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Schaumburg – das sind eigentlich zwei Dörfer und eine Domäne

Das Dorf für Dienstboten des Fürsten und Bauern wird zur Sommerfrische

Schaumburg (rd). Die Schaumburg feiert in diesem Jahr ihr Jubiläum, das Dorf Schaumburg hätte es im Vorjahr tun können – 80 Jahre Schaumburg, denn Schaumburg als Ortsteil, was heute so selbstverständlich ist, gibt es erst seit 1929. Das Dorf ist nämlich aus den beiden Dörfern Ostendorf und Rosenthal mit dem Gutsbezirk Coverden und weiteren Gutsbezirksteilen 1929 entstanden. Die Geschichte des Ortes hat der Dipl.-Verwaltungswirt Ulrich Kipp zusammengestellt und aufgeschrieben.

veröffentlicht am 15.02.2010 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 09:33 Uhr

Coverden war Wirtschaftshof der Grafen zu Schaumburg. Von hier aus ließen die Schaumburger Grafen das seit dem Mittelalter unmittelbar zur Burg gehörende Land bebauen. Sie sicherten sich damit Erträge, die von den Abgaben der Bauern unabhängig waren, auf einem Gut, dessen Größe auch effizientere Bearbeitungsmethoden zuließ.

Es wird vermutet, dass Coverden eine sehr alte Siedlung war, weit älter als die Schaumburg. Hinweis dafür ist der „Neun-Lindenplatz“, der direkt vor dem heutigen Hoftor liegt und ein germanischer Thingplatz gewesen ist. Auch die Schießscharten im ehemaligen Pferdestall deuten auf uralte Zeiten hin. Für den Namen Coverden gibt es zwei Herkunftsdeutungen „Kuhfährte“ oder „Kuhfurt“.

Um 1130 wird in Zusammenhang mit der Burg Schaumburg von „Gütern bei der Schaumburg“ gesprochen. Die Grafen zu Schaumburg hatten keinen Namen für ihren Wirtschaftshof. Erstmals wird im Kirchenbuch von Deckbergen 1586 „Hof zu Coferden“ beurkundet.

Ostendorf war eine kleine Siedlung, die mit Deckbergen in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts entstanden ist. Im 12. Jahrhundert kommt der Name Asterthecbere (Osterdeckbergen) vor. Bei damaligen Personenstandsbeurkundungen durch die Kirchen hat man bewusst zwischen Thecbere (Deckbergen) und Asterthecbere (Osterdeckbergen) unterschieden. Angenommen wird daher, dass es sich bei Asterthecbere um Ostendorf gehandelt hat. Der Name Ostendorf wird auch als Dorf östlich der Kirche Deckbergen gedeutet.

Zur alten Grafschaft Schaumburg gehörte neben acht anderen Ämtern auch das „Amt Schaumburg“, das wiederum in fünf Vogteien unterteilt war. Die hiesigen Siedlungen und der Gutsbezirk gehörten zur „Weser-Vogtei“. Das „Amt Schaumburg“ hatte seinen Sitz auf der Schaumburg; ebenso war Verwaltungssitz der Weservogtei die Burg Schaumburg selbst geworden. Allmählich entwickelte sich eine Verwaltungs- und Regionalstruktur. Mit dem Ausbau einer geregelten Verwaltung wurden auch Hilfskräfte nötig.

Angenommen wird, dass die Grafen zu Schaumburg ihre Hilfskräfte, vornehmlich Boten, sowie Bedienstete im ein Kilometer entfernten Rosenthal angesiedelt und sie mit Land ausgestattet haben, vor allem als man nach der Verlegung der Hofhaltung von der Burg nach Stadthagen ihrer nicht mehr dauernd und nicht in so großer Anzahl bedurfte.

Dies spricht dafür, dass Rosenthal kaum vor 1500 gegründet worden ist. In der Bergfalte, den Klippen, und den Hangflächen standen Wildrosen. Vor dem kleinen „Bedienstetenhäuschen“ im Oberdorf sollen besondere Rosenbeete angelegt worden sein. Man deutet deshalb den Namen „Rosenthal“ als Tal der Rosen. Weil durch die Teilung der Grafschaft der bisherige Privatbesitz des Grafen zu Schaumburg in das staatliche Eigentum der Landgrafschaft überging, erhielt Coverden die zusätzliche Bezeichnung für staatlichen, landwirtschaftlichen Besitz, nämlich „Domäne“. Die Domäne Coverden wurde ab 1866 preußischer Besitz.

