weather-image
×

Das heimische Handwerk trotzt der Krise

Im heimischen Raum beschäftigt das Handwerk rund 20 000 Mitarbeiter in den miteinander kooperierenden Kreishandwerkerschaften Hameln-Pyrmont und Schaumburg, darunter etliche Auszubildende. Es erwirtschaftet einen Jahresumsatz von etwa 1,25 Milliarden Euro. „Das Jahr 2009 ist trotz der Wirtschaftskrise bisher noch befriedigend gelaufen“, sagt Kreishandwerksmeister Karl-Wilhelm Steinmann. „Das Handwerk schwimmt nicht gegen den Strom, sondern mit ihm. Und wir werden nicht untergehen“, so der Kreishandwerksmeister optimistisch.

veröffentlicht am 24.11.2009 um 10:21 Uhr

Autor:

Dabei ist der Geschäftsverlauf in den einzelnen Innungen durchaus unterschiedlich gelaufen. „Der eine oder andere hat noch Schnupfen“, räumt Steinmann ein. Regelrechte Abstürze habe es bisher aber kaum gegeben, abgesehen von den Gewerken für den gewerblichen Bedarf wie etwa die Maschinenbauer. „Da hat jeder zweite Betrieb Probleme, weil in der Industrie nichts mehr läuft.“ Ansonsten sieht Steinmann das heimische Handwerk noch relativ gut aufgestellt, und wenn rund die Hälfte aller Betriebe feststelle, es gehe ihnen gut, dann sei das positiv zu werten. Allerdings sei zu befürchten, dass etwa in der Autobranche aufgrund der jetzt ausgelaufenen Abwrackprämie der Absturz erst noch komme, nachdem in diesem Jahr so viele Neuwagen verkauft worden sind wie nie. Bezirksobermeister Harald Straubel nennt Zahlen: 4500 Neuzulassungen in diesem Jahr, das bedeutet eine Steigerung von mehr als 120 Prozent.

In der Baubranche hat vor allem das Konjunkturpaket der Bundesregierung für Aufträge gesorgt, allerdings nur zum Teil geholfen. „Die öffentlichen Bauaufträge können die Ausfälle aus der Privatwirtschaft nicht ausgleichen“, sagt auch Thomas Echterhoff, Präsidiumsmitglied des Bauindustrieverbandes Niedersachsen-Bremen. „Der Wirtschaftsbau ist stark eingebrochen.“ Von den 1,2 Millionen Euro des Konjunkturpakets II in Niedersachsen profitieren nach seinen Worten in erster Linie Handwerksbetriebe, so der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Michael Sommer. Die Mittel fließen vor allem in öffentliche Bauvorhaben wie die energetische Sanierung von Schulen. Über alle Bausparten beträgt der Rückgang bei jeder Baunachfrage nach Verbandsangaben in Niedersachsen rund acht Prozent, eine Belebung sieht der Verband mittelfristig nicht.

Auch der Zentralverband des deutschen Handwerks geht davon aus, dass erst im übernächsten Jahr die Umsätze wieder steigen werden. „Nach einem schwierigen Jahr 2010 rechnen wir 2011 wieder mit schwarzen Zahlen“, sagt ZDH-Generalsekretär Hanns-Eberhard Schleyer. Trotz der anziehenden Konjunktur bleibe für 2009 wegen der Geschäftseinbrüche zu Jahresanfang unterm Strich ein Umsatzminus von mehr als zwei Prozent. Rund 40 000 der 4,8 Millionen Arbeitsplätze im Handwerk gehen danach verloren, da vor allem Zulieferer für die Exportindustrie entlassen.

2 Bilder

Die stark binnenwirtschaftlich orientierte Branche steht zwar deutlich besser da als viele andere Wirtschaftszweige, kommt aber nicht ungeschoren durch die Krise. „Der extreme Einbruch beim Export trifft vor allem unsere Zulieferer, Feinwerkmechaniker und Elektromaschinenbauer rutschen ab wie nie zuvor“, sagt Schleyer. Besser liefen die Geschäfte in Sparten, die von der robusten Nachfrage der Privathaushalte oder der anziehenden Bautätigkeit der öffentlichen Hand profitierten.

