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Blinden- und Sehbehindertenverband trifft sich zum Backtag in Gelldorf / Leckeres aus dem Steinofen

Blinde lassen sich Streuselkuchen schmecken

Gelldorf (mld). An einem milden, wolkenlosen Herbsttag lässt man sich leicht zu einem "Sieh mal, wie schön die Sonne scheint!" hinreißen. Carola Steinert und Jakob Spreic lächeln dann nur, nehmen sich ein Stück Kuchen und antworten: "Ja, heute haben wir wirklich Glück mit dem Wetter". Carola und Jakob sind blind: sie von Geburt an, seine Sehleistung nahm als Jugendlicher durch eine Krankheit ab, bevor er mit 20 Jahren ganz erblindete.

veröffentlicht am 02.10.2008 um 00:00 Uhr

Am Backtag des Schaumburger Blinden- und Sehbehindertenverbandes spielt das aber keine Rolle: Jeder der etwa 40 Verbandsmitglieder, die an diesem Tag zum Gelldorfer Backhaus gekommen sind, fühlt sich wohl, isst den ofenwarmen Kuchen, lacht und unterhält sich. Es ist der inzwischen fünfte Backtag des Vereins, und die Menschen sind aus ganz Schaumburg angereist, kommen teilweise auch aus Hannover oder Hagenburg. Ludwig Ernst istüber seinen Sohn zum Verein gekommen, unterstützt ihn als förderndes Mitglied, organisiert Fahrdienste und hilft, wo er kann. Der Backtag war seine Idee: Als Gelldorfer weiß er, dass das kleine Backhaus am Dorfteich von der Dorfgemeinschaft vermietet wird. Es geht darum, die Gemeinschaft zu fördern und zusammen etwas zu unternehmen, was als Einzelner vielleicht nicht so einfach möglich wäre. "Für die meisten Menschen sind alltägliche Dinge wie zum Beispiel essen zu gehen nichts Besonderes", erklärt er. "Aber für einen Blinden ist das Essen in der Öffentlichkeit oft schwierig. Leichter fällt es in einer geschlossenen Gesellschaft wie hier am Backtag." Tatsächlich scheinen sich allewohl zu fühlen, jeder scheint den anderen zu kennen. Jeden dritten Montag im Monat organisiert der Verein einen Stammtisch im "Paritätischer Schaumburg" in Bückeburg, an dem sich die Mitglieder und alle Interessierten austauschen können. Doch Aktionen wie Spargel- und Grünkohlessen, Segelfliegen, Schifffahrten und der Backtag sind echte Höhepunkte im Jahresprogramm. Die Begeisterung für den Backtag könnte ein Stück weit auch Ulrich Liedtke zugeschrieben werden. Der Bäckermeister ist schon Tage vor dem Backtag damit beschäftigt, den Steinofen im Backhaus vorzuheizen und Teig für Plattenkuchen und Roggenbrote anzusetzen. Er ist aber mit Ludwig Ernst befreundet und arbeitet gern an dem alten Steinofen. Teilweise sind seine Brote schon reserviert, bevor sie überhaupt gebacken wurden. Auch die ofenwarmen Butter- und Streuselkuchen schmecken jedem. Wenn der Tag sich dem Abend entgegen neigt, greift Helmut Möller zum Akkordeon, während Ludwig Ernst Fleisch und Salate für das abendliche Grillen vorbereitet. Und alle sind sich einig: Das war ein wirklich schöner Herbsttag.




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