weather-image
24°
×

Jetzt ist Saison für „Bernsteinfischer“

Das Gold des Meeres am Ostseestrand

Ostseebad Binz (gr). Wenn Finbarr Corrigan früh am Morgen mit seinem Käscher in Richtung Ostsee unterwegs ist, dann wissen die Gäste im Ostseebad Binz: Es ist Bernsteinwetter! „Wenn ich am Strand entlang laufe, habe ich häufig andere Schatzsucher hinter mir“, erzählt der gebürtige Engländer, der als „Bernsteinfischer von Rügen“ bekannt ist. Wer selbst ein schönes Exemplar gefunden hat, kann es sich in Corrigans Bernsteinladen schleifen und polieren lassen – Tipps zur Bernsteinsuche inklusive.

veröffentlicht am 01.11.2012 um 11:34 Uhr

Von Oktober bis März ist die beste Zeit für die Suche nach dem Gold der Ostsee. Wenn die Ostsee Wellen schlägt und der Wind den Sand vor sich hertreibt, ist Schatzsucher-Wetter in Binz auf Rügen. Bernsteinfischer Finbarr Corrigan verrät den Inselbesuchern, was es für eine erfolgreiche Suche des Ostsee-Goldes braucht, nämlich mehrere Tage auflandigen Wind. Und weil es den im Herbst und Winter am häufigsten gibt, ist diese Zeit ideal, um am Strand – „immer da, wo Holz, Muscheln und Seetang zusammen angeschwemmt wurden“ – die kostbaren gelben Steine aus fossilem Harz zu finden.

Und dann schnell damit zurück nach Binz zur Paulstraße 1. Dort hat der gebürtige Engländer seinen Laden mit einer kleinen Werkstatt. Die Liebe zu der Binzerin Yvonne hat ihn hierher verschlagen. Er sagt: „We travel the world for the women…“ Seit er auf Rügen lebt, treibt es den Mann mit der irischen Abstammung regelmäßig früh am Morgen, wenn kaum ein Tourist unterwegs ist, zum Strand. Bernsteinfieber! Und wenn günstige Sturmwinde das Gold der Ostsee anspülen, macht er reiche Beute. Die Fundstücke nimmt er schon mal zur Zwischenlagerung in den Mund. Hat er dabei schon einmal einen Bernstein verschluckt? „Ja, aber sie kommen immer wieder raus…“

Seine Arbeit erledigt Finbarr Corrigan ohne Stress, für eine „Teatime“ am Strand ist immer Zeit, im Winter muss Whisky in den Tee. „Als Heizung“, sagt Corrigan augenzwinkernd. Zuhause in Lancken-Granitz hat der charmante Engländer seine ganz eigene Mischung angesetzt: Wodka mit Bernstein. „Nach circa sechs Monaten verflüssigt sich das Bernstein, sähr, sähr lecker“, erklärt er. Corrigan, der sein Sprachgemisch „Denglisch“ nennt, ist ein echtes Original – irischer Humor und Sangeslust inklusive. Als Trockenbauer kam er Anfang der 90er Jahre nach Hiddensee westlich von Rügen. Dort lernte er seine Frau kennen. Zusammen eröffneten sie in Binz ihren Bernsteinladen. Hier sichtet er auch gerne die Funde von Inselgästen. Einen anderen Wunsch schlägt er den Gästen dagegen immer wieder ab: Finbarr Corrigan nimmt keine Begleiter mit. Wegen der gefährlichen Strömung, der aufgrund der Wetterlage schlechten Planbarkeit seiner Touren – und weil echte Schatzsucher eben lieber allein unterwegs sind.




Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige