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Bachs Johannespassion überzeugt in der Stadtkirche

Das hat was von Filmmusik

Bückeburg. Die Aufführung einer Bach-Passion ist immer etwas Besonderes – für die Musizierenden wie für den Zuhörer. Und so war die Spannung groß, als jetzt die Kantorei der Stadtkirche, das Barockorchester L´Arco und die Solisten Sarah Davidovic (Sopran), Johannes Euler (Altus), Florian Lohmann (Tenor), Georg Drake (Tenor), Daniel Eggert (Bass) und Hinrich Horn (Bass) zusammenkamen, um die Leidens- und Todesgeschichte Jesus musikalisch nachzuzeichnen.

veröffentlicht am 23.02.2016 um 14:30 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 04:22 Uhr

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Der „Plot“ der zugrunde liegenden Geschichte ist schnell erzählt. Johannes berichtet von der Verurteilung von Jesus und von seiner Kreuzigung. Besonders viel Raum gibt er der Gerichtsverhandlung, die musikalisch immer dramatischer wird und den Zuhörer tief hineinzieht in das Geschehen, das vor zweitausend Jahren stattgefunden hat. Sowohl die Vorinstanz mit Hannas und Kaiphas, als auch das von Pontius Pilatus geleitete Hauptverfahren wird hier ausgebreitet: Es geht also um Pilatus, der keine Schuld an Jesus findet, dann aber doch dem Druck der Hohepriester und des Volkes nachgibt.

Bach stellt die verschiedenen Kräfte, die hier frei werden, einander gegenüber. Da ist Pilatus als besonnener Bass und da sind die heuchlerischen Priester mit ihren schmeichelnden Flötentönen. Mitreißend und gewaltig: die Kantorei der Stadtkirche, die besonders in der Darstellung der Massenszenen gefallen kann. Sowohl die wilden, dramatisch bewegten Turbae-Chöre („Kreuzige ihn!“), als auch die kontemplativen Choräle, die dieses Geschehen aus ganz anderer Warte bedauern und beweinen, sind mitreißend gesungen. Den Sängern gelingt eine expressive, rhythmisch geschärfte und dynamisch abgestufte Aufführung. Eine beachtliche Leistung! Eine ähnlich wichtige Position innerhalb des Werkes hat der Evangelist, der die gesamte Passion als eine Art Moderator begleitet. Der schlanke, ausdrucksvolle Tenor stellt sich ganz in den Dienst des Zuhörers und vergegenwärtigt so ganz unmittelbar das Passions-Geschehen. Florian Lohmann gelingt so ein kultiviertes und rhetorisch lebendiges Deklamieren! Wunderbar auch die klangschönen Sopran-Arien und der samtweich und sehr beredt gesungene Alt. Nicht zu vergessen Daniel Eggert (Bass), der einen sehr menschlichen Christus gibt, einen Christus, der nicht still leidet, sondern sich an der Geschichte reibt.

Einen ähnlich starken Eindruck hinterlässt auch das Barockorchester L’Arco. Die Musiker sind hoch konzentriert und setzen an den wichtigen Stellen Zäsuren und Generalpausen. In den Chorälen kommt es zu einem faszinierenden Mischklang aus menschlicher Stimme und altem Instrument. Der Choral wird so zu einem klanglichen Juwel – und die Musiker, zumindest für eine kurze Zeit, zur tragenden Stimme. Großartig und leicht retardiert: das lautmalerisch nachgezeichnete Zerreißen des Vorhangs. Wie Gewitterdonner – fast theatralisch kommt dieser Klangeffekt daher. Das hat was von Filmmusik. Den Schlusspunkt einer großartigen Aufführung (Leitung: Siebelt Meier) setzt dann wieder die Kantorei. Beim intensiven Schluss-Chor („Ruht wohl, ihr heiligen Gebeine“) sind die Sänger ganz bei sich.




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