Kreishandwerksmeister Steinmann sieht andererseits auch Gewinner der Krise und neue Herausforderungen auf das Handwerk zukommen, und zwar vor allem beim Klimaschutz. „Doch die Anreize, da mitzumachen, müssen von der Politik kommen. Sie muss die Kunden zum Einstieg bewegen.“ Aber das heimische Handwerk habe gute Perspektiven, und das in 75 unterschiedlichen Berufen, die eben mit unterschiedlichen Problemen zu kämpfen haben. So treffe die Krise besonders die Berufe im Gesundheitshandwerk – „Optiker, Zahntechniker oder Hörgeräteakustiker haben schon seit Jahren zu kämpfen.“ Dagegen seien das Ausbaugewerbe oder das Nahrungsmittelhandwerk eindeutige Gewinner und liegen mit ihren Zahlen über dem Durchschnitt des Geschäftsklimaindexes des Landes, wo die Kreishandwerkerschaft sich im Mittelfeld bewegt.

Beispiel Raumausstatter: Konkurrenz von Großanbietern im „Do-it-yourself-Angebot“ verspürt zum Beispiel Raumausstattermeisterin Carmen Ringe aus Hameln, die erste Frau an der Spitze dieser Innung. Sie verzeichnet 30 Prozent Rückgang im Gardinensektor, zehn bei Bodenbelägen, und auch bei Polsterungen und Sonnenschutz sei eine Steigerung des Umsatzes nicht zu verbuchen. „Die Krise ist bei uns erst jetzt angekommen. Das merken wir auch daran, dass die Zulieferer in Verzug kommen,“ so Ringe. Ihre zwei Angestellten will sie halten, aber den Platz für ihre jetzige Auszubildende wird sie nach deren Abschluss nicht wieder anbieten können. „Den können wir uns nicht mehr leisten,“ bedauert sie, vertraut aber nach wie vor auf ihre Kunden, die „Qualität und fachmännische Beratung“ erhalten.

Apropos Qualität: „Geiz mag zwar geil sein, und es wird jetzt im Zeichen der Wirtschaftskrise auch mal ein Haarschnitt vom Normalkunden eingespart, dafür muss es aber dann Qualität sein“, weiß Friseurmeisterin Roswitha Bock aus Hameln. Keinen „Einsparschnitt“ gebe es nach wie vor bei den Kunden, deren gepflegtes Aussehen im Beruf eine große Rolle spiele.

Auch bei den Malern steht der Kundenwunsch nach Qualität ganz oben. „Wenn wir einen Auftrag erhalten, wird kein Wischiwaschi verlangt, sondern gute und saubere Arbeit“, bestätigt Malermeister Wilhelm Heuer aus Hemeringen, der als weiteren Kundenwunsch Schnelligkeit nennt. Heuer ist trotz der Wirtschaftskrise bisher noch zufrieden.

Und das liegt auch mit daran, dass trotz aller Klagen über die teilweise unzureichende Schulbildung mancher Lehrlinge immer wieder Auszubildende von sich reden machen, die besondere Leistungen erbracht haben. Als leuchtendes Beispiel ehrte der Kreishandwerksmeister am vergangenen Samstag auf dem Handwerkerball in Hameln Tobias Klipsch aus der Schlosserei Uhlit. Chefin Petra Uhlit war des Lobes voll über ihren jungen Mitarbeiter, der den ersten Preis eines Leistungswettbewerbes im Handwerkskammerbereich von Hannover gewonnen hatte. „Nach seiner Ausbildung haben wir Tobias sofort übernommen, weil er ein Mitarbeiter mit besonderen Fähigkeiten ist, auf den Verlass in jeder Situation ist. Und das ist heutzutage selten“, so die Chefin.

Weil es immer schwerer wird, gute Lehrlinge zu bekommen, nicht zuletzt aufgrund des demografischen Wandels, versucht das heimische Handwerk nach Steinmanns Worten nicht nur, die eigenen Leute zu halten. Die Mitglieder der Kreishandwerkerschaften Hameln-Pyrmont und Schaumburg planen für die kommenden Jahre eine eigene Imagekampagne, um junge Leute aus der Region als Auszubildende für ihre Betriebe zu gewinnen.

Torsten Schreiber ist Maler. Hier legen die Kunden besonderen Wert auf Qualität.

Marek Sidyk arbeitet im Elektrohandwerk. Sein Arbeitgeber sind die Öffis.

Handwerk hat nach wie vor den sprichwörtlich goldenen Boden. Zwar wurde es auch von der Wirtschaftskrise getroffen, allerdings längst nicht so hart wie andere Branchen. Dennoch: Erst für 2011 wird mit einer Besserung gerechnet.




Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige