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"Bad Nenndorf ist bunt": Schlaffhorst-Andersen-Schüler und Gymnasiasten gestalten Programm

Bunter Kulturabend macht "Lust auf mehr"

Bad Nenndorf (rd). Die Aula der CJD-Schule Schlaffhorst-Andersen in Bad Nenndorf ist mit 130 Menschen prall gefüllt. Es liegt Spannung in der Luft, denn was heute hier geschieht, hat es in Bad Nenndorf noch nicht gegeben: Schüler des Gymnasiums Bad Nenndorf und der CJD-Schule gestalten unter dem Titel "Stimmen gegen Rechts" gemeinsam einen bunten Abend mit Musik, Lesung und Szenerie.

veröffentlicht am 27.02.2009 um 06:48 Uhr

Stimmen gegen Rechts: Mareike Höker und Ralph Krischke tragen in

Und der hat es in sich: Musikstücke wie der "Prince of Denmark's March" von Jeremiah Clarke , "Tu Bella" von Niuri Te Sule, die "Patetique Sonate" von Ludwig van Beethoven und traditionelle jüdische Volkslieder sind zu hören. Sie wechseln sich ab mit Rezitationen von Brecht und Eisler sowie dem unter die Haut gehenden "Und eswar" von Nora Gomringer oder dem von Schülern selbstverfassten Hörspiel "Der Aussteiger". Tosender Beifall und begeisterte Rufe begleitete die Akteure in die Pause. Ausgegangen war der Abend von CJD-Schülerinnen, die an ihrem ersten Tag Ende Juli 2006 ausgerechnet eine von der Polizei abgerigelte Kurstadt vorgefunden hatten. Grund dafür war der Aufmarsch der Nazis und die damit verbundene Gegendemonstration. "Wo bist du hier denn hingeraten", schoss es den angehenden Atemsprechtrainerinnen Martina Lindinger, Kathy König und Katy Schröder durch den Kopf. Davon aufgerüttelt, folgten sie im Februar 2007 einer Einladung des Bündnisses gegen Rechtsextremismus. Mit Blick auf ein neuerliches Nazitreffen sei der Wunsch entstanden, "dem braunen Spuk auch kulturell etwas entgegen zu setzen". Beim nächsten Termin wurde die Idee geboren, mit dem Gymnasium in einer gemeinsamen Veranstaltung "für eine multikulturelle Gesellschaft" einzutreten. Nun hieß es, Interpreten und Mitstreiter zu gewinnen. "Es war ja kein von oben angeordnetes Projekt und wir mussten unser Ziel selber entwickeln.", beschreiben die Initiatorinnen den Weg. Viele Mitschüler hätten spontan zugesagt, für manche Ideen fehlte die Zeit. Am 8. Juni stand das breitgefächerte Programm, jedoch nur auf dem Papier. "Das musste natürlich in etlichen Proben realisiert und verfeinert werden", erinnern sich die Organisatoren."Und das trotz gleichzeitiger Abi- und Abschlussprüfungen." Das Publikum darf an diesem Abend staunen, was nach nur zwei Wochen Probenzeit alles machbar ist. "Wir mussten uns schon ranhalten, und gute Lehrer haben wir schließlich auch", gaben die beteiligten Schüler das Lob weiter. Eine besondere Kooperation erleben die Besucher nach Pause. Beim Gospelduett "Hallowed be your name" stehen Mutter und Tochter für die Zusammenarbeit der beiden Schulen: Annette Weyer-Kuhn wird an der CJD-Schule ausgebildet, ihre Tochter Johanna ist in der 11. Klasse des Gymnasiums. Mit der Aufforderung, zusammenzuhalten, beginnt die einfühlsame Interpretation von Stings "Fragile". Ein Höhepunkt des Abends ist dann der "Indische Tanz" von Sheena Deist, der die Palette der Klänge und Farben noch einmal erweitert. Birgit Rohrbach leitet den Abschluss an: Das traditionelle hebräische Lied "Hine matov" wird nach kurzer Erklärung und Probe von allen Anwesenden im Kanon gesungen. Zum Abschied erhält unter starkem Beifall jeder Mitwirkende eine Rose. Zufriedenheitüber den Abend herrscht bei GBN-Lehrer Torsten Deist. Sein Fazit: "Es war eine tolle Zusammenarbeit mit den netten, kreativen Leuten von der CJD-Schule." Es habe zuvor wenig Berührungspunkte gegeben. "Wir vom Gymnasium haben einiges gelernt über deren Arbeitsweise. Perspektive sollte eine engereKooperation beider Schulen sein." Dafür habe der Abend die Grundlage geschaffen. Deist kann sich auch eine Fortsetzung des gemeinsamen Projektes vorstellen. "Die Ideen der Rock- AG und der Theater-AG des Gymnasiums, die sich in der Kürze der Zeit nicht umsetzen ließen, machen Lust auf mehr."

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