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Altbaubalken nach Abriss "recycelt"

Das alte Rathaus lebt in mehreren Gebäuden weiter

Bückeburg (gp). Den 100. Geburtstag ihres Rathauses konnten kürzlich die Bückeburger feiern. Der Beschluss zur Errichtung des Gebäudes war im Mai 1904 vom damaligen Magistrat gefasst worden. Eine Sanierung des bis dato genutzten, an gleicher Stelle stehenden Altbaus sei weggeworfenes Geld, hatten Fachleute zuvor erklärt. Die Fundamente und wichtige Konstruktionsteile der 300 Jahre alten Fachwerkkonstruktion seien marode. Die Folgen dieser gutachterlichen Einschätzung sind bekannt: Der alte Rathausbau wurde 1905 abgerissen.

veröffentlicht am 05.12.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:20 Uhr

Ganz so schlimm, wie damals dargestellt, kann es mit der Qualität des einst vom Grafen Ernst in Auftrag gegebenen Hauses nicht gewesen sein. Grund: Zahlreiche Einzelteile des angeblich maroden Fachwerks konnten später wieder- und weiterverwendet werden und sind bis heute als tragende Bauelemente in Gebrauch - so zum Beispiel an den Giebelfronten des "Alten Forsthauses" (früher "Forsthaus Heinemeyer"), des Wohnhauses Ulmenallee 5 und des Geschäftsgebäudes Lange Straße 7 (heute "Süße Quelle"/"Medea"). Offensichtlich war pfiffigen Unternehmern die Nachnutzungs- und Vermarktungsmöglichkeit des historisch interessanten, für die Entstehung und Entwicklung Bückeburgs bedeutsamen und für die Einwohner mit vielen persönlichen Erinnerungen verknüpften Gebäudes schon damals klar. Um die Abriss- und Wiederverwertungsrechte bewarben sich an die 15 Interessenten. Den Zuschlag bekam schließlich für 3300 Mark der Bückeburger Bauunternehmer und "Hofmaurermeister" Krauß. Krauß war damals groß im Geschäft. In der Residenz wurden zahlreiche neue Villen und Repräsentativbauten hochgezogen. Einige Auftraggeber waren darauf erpicht, Balken des Ex-Rathauses als dekorative und stolz zur Schau gestellte Fassadenzier in ihre Giebelfronten einarbeiten zu lassen. Übrigens: Um ein Haar wäre das alte Gebäude komplett und originalgetreu erhalten geblieben. Einem Wirt namens Nöke war die Idee gekommen, das Haus nach Wölpinghausen umzusiedeln. Der Gastronom betrieb dort das wegen seiner Fernsicht übers Steinhuder Meer beliebte und weithin bekannte Lokal "Matteschlößchen". Das Haus war einige Jahre zuvor als Erholungsstätte für die Bad Rehburger Kurgäste errichtet worden. Dem Vernehmen nach scheiterte Nökes Plan weniger am Geld, als viel mehr am Unbehagen der Bückeburger. Die Vorstellung, das Rathaus der Fürstenresidenz neugierigen Sommerfrischlern und Logiergästen als touristische Attraktion zu überlassen, soll auf breite Ablehnung gestoßen sein.




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