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Landgericht Magdeburg verhandelt – der 50-jährige Angeklagte beteuert seine Unschuld

Bückeburger soll Rentner erschlagen haben

Magdeburg/Bückeburg. Ein Mord, der fast auf den Tag genau vor 16 Jahren verübt wurde, beschäftigt seit Montag erneut das Magdeburger Landgericht. Der heute 50-jährige Herbert M., er wohnt seit Jahren in Bückeburg, wird verdächtigt, im Oktober 1993 bei Magdeburg einen 75-jährigen Rentner aus Habgier mit einem Beil erschlagen zu haben. 2008 war der Tatverdächtige wegen Mangels an Beweisen freigesprochen worden.

veröffentlicht am 24.11.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 07.11.2016 um 13:41 Uhr

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Die zweite Strafkammer des Magdeburger Landgerichtes unter Vorsitz von Richter Hans-Joachim Kupfer verhandelt den Fall, weil der Bundesgerichtshof (BGH) der Revision der Staatsanwaltschaft stattgegeben und den Fall zurück ans Landgericht Magdeburg überwiesen hat. Das BGH sah Beweise zu ungenügend berücksichtigt.

Der 50-jährige Angeklagte schwieg zum Prozessauftakt zu den Vorwürfen. Auf das Verlesen der Anklageschrift reagierte der derzeit arbeitslose mit Kopfschütteln. Gegenüber der Magdeburger „Volksstimme“ hat er die Tat vehement bestritten: „Ich weiß auch nicht, was das hier soll. Ich bin unschuldig.“ Er habe weder den Rentner erschlagen, noch „den anderen Mord“ begangen. „Elf Jahre habe ich unschuldig im Gefängnis gesessen“, schimpfte Herbert M..

Gemeint ist der Mord an der Mutter seiner damaligen Lebensgefährtin, Editha Schulze, auf einem Bauernhof in Dreileben bei Magdeburg. Die Frau war erdrosselt worden. Diese Tat hatte sich im August 1993 ereignet, nur drei Monate vor dem Mord an dem Rentner in Drackenstedt (Bördekreis). 1995 wurde Herbert M. als Täter wegen Totschlag an der Mutter seiner Freundin zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt.

Doch warum wurde nicht bereits 1994 gegen den auch damals schon in der Drackenstedt-Sache dringend tatverdächtigen Herbert M. Anklage erhoben? Landgerichtssprecher Christian Löffler: „Formell geschah dies aus Mangel an Beweisen.“ Eine gewisse Rolle wird auch gespielt haben, dass der Angeklagte wegen des Totschlags zeitnah zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt wurde.

Einem „Dezernatswechsel innerhalb der Staatsanwaltschaft“, so drückt es Löffler aus, war es zu verdanken, dass im Fall des Rentnermordes von Drackenstedt im Frühjahr 2008 plötzlich doch Anklage erhoben wurde. Nicht unwesentlich dürfte dazu auch beigetragen haben, dass Herbert M. 2006 aus der Haft entlassen wurde. Oberstaatsanwältin Martina Klein scheiterte mit ihrer Anklage zwar zunächst. In einem spektakulären Indizienprozess wurde Herbert M. am 24. April 2008 an der 1. Strafkammer des Magdeburger Landgerichtes freigesprochen. Doch die bestätigte Revision durch das BGH hat der Oberstaatsanwältin indirekt Recht gegeben. Nun wird der Mord vom November 1993 an den damals 75-jährigen Edmund Plate erneut verhandelt. Der Rentner war im Schlaf mit sechs Beilhieben erschlagen worden. Aus der Wohnung wurde ein Videorekorder und eine goldene Taschenuhr gestohlen.

Der Prozess begann mit der Verlesung des Vorstrafenregisters von Herbert M.. Seitdem er 1974 am Ende der 7. Klasse die Schule verlassen hatte, kam er bis zu seiner Verhaftung 1993 fast jährlich mit dem Gesetz in Konflikt. Er wurde mehrfach wegen Delikten wie Körperverletzung, Diebstahl oder Trunkenheit am Steuer verurteilt. Der Enkel des Opfers, Ralf Plate, der am Montag als Zeuge gehört wurde, kommentierte das kriminelle Vorleben des Angeklagten am Prozessrand mit den Worten: „Immer wenn er freigelassen wurde und am Bahnhof ausgestiegen ist, haben die Leute im Dorf die Schlösser an ihren Haustüren ausgewechselt.“

Vor dem Landgericht sind zunächst zehn Prozesstage mit 33 Zeugen und einem Sachverständigen geplant. Bis zum 15. Dezember soll der Prozess beendet sein. Die Beweisführung dürfte sich schwierig gestalten, da Zeugen nicht mehr befragt werden können. Sie sind schon vor dem ersten Prozess gestorben.




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