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Oliver Cavaiani restauriert mit Zartgefühl hochwertige Oldtimer

Bloß keinen Handschweiß auf das blanke Metall kommen lassen

Sachsenhagen (jpw). Porsche, Käfer-Cabrio, Bulli - Oliver Cavaiani hat in seiner Karosserie-Werkstatt so manches alte Schätzchen mit Zartgefühl zu neuem Leben erweckt. Seine ganze Liebe gehört jedoch den roten Ferraris aus Maranello.

veröffentlicht am 28.07.2008 um 00:00 Uhr

Seine Firma "Karosserie Siegmann e.K." in Sachsenhagen als Edelschmiede zu bezeichnen, wäre vielleicht noch etwas vermessen, aber Oliver Cavaiani genießt als Restaurateur alter Autos offenbar in der Oldtimer-Szene einen guten Ruf. "Ich bin 1968 in Altenhagen am Wetterschacht geboren", berichtet Cavaiani, den die Liebe später nach Sachsenhagen verschlug. Dort hat er längst sein Zuhause gefunden und reihte sich bereits 1994 in die honorige Folge der städtischen Schützenkönige ein. Dem Erbe der Familie - Vater Enrico ist Italiener - ist es zweifellos zu verdanken, dass Sohn Oliver schon in jungen Jahren zum begeisterten "Ferraristi" wurde. "Mein Onkel hat mir Ferrari-Modelle geschenkt, zunächst einen 312 P4-Prototyp". Der kleine Oliver fing schnell Feuer und kaufte sich recht bald auch ein Buch über Enzo Ferrari. Inzwischen besitzt er 80 bis 90 Ferrari-Modelle. Cavaiani war "verrückt genug", wie er selber zugibt, er beließ es nicht beim Modell und ergatterte mit Glück und Geschick einen Unfallwagen, einen "348tb", den er selber wieder fertig machen konnte. "Doch was sollte ich mit einem Wagen, bei dem ich für eine Inspektion einen Kredit aufnehmen musste", sagt er heute: "Nach dem finanziellen Desaster bin ich ein Jahr lang ?Ferrari-los' gewesen." Dann schlug Cavaiani erneut zu: Der Lebenstraum war gut gesichert in einer Garage untergestellt, ab und zu bewegte er den Testarossa einmal mithilfe einer roten Nummer. Jetzt ist er verkauft, "der Hausfinanzierung wegen". Er blieb schweren Herzens Realist, doch bedeutet das das Ende aller Ferrari-Träume? Das Kopfschütteln ist kurz - alleine der Gedanke an das Drinsitzen und Anlassen verursacht dem 40-Jährigen Gänsehaut. Trotz der Begeisterung für die Flitzer aus Maranello - dass Cavaiani einmal hauptberuflich Autos restaurieren würde, war nicht unbedingt abzusehen: "Ich habe Kunststoffformengeber bei Namendorf in Steinhude gelernt", erzählt er, eine Ausbildung als Maschinenbautechniker und auch in Umweltschutztechnik angeschlossen. "In den Semesterferien habe ich an Autos herumgeschraubt." Sein späterer Schwiegervater gab ihm Gelegenheit, dies auch in seiner Werkstatt in der Poggenkuhle zu tun. Cavaiani behielt nicht nur Gefallen an der Tochter, sondern auch an der Arbeit und übernahm im Jahr 2000 schließlich nach einer dreimonatigen "Hammer-Ausbildung" zum Karosserie- und Fahrzeugbaumeister die Werkstatt. Eines seiner ersten, eigenen Aufträge war die Restaurierung eines Porsches 356, der zuvor der niederländischen Königin Beatrix gehört hatte: "Der hatte sogar noch die Original-Kennzeichen", erinnert er sich gerne. Kunden für den Betrieb, in dem er auch einen Auszubildenden beschäftigt, kommen mithilfe von Mundpropaganda aus ganz Deutschland und den Nachbarländern. Gegenwärtig hat er wieder einen Porsche 356 in Arbeit, der als Gerippe in einer Garage neben der großen Werkstatt auf Rollen geschraubt ist. In der Halle steht ein schmuckes, schwarzes Käfer-Cabrio, fast schon wieder abholbereit und daneben - ebenfalls als Metallgerippe, ein alter VW Bulli. "Manchmal sehen wir während der Renovierung aus wie Ärzte", schmunzelt er. Entsprechend trägt er auch Aids-Handschuhe, um bloß keinen Handschweiß auf das blanke Metall kommen zu lassen. Oliver Cavaiani ist immer zartfühlend, egal ob das Auto nun aus Zuffenhausen, Wolfsburg - oder eben aus Maranello kommt.




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