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Sommerabenteuer unserer Zeitung im Museum

„Das ist ja Wahnsinn“

Bückeburg. Die wissenschaftliche Arbeit hinter den Kulissen einer musealen Ausstellung ist das Thema eines „SZ/LZ-Sommerabenteuers“ gewesen, das sechs Leser unserer Zeitung in das Museum für Stadtgeschichte und schaumburg-lippische Landesgeschichte geführt hat.

veröffentlicht am 01.08.2015 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 02:41 Uhr

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„Es ist schon ein großer Aufwand, die vielen Exponate zu pflegen und zu erhalten“, erklärte Anke Twachtmann-Schlichter, die Leiterin des Hauses. Exemplarisch verwies sie auf die allein rund 3500 bis 4000 Textilienteile alter Trachten, die hier aufbewahrt werden: von den für die Region typischen roten Röcken über reich verzierte Kragen und Schultertücher bis hin zu dem nicht minder prächtig aussehenden Kopfschmuck, der seinerzeit von den Frauen getragen wurde.

Jedes einzelne Stück werde fotografiert und anhand eines einheitlichen Fragenkatalogs inventarisiert, und zwar mit genauen Angaben dazu, worum es sich handelt, wie alt es ist und woher es stammt. Dies geschehe auch mit dem Ziel, mehr über die jeweiligen archivierten Gegenstände zu erfahren.

Doch damit nicht genug: Damit beispielsweise die in Kartons gelagerten Textilien keinen Schaden nehmen, werden sie mit einem Mottenschutz versehen und in säurefreies Papier verpackt, wobei sie zwecks Vermeidung von „Reißlinien“ jedoch nicht geknickt werden dürfen. Und da das Insektenabwehrmittel nicht ewig wirkt, müsse man die einzelnen Teile regelmäßig auf einen etwaigen Mottenbefall hin kontrollieren und den Mottenschutz erneuern.

Die mittels Computer geführten Inventarlisten bieten hier nach Auskunft der Expertin nicht zuletzt den Vorteil, dass bestimmte noch eingelagerte Stücke leicht gefunden werden können, ohne dass man etliche Kartons auf Verdacht hin durchsuchen muss. Denn durch das Aus- und wieder Einpacken könnten die alten Schätzchen mitunter Schaden nehmen.

Seit einigen Jahren sei man nun schon dabei, mit Unterstützung mehrerer ehrenamtlicher Helfer „alles auf den neuesten Stand zu bringen“, berichtete Twachtmann-Schlichter weiter. „Doch wenn diese Arbeit irgendwann mal fertig ist, sind wir selbst wahrscheinlich schon lange nicht mehr da.“ Und diejenigen, die diese Arbeit fortsetzen, dürften dann vermutlich eines Tages wieder ganz von vorne anfangen, mutmaßte die studierte Kunsthistorikerin.

In diesem Kontext präsentierte sie zur Verdeutlichung der bevorstehenden Aufgaben eine Hunderte, wenn nicht gar Tausende alter Schwarz-Weiß-Fotos und -negative umfassende, dem Museum geschenkte Sammlung eines inzwischen verstorbenen Bückeburgers, die ebenfalls noch inventarisiert werden müsse. Und diese mit unzähligen Motiven aus dem Schaumburger Land aufwartende Bildersammlung ist auch nur um einen Teil dessen, was hier insgesamt archiviert wird.

Zukünftig werde er sich Ausstellungen in Museen mit einem ganz anderen Blick anschauen, zeigte sich der im Auetal lebende SZ/LZ-Sommerabenteurer Dr. Eberhardt Kluge von Twachtmann-Schlichters Ausführungen beeindruckt. Diese Unmengen an hinter den Kulissen vorgehaltenen Exponaten, dieses aufwendige Dokumentieren – „das ist ja Wahnsinn“, resümierte er, während seine Ehefrau, Hildburg Kluge, ankündigte, das Bückeburger Museum für Stadtgeschichte und schaumburg-lippische Landesgeschichte auf jeden Fall noch einmal zu besuchen.

„Ich hatte mir dieses SZ/LZ-Sommerabenteuer längst nicht so interessant vorgestellt, wie es tatsächlich ist“, verriet dagegen Dorothee Steierberg (Bückeburg), und empfahl, solch eine Veranstaltung auch im nächsten Jahr unbedingt wieder mit in das SZ/LZ-Sommerabenteuer-Programm aufzunehmen.




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