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Kettenhemd- und Rüstungsträger nehmen es auf dem Spectaculum historisch – und berufen sich auf die Kreuzritter

„Da hat der Wettergott zu doll an der Schraube gedreht“

Bückeburg (jp). 15 Jahre Spectaculum in Bückeburg, das ist nicht zuletzt auch eine Geschichte von extremen Wetterverhältnissen. So sehr Veranstalter Gisbert Hiller das Veranstaltungsgelände in Bückeburg mit seiner historischen Kulisse schätzt, so häufig machten ihm in der Vergangenheit aber auch heftigste Wettereinflüsse ausgerechnet am schönsten Spielort der gesamten Festivalreihe das Veranstalterleben so richtig schwer.

veröffentlicht am 12.07.2010 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 10:21 Uhr

Wer erinnert sich nicht an den Regensommer 2002, als nicht nur die Elbe über sämtliche Dämme rauschte, sondern auch die Mausoleumswiese dermaßen unter Wasser stand, dass schon Entwässerungsgräben ausgehoben werden mussten? Oder an den Jahrhundertsommer 2003, als Bückeburg ausgerechnet zum Zeitpunkt des Spectaculums zum heißesten Ort Europas ausgerufen werden musste?

Der Sommer 2010 hat zumindest am Auftaktwochenende einiges daran gesetzt, dem „Sahara-Sommer“ 2003 nachzueifern. „Wir haben Jubiläumswetter bestellt, aber da hat der Wettergott eindeutig etwas zu viel an der Schraube gedreht“, meinte Gisbert Hiller, der als Reaktion Besuchern und Akteuren auf dem gesamten Veranstaltungsgelände Wassersprenger, Badezuber und riesige Sonnensegel zur Verfügung stellte. Das Publikum reagierte auf die hochsommerliche Großwetterlage, dem es nicht schon in der tropisch anmutenden Mittagszeit, sondern erst in den frühen Abendstunden in wirklich großer Zahl auf das Veranstaltungsgelände strömte.

Wer jedoch als Akteur oder Heerlagermitglied aktiv war, hatte diese Ausweichmöglichkeit nicht. „Es ist unter der Rüstung ein wenig wie ein Backofen“, meinten Sascha Hagemeier von den „Recken zu Porta“ und Tim Messerschmitt, Mitglied der Heerlagergruppe „Bajo la bandera negra“. Beide waren als echte Heerlager-Ritter (natürlich) in schwerer hochmittelalterlicher Kettenpanzerung auf dem Gelände unterwegs, nahmen die Hitze aber nicht nur gelassen, sondern sogar noch als Ansporn, ihren historischen Vorbildern nachzueifern: „Auf den Kreuzzügen war es sicherlich noch heißer, und dort haben die Ritter in dieser Panzerung sogar noch gekämpft.“

Auch auf den Veranstaltungsbühnen gerieten die Auftritte während der Mittags- und Nachmittagszeit zur Härteprobe. „Ich wollt, es wäre Nacht“, entfuhr Vivianne von der Saar, Sängerin und Dudelsackspielerin der Mittelalterband Vermaledeyt, das berühmte Zitat des Herzogs von Wellington während der Schlacht von Waterloo, nachdem sie und ihre Jungs unter glühender Sonne die Dudelsäcke und Sackpfeifen geblasen und die Trommelfelle der von der Hitze offenkundig unbeeindruckten Fans zum Schwingen gebracht hatten.

Keine größeren Zwischenfälle vermeldete die Bereitschaft des DRK-Ortsvereins Bückeburg, die während der Öffnungszeiten des Spectaculums den Sanitätsdienst versah, nach dem Veranstaltungsauftakt. „Wir hatten die Fälle zu versorgen, die bei so einem Wetter nun einmal zu erwarten sind, also vor allem Insektenstiche und Personen, die zu wenig getrunken hatten, aber nichts wirklich Dramatisches“, berichtete DRK-Bereitschaftsleiter Heiko Büsing.

So kann man sich während der größten Mittagshitze ein wenig Abkühlung verschaffen.

Foto: jp




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