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Gymnasium Adolfinum: Nach dem Abgang des Direktors gibt das Kultusministerium Fehler zu

„Bitte gehen Sie von einem Neuanfang aus!“

Von Raimund Cremers

veröffentlicht am 29.05.2010 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 14:41 Uhr

Bückeburg. „Wir bitten Sie, ab heute von einem Neuanfang am Adolfinum auszugehen, schauen Sie nicht mehr zurück, sondern nach vorne!“ Diesen eindringlichen Appell richtete am Donnerstagabend der zuständige Referatsleiter im Kultusministerium, Rolf Bade, an die rund 100 Schüler- und Elternvertreter im Forum des Gymnasiums, nachdem er Fehler und Versäumnisse auch seitens des Ministeriums eingeräumt hatte. „Die stellvertretende Schulleiterin Sandra Beßler begegnet ihnen ganz anders. Es gibt eine gute erweiterte Schulleitung und engagierte Lehrer. Wie die Abi-Prüfungen zeigen, wird hier guter Unterricht gemacht.“

Kurz zuvor hatte der Referatsleiter bekannt gegeben, dass das Kultusministerium den bisherigen Schulleiter Heinz-Ulrich Gosemann auf eigenen Antrag aus gesundheitlichen Gründen mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben als Schulleiter entbunden und seinen Weggang von der Schule eingeleitet hat (wir berichteten). Was im Forum der Schule mit Applaus und spürbarer Erleichterung aufgenommen wurde. Was Bade mit den Worten kommentierte: „Das finde ich unangemessen.“ Um fortzufahren, dass es nun einen Neuanfang an der Spitze geben werde. Die jetzige Situation sei zweifelsohne in der Person des Schulleiters mit begründet. „Seine Antwort auf die Streichung des Wahlpflicht-Unterrichts hat uns nicht befriedigt.“ Auch die ungleichgewichtige Unterrichtsversorgung zwischen der Sekundarstufe I und II nicht, was allerdings schon vor Gosemann der Fall gewesen sei.

„Geärgert“ habe das Ministerium und die Landesschulbehörde die mangelnde Kommunikation in der Schule. Und dass Schulelternrat und Schülerrat sich an die Öffentlichkeit gewandt hätten, um dort das Problem zu lösen, „hat uns nie zufrieden gestellt. Das hätte schulintern gelöst werden müssen.“

Aussagen, die zu einigen Protesten bei den Eltern führten. „Die Vorwürfe an die Presse sind Unterstellungen und lenken vom Eigentlichen ab“, so ein Elternvertreter, der die Aussagen Bades als „Demagogie“ bezeichnete. „Die Öffentlichkeit musste eingeschaltet werden, weil sonst nichts anderes mehr genutzt hat“, so ein anderer Vater: „Die Schüler wandern ab, weil sie die Schnauze voll haben und hier nicht mehr weiter kommen.“ Es gebe dicke Aktenordner mit Briefen und Unterlagen, die an Schulbehörde und Ministerium geschickt worden seien. „Drei Jahre ist nie etwas passiert.“

Es waren die Eltern, die die Finger in die Wunde gelegt haben“, entgegnete Bade. Seit 2008 hätte Ministerium, Schulbehörde, Schulleiter. Schulelternrat und Personalrat in Gesprächen miteinander gestanden, das Ministerium sei selbst im Schulvorstand gewesen. „Wir hatten die Hoffnung, dass die Konflikte moderiert werden können, das ist uns nicht gelungen“, gab der Referatsleiter zu. Es ging nicht nur um die Person des Schulleiters, sondern auch um „andere Fragen und Konflikte, um strukturelle Fragen, die hätten aufgearbeitet werden müssen.“ Konkreter wurde Bade nicht.

Unterrichtsverteilung wird neu geordnet

Die Stelle des Schulleiters soll unmittelbar nach den Sommerferien ausgeschrieben und neu besetzt werden. Ob das allerdings angesichts des Rufes, den das Adolfinum inzwischen hat, gelingt, zog selbst der Referatsleiter in Zweifel: „Ich hoffe, dass Sie Bewerbungen bekommen. Ich werde mein Möglichstes tun.“ Um erneut auf den Neuanfang zu verweisen und für ein gutes Miteinander an der Schule zu werben: „Es ist fatal für eine Schule, die solche Schlagzeilen bekommt. Ich habe die Bitte an alle: Nutzen Sie ihre Möglichkeiten, dass nicht noch weitere Schüler die Schule verlassen!“ Die von unserer Zeitung genannte Zahl von 30 weiteren Abmeldungen in den vergangenen Tagen wurde von einem Elternvertreter als „absolute Untertreibung“ bezeichnet: „Es ist ein Drama für mich, ich habe Kinder, die jetzt in zwei Bundesländern zur Schule gehen.“

Unter den Ungleichgewichtungen in der Unterrichtsverteilung wird das Adolfinum in den kommenden Wochen noch zu leiden haben, was im weiteren Verlauf der fast dreistündigen Diskussion deutlich wurde. Die Zusammenlegung von Kursen ist unausweichlich, da sie zum Teil eine viel zu geringe Größe haben und zu viel Stundenkapazitäten binden. Dass die Streichung des künstlerisch-musischen Schwerpunktes zurückgenommen werden kann, ist ebenfalls mehr als fraglich. Derzeit gibt es nur einen Kunstlehrer am Adolfinum. Obwohl weitere Stellen zu besetzen sind, hat sich bisher kein Lehrer gefunden, der in Bückeburg unterrichten will. Bade versprach: „Ich werde mein Möglichstes tun.“

Unumgänglich wird mit Beginn des neuen Schuljahres, dass die jetzigen 8. Klassen, sechs insgesamt, zu fünf zusammengelegt werden müssen, weil dort die Schülerzahl unter die gesetzlich vorgeschriebene Mindestzahl gesunken ist.

Vorhaltungen von Elternvertretern, warum statt 30 bis 33 Pflichtstunden in diversen Klassen nur 26 bis 29 Pflichtstunden unterrichtet würden, konnte der Referatsleiter nur mit Verweis auf die Ungleichgewichtung der Unterrichtsversorgung beantworten: „Die Schule hat eine 100-prozentige Unterrichtsversorgung.“ Laut der Statistik von Februar 2010 hätten die Jahrgänge die Stunden, auf dem Stundenplan aber nicht. Bade, eher rhetorisch: „Wo ist der Unterricht? Die Stunden sind in der Verantwortung der Schule.“

Viel Arbeit also noch für die Neue, für die Stellvertreterin, für Sandra Beßler, die von einem Elternvertreter viel Lob erhielt: „Wir haben Respekt vor Ihrer Arbeit und Ihrer Leistung. Letztlich muss ein Ruck durch diese Schule gehen.“

Ganz viel Applaus.

Am Adolfinum ist Direktor Heinz-Ulrich Gosemann auf eigenen Antrag von allen Aufgaben entbunden worden: Nun setzen Kultusministerium und Landesschulbehörde auf einen Neuanfang

Foto: Archiv




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