Die Verzahnung der Domäne Coverden mit den Gemeinden Ostendorf und Rosenthal – später mit der Landgemeinde Schaumburg – wurde dadurch deutlich, dass etliche Landarbeiter aus den genannten Orten auf der Domäne tätig waren. Um die Jahrhundertwende arbeiteten während der Erntezeit rund 100 Personen.

Für die Landgemeinden werden nach der Revolution von 1918 hinsichtlich der Wahlen die gleichen Grundsätze angeordnet wie für die Städte. Das letzte und eigentlich die Entwicklung abschließende Gesetz zur Verwaltungsreform auf dem Lande bildete das Preußische Gesetz über die Regelung verschiedener Punkte des Gemeindeverfassungsrechts im Jahr 1927.

Im Gesetz wurde bestimmt, dass Veränderungen der Grenzen einer Stadt- oder Landgemeinde aus Gründen des öffentlichen Wohls erfolgen dürfen. Es verfügte die Auflösung der etwa 12 000 noch bestehenden selbstständigen Gutsbezirke. Sie sollten sich mit einer Landgemeinde vereinigen. Diese Norm hatte auch für die Schaumburger Region Auswirkungen. Mit seiner im Amtsblatt der Regierung zu Kassel am 13. Dezember 1928 veröffentlichten Bekanntmachung teilte der Regierungspräsident in Kassel mit, dass das preußische Staatsministerium zur Durchführung des Gesetzes am 27. Dezember 1927 mit Wirkung vom 1. Januar 1929 wie folgt verfügt hatte: „Der gesamte Gutsbezirk Coverden wird zusammengeschlossen mit Hessisch Oldendorf Forst (Teil), Reinsdorf Forst (Teil), den Gemeinden Ostendorf und Rosenthal zu einer neuen Landgemeinde Schaumburg.“

1932 wurde der Kreis Grafschaft Schaumburg, und somit auch die Landgemeinde Schaumburg von der Provinz Hessen-Nassau abgetrennt und der preußischen Provinz Hannover, und hier dem Regierungsbezirk Hannover, zugeordnet.

Ostendorf und Rosenthal mussten zunächst als Ortsteile weiter mit ihren alten Namen bezeichnet werden. Der Standesbeamte beurkundete daher „Schaumburg-Ostendorf“ und „Schaumburg-Rosenthal“. Postalisch wurde unterschieden zwischen „Schaumburg-O“ für Ostendorf und „Schaumburg-R“ für Rosenthal. Die Hausnummern blieben für jeden Teil bestehen. Vielfach wurde die Ortsanschrift mit „Schaumburg I“ für Ostendorf und „Schaumburg II“ für Rosenthal versehen. Die Gemeinde wurde verpflichtet, eine neue Gemeindevertretung und einen neuen Bürgermeister zu wählen. Als ersten Bürgermeister wählte man Heinrich Kohlmeier aus Ostendorf, der dieses Amt bis Januar 1933 ausübte. Nach der Währungsreform 1948 wurde zunächst erst zögerlich gebaut und die in der Ortslage vorhandenen Baulücken allmählich geschlossen.

Aufgrund seiner sonnigen Lage und der sich überall im Ort ergebenden herrlichen Aussicht in das Wesertal entwickelte sich das Dorf schon früh zu einer Sommerfrische. Neue Wohngebiete wurden erschlossen, so die siedlungsmäßige Bebauung auf den Flächen „Sauern Brink“ und „Im Tiergarten“. Die Domäne Coverden ist seit der Bildung des Bundeslandes Niedersachsen 1946 Eigentums dieses Bundeslandes. Sie wird bis heute durch Pächter bewirtschaftet. 1961 baute der Landkreis Grafschaft Schaumburg die Kreisstraße innerhalb der Ortslage von Ostendorf aus. Im Jahr 1971 führte die Gemeinde Schaumburg Straßenbezeichnungen ein, änderte aber nicht die Hausnummern. Bereits vorhandene alte Flurbezeichnungen, wie Klippe, Am Block, Im Tiergarten, In den Eschen, Musikantenstraße, Lehmkuhle, Schmiedeweg wurden beibehalten. Letzter Bürgermeister der Gemeinde Schaumburg war von 1968 bis 1974 Karl Lorenz. Seit der Verwaltungs- und Gebietsreform ist der Ort Schaumburg ein Ortsteil der Stadt Rinteln.




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