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Schaumburg profitiert von zahlreichen Logistik-Großprojekten / Zügiger B-65-Ausbau ganz oben auf der Prioritätenliste

Das Geschäft mit dem Verkehr boomt

Landkreis (bes). „Die Bedeutung Schaumburgs als Logistikstandort hat zugenommen und nimmt weiter zu“, gibt sich Wirtschaftsförderer Stefan Tegeler zuversichtlich. Der Landkreis und die angrenzenden Regionen haben sich Tegeler zufolge in den vergangenen Jahren zur Verkehrsdrehscheibe entwickelt. „Wir profitieren dabei vom Mittellandkanal, der A 2, der B 65 und dem Großraum Hannover“, führt der Wirtschaftsförderer weiter aus.

veröffentlicht am 10.08.2012 um 19:15 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 18:06 Uhr

So bauen die Lebensmittel-Konzerne Edeka und Kaufland entlang der Bundesautobahn 2 ihre Zentrallager, der Büroartikelproduzent Lyreco hat sich in Bantorf angesiedelt und den Logistik-Spezialisten Syncreon hat es nach Wunstorf gezogen. Die Ursache für diese Entwicklung sieht Oskar Neukirch, geschäftsführender Gesellschafter der Neukirch Logistik GmbH in Wunstorf, auch darin, dass Gewerbegebiete in Hannover „relativ dicht belegt sind“.

„Die Ansiedlungen sorgen nicht nur direkt für Arbeitsplätze, auch die Handwerksbetriebe profitieren davon“, ergänzt Fritz Pape, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. Ob Elektriker, Landschaftsgärtner, Installateur, für alle eröffne sich durch die Logistik-Zentren ein großes Auftragsfeld. „Beim Bau werden zwar Generalunternehmer eingesetzt“, schränkt Pape ein, bei Reparaturen und Instandhaltungen gebe es jedoch zahlreiche Chancen für die heimischen Betriebe. „Ein weiterer positiver Aspekt besteht darin, dass auch Menschen ohne Abitur bei den Logistikern Arbeit bekommen“, ergänzt Peter Dörries von der Stadtentwicklungsgesellschaft Barsinghausen. „Die in den vergangenen Jahren verschwundenen Industrie-Arbeitsplätze kann die Logistik aber nicht vollständig ersetzen.

Trotz dieser positiven Entwicklung gibt es Wirtschaftsförderer Tegeler zufolge auch einige Punkte zu berücksichtigen. „Es gibt die Tendenz, dass die Entwicklung weitergeht“, betont Tegeler, es gebe allerdings keine Garantie dafür, dass die Entwicklung so fortgesetzt werden kann.

Damit Schaumburg und die Nachbarkommunen auch in den kommenden Jahren von dem Aufschwung profitieren können, müssen laut Wirtschaftsförderer Dörries Faktoren wie die Anbindung der Logistik-Standorte und das Umfeld weiter ausgebaut werden. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Hannover fordert in diesem Zusammenhang: „Mittelfristig ist ein Ausbau der A 2 in besonders belasteten Teilstrecken auf acht Fahrstreifen erforderlich.“ Insbesondere die Bereiche um die Landeshauptstadt sollen nach den Vorstellungen des IHK-Experten Frank Wagner dazugehören.

Doch nicht nur die Autobahn soll den ständig wachsenden Verkehrsströmen angepasst werden. „Der Ausbau der B 65 ist für den Logistik-Standort von großer Bedeutung“, hebt Matthias Molthahn, Geschäftsführer der Molthahn-Transporte GmbH, in Nienstädt hervor. Für ihn ist zudem der Ausbau der Häfen in Berenbusch und Minden von herausgehobenem Stellenwert. „Der Regio-Port ist sicherlich auch für die Region Schaumburg wichtig, denn wir sehen, dass es steigende Gütermengen bei den Binnenschiffen gibt.“ Damit dieses Potenzial genutzt werden kann, sei jedoch ein zügiger Baubeginn in Sachen B 65 mehr als wünschenswert.

Bei den Logistik-Unternehmen sorgt nicht nur diese Verzögerung für Zurückhaltung. Auch die zum 1. August eingeführte Maut auf bestimmten Bundesstraßen trägt Molthahn zufolge dazu bei. Ein weiterer Unsicherheitsfaktor seien die Kraftstoffpreise, die rund ein Drittel der Kosten verursachen. „Der Kunde muss mit festen Preisen kalkulieren können, die Preise schwanken jedoch“, beschreibt Molthahn das Dilemma. Er sieht in dieser Angelegenheit die Bundesregierung am Zug, um Sicherheit zu schaffen. Schließlich führe der Mangel an verlässlichen Grundlagen auch zu Zurückhaltungen bei Investitionen in die Fahrzeugflotte, argumentiert Molthahn.

„Die Attraktivität und Zuwachs von Arbeitsplätzen in der Region Hannover könnte in anderen Bundesländern oder auch in anderen arbeitsmarktschwachen EU-Ländern wie Spanien und Portugal besser beworben werden. Ferner wären auch Zuschüsse für Ausbildungen wünschenswert“, nennt Neukirch-Geschäftsführer einen weiteren Verbesserungsvorschlag.

Dicht an dicht: Logistik-Unternehmen, die IHK Hannover und Wirtschaftsförderer plädieren für den Ausbau der zentralen Verkehrswege wie der A 2 und der B 65. Nur so lasse sich der Standortvorteil sichern, argumentieren sie.

Foto: pr.




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