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Ehepaar streitet mit Jobcenter um „angemessene“ Wohnung / Behörde: Nebenkosten unüblich gering

„Da ist mir der Kragen geplatzt“

BÜCKEBURG. Ronald Delkof ist sauer – sauer auf das Jobcenter Schaumburg. Denn statt dass die Behörde dem 70-jährigen Bückeburger, dem an der Bergdorfer Straße die Räumungsklage droht, eine in seinen Augen „angemessene“ Wohnung in Groß Hegesdorf bezahlt, habe man ihm und seiner Frau in Stadthagen einen Flyer der Obdachlosenhilfe in die Hand gedrückt. „Zynisch“ empfindet das Ronald Delkof.

veröffentlicht am 13.01.2019 um 17:24 Uhr

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Autor:

THOMAS WÜNSCHE
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Zumal die Miete in dem in der Gemeinde Apelern gelegenen Objekt weit unter dem liege, was die Behörde für ihn und seine 33 Jahre alte Frau in Bückeburg bezahle. Doch der Reihe nach. „Ich bin nach einem Arbeitsunfall zu 50 Prozent schwer behindert, kann meinen Job als Security-Mann nicht mehr ausüben“, sagt Ronald Delkof. Der in Rinteln geborene gelernte Bäcker, Konditor und Koch erhalte seitdem eine Rente, die aber so klein sei, dass er zusätzlich Grundsicherung beziehen müsse. Seine Frau Jessica leide unter Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) und Colitis ulcerosa, eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, und sei als Schwerbehinderte ebenfalls nicht arbeitsfähig.

Während der 70-Jährige seit März 2015 in einer Zwei-Zimmer-Wohnung an der Bergdorfer Straße lebt, wohnt seine Frau in einer anderen Zwei-Raum-Wohnung an der Obertorstraße. Auf diese beiden Wohnungen verteilen sich drei sieben, acht und elf Jahre alte Kinder. So weit, so gut.

Doch schon bald soll es zwischen Ronald Delkof und seinem Vermieter respektive dem von ihm eingesetzten Verwalter zum Streit gekommen sein. Dabei soll es um vermeintliche oder tatsächliche Mängel an Heizung, Wasserleitung und Fenstern gehen. Der Knatsch beschäftigt mittlerweile die Anwälte. „In der Folge haben wir zu Ende Oktober, Ende November, Ende Dezember und dann nochmals zu Ende Oktober insgesamt vier Kündigungen erhalten“, so Ronald Delkof. Das Ehepaar widersprach – machte sich aber gleichwohl auf die Suche nach einer neuen Wohnung. „Wir haben uns 27 angesehen, kamen aber nicht zum Zuge“, bedauert Jessica Delkof. Mal habe sie zu hören bekommen, man wolle „keine Hartz-IV-Leute“ als Mieter, mal habe man bei der Familiengröße die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen.

In Groß Hegesdorf habe es schließlich geklappt. „Die Vier-Zimmer-Wohnung, die wir in Aussicht haben, soll warm 819 Euro im Monat kosten. Sie hat 146 Quadratmeter Wohnfläche“, sagt Ronald Delkof. Für die beiden Wohnungen an der Bergdorfer Straße und der Obertorstraße zahle die Behörde dagegen summa summarum 1200 Euro warm. Indes: „,Die Kosten der Unterkunft sind rechtlich nicht angemessen’“, zitiert das Ehepaar eine Notiz des Jobcenters. Obendrein sei die Wohnung zu groß. Fünf Personen stünden nur 599 Euro Kaltmiete zu, warm insgesamt 799 Euro. Da liege die Wohnung in Groß Hegesdorf um 20 Euro drüber. Ergo würden auch die Kosten für Kaution, Renovierung und Umzug nicht übernommen.

„Als ich in dem Gespräch dann auch noch den Flyer der Obdachlosenhilfe in die Hand gedrückt bekam, da ist mir der Kragen geplatzt“, sagt Ronald Delkof. Er empfindet diese Aussage – so wörtlich – als „Körperverletzung“.

„Tatsache ist, dass die neue Wohnung, nach den Regeln, die der Landkreis sich gegeben hat und die wir im gesamten Kreisgebiet anwenden, unangemessen teuer ist“, erklärt Bernd Dittmer, Geschäftsführer des Jobcenters am Standort Stadthagen, auf Nachfrage dieser Zeitung. Deswegen könne die Behörde einem Umzug der Familie nach Groß Hegesdorf nicht zustimmen. Hinzukomme, dass die Nebenkosten in dem Wunschobjekt „unüblich gering“ seien. Denn falle die Nebenkostenabrechnung dann doch höher aus, gebe es ein Problem. Doch vor dem Hintergrund der – ohnehin – zu hohen Miete, habe das Jobcenter diesen Aspekt gar nicht weiter geprüft.

Auch seien die Delkofs nicht unmittelbar von Obdachlosigkeit bedroht. „Das Haus an der Obertorstraße wird zwar verkauft, aber der Käufer tritt in die Mietverträge ein“, so Dittmer. Ergo könne Ronald Delkof dort zumindest für eine gewisse Zeit einziehen.

Was schließlich den besagten Flyer der Obdachlosenhilfe angeht, so weiß der Geschäftsführer zwar nicht, ob das Angebot seiner Mitarbeiterin aus Trotz oder aus Sorge geschah. „Ich kann mir aber nicht vorstellen“, so Dittmer, „dass sie Salz in die Wunde streuen wollte.“

Was zudem den Wunsch der Familie betreffe, vom schulisch gut versorgten Bückeburg ins nicht vergleichbar ausgestattete Groß Hegesdorf zu ziehen, so halte er das mit Blick auf die drei schulpflichtigen Kinder für „unvernünftig“.




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