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Junge Menschen suchen nach Antworten in der Church-Night

Christen und Muslime in einer Kirche?

Bad Eilsen. Eine solche „Church-Night“ hat die Christuskirche bisher sicherlich noch nicht erlebt. Vor dem Altar standen drei Kochtische mit elektrischen Herdplatten. Und junge Teams versuchten sich dort an verschiedenen Rezepturen, die alle etwas mit einer großformatigen Frucht zu tun hatten – dem Kürbis.

veröffentlicht am 05.11.2013 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 08:41 Uhr

An einer Stelle wurde daraus eine Suppe gekocht. Dazu gab es Spieße mit Schinkenscheiben. Am zweiten Kochplatz entstand ein Kürbissalat und am dritten sogar ein Eis-Vanille-Dessert mit der großen Gartenfrucht als Zugabe.

Im Laufe des Tages war bereits in der Küche des Gemeindesaales fleißig gewerkelt worden, um das Speisenangebot für die nächtliche Zusammenkunft noch zu erweitern. Bei der „Kürbiskochshow“ gab es dann mehrere dieser orangefarbenen „Dickhäuter“, die von den Kochteams zerlegt werden mussten.

Einige Prachtexemplare waren auch bereits vorher ausgenommen worden, aber nicht, um daraus Angst einflößende Halloween-Fratzen zu machen, sondern um ein Kreuz in sie hineinzuschneiden. Und diese Kreuze leuchteten mystisch im Halbdunkel des Kirchenraumes, weil sie von innen mit Kerzen angestrahlt wurden.

Hier wird fleißig gearbeitet, um die Gaumen der Church-Night-Besucher zu verwöhnen. sig (2)

Natürlich gehörte das alles zum Rahmenprogramm. Aber es war gekonnt eingeflochten in den Ablauf des Reformationsfestes, das der Halloween-Nacht und dem katholischen Feiertag Allerheiligen vorausging. Superintendent Reiner Rinne erinnerte gleich zu Beginn an das nicht nur kirchengeschichtlich überaus wichtige Ereignis – den Tag, an dem Martin Luther in Wittenberg seine 95 Thesen an der Tür der Schlosskirche anbrachte. Das hatte in der Folgezeit den damaligen Ablasshändlern das Geschäft gründlich verdorben und die weltumfassende Reformation eingeleitet.

Der Gottesdienst stand unter dem Motto „Geht gar nicht – oder doch?“ Schon Tage vorher hatten Jugendliche aus den Gruppen der evangelischen Kirchengemeinde vor heimischen Supermärkten Menschen angesprochen und zu wichtigen Themen befragt. Auch die Besucher der „Church-Night“ hatten die Chance, mit Hilfe von Klebepunkten ihre Haltung zu diesen Fragen kundzutun. Auf einer eigens zu diesem Zweck herbeigeschafften Tür waren die Fragen befestigt.

Einige der Fragen lauteten so: Verschiedene Religionen teilen sich eine Kirche – geht das? Englischsprachige Lieder im Gottesdienst – geht das? Sollen wir für die Schulden anderer Länder bezahlen? Krieg gegen den Terror – geht das? Kann ins Pfarrhaus ein schwules oder ein lesbisches Paar einziehen?

Die Antworten machten einen erheblichen Wandel im Denken und Fühlen der Generationen deutlich. Gemeinsames Beten von Christen und Muslimen zum Beispiel wurde durchaus von der Mehrheit für möglich gehalten. Gegen den weltweiten Terror mit kriegerischen Mitteln vorzugehen, hielt aber nur die Hälfte der Befragten für sinnvoll und Erfolg versprechend. Die Überwachung von Telefon und Internet wiederum sieht eine übergroße Mehrheit für unerlaubt und unvertretbar an.

Superintendent Rinne holte sich einige Meinungen dazu direkt aus der Mitte der Kirchenbesucher. Er erläuterte die Ergebnisse der Befragung, die den Wandel in der Volksmeinung deutlich machten und wies auch auf die Unterschiede hin, die schon zwischen den jetzt lebenden Generationen deutlich werden. Häufig sei es alles andere als leicht, eine Antwort als richtig oder falsch einzuordnen. Das müsse jeder mit sich selbst abmachen, schließlich führe auch jeder sein eigenes Leben.

Für den musikalischen Rahmen sorgte eine junge Gruppe, die erst seit dem vergangenen August besteht und sich auf Initiative von Ingmar Everding gebildet hat. Sie nennt sich „Kaefa“, und ihr gehören Fabian Söhlke, Lea Schröder, Kea Fackiner und Lea Beckmann an. Das Quartett widmet sich vornehmlich modernen Kirchenliedern.

Für die Teilnehmer der Church-Night gab es auch Mitmach-Aktionen. Dazu gehörte zum Beispiel, biblische Worte mit einem Federkiel nachzuschreiben, wie es einst Luther machen musste. Für Fackel- und Kerzenmeditationen war es vor der Kirche zu windig. sig




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