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Endgültiger Abschied von den Konzepten der Erlebniswelt – keine e-Guider mehr, aber ein Modell

Das Schloss im Schloss soll die Besucher ziehen

Bückeburg (rc). Nach der Landpartie soll sie nun endlich umgesetzt werden, die neu konzipierte Schlossführung. Von dem, was einst zu den glorreichen Zeiten der Erlebniswelt Renaissance geplant war, mit e-Guidern, Multimedia oder persönlicher Vertiefung von Details der Führung, ist jetzt allerdings nicht mehr all zu viel übrig geblieben: Die e-Guider sind im Zuge der Versteigerung der Insolvenzmasse der EWR unter den Hammer gekommen, die Multimedia daher bis auf einige Monitore zu Beginn der Schlossführung völlig eingeschrumpft und ohne e-Guider auch keine Vertiefung der Führung, obwohl die notwendigen Kabel im Schloss alle verlegt sind. „Die EWR und ihre Insolvenz hat vieles hinausgezögert“, stellt Schlossverwalter Alexander Perl im Gespräch mit unserer Zeitung fest.

veröffentlicht am 11.05.2010 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 16:21 Uhr

Was jetzt noch bleibt – und wovon der Schlossverwalter in höchsten Tönen schwärmt – ist die detailgetreue Nachbildung des Schlosses im Maßstab 1 : 60. Es soll künftig einer der Höhepunkte der Führung sein. Aufgestellt werden soll das Modell nicht mehr im Gartensaal, sondern im alten Kassenbereich des Schlosses. Dort wird es hinter einer Plexiglasscheibe – vor neugierigen Händen geschützt – gleich zu Beginn einer jeden Führung den Besuchern einen Überblick über die Schlossanlage gegeben. Dazu werden Monitore aufgestellt, mit kleinen Einspielern den Gästen erste Eindrücke und Wissenswertes vermittelt, bevor es auf die eigentliche Führung geht. Das Modell wird noch im offenen Bereich stehen, bevor die Eintrittskarten kontrolliert werden. „Vielleicht können wir den einen oder anderen überzeugen, sich noch rasch eine Karte zu kaufen und mit auf Führung zu gehen“, gibt sich Perl optimistisch.

Und der Optimismus ist notwendