeit in den Biotec-Bus – beim Tag der offenen Tür.




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