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Chance vertan

Für die Mitarbeiter der Kreiskrankenhäuser waren die letzten Monate nicht leicht zu verdauen, aber das dicke Ende kommt erst noch. Kündigungen, Outsourcing, das Herunterfahren von ganzen Abteilungen – das volle Programm des Personalabbaus droht der Belegschaft. Die Chance, eine Rationalisierung „light“ auszuhandeln, mit weitgehender Beschäftigungssicherung und Lastenverteilung auf viele Schultern, ist vertan. Jetzt werden entweder volle Gehälter gezahlt – oder keine mehr.

veröffentlicht am 16.07.2010 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 10:18 Uhr

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Gescheitert sind die Tarifverhandlungen vor allem an der Unbeweglichkeit von Verdi und Personalrat, die einen Kompromiss beim Gehaltsverzicht nie ernsthaft angestrebt haben. In den letzten Sondierungsgesprächen haben die Arbeitgeber ihre Einsparziele erheblich eingedampft, der Gehaltsverzicht wäre deutlich geringer ausgefallen als noch vor Monaten geplant, und Verdi hätte dies als Erfolg hartnäckiger Verhandlungstaktik verbuchen können. Doch über die gebauten Brücken wollte die Gewerkschaft nicht gehen. Schon deshalb nicht, weil die Ärzte des Marburger Bundes nicht mitgegangen wären und der öffentliche Flurschaden für Verdi bei einem Gehaltsverzicht nur der „kleinen Leute“ beträchtlich gewesen wäre.

Und gerecht wäre ein solches Ergebnis in der Tat nicht. Aber wer erklärt den jetzt von Kündigung Bedrohten, was gerecht ist? Dass Krankenschwestern, die fleißig Überstunden schieben und generell (wie die meisten Sozialberufe) weit unter Wert bezahlt werden, auf keinen Euro verzichten wollen, ist gut nachvollziehbar. Doch in diesem Fall wäre es für viele das geringere Übel gewesen. Letztlich wurde die Gehaltssicherung auf dem Rücken derer durchgefochten, die bald kein Gehalt mehr haben.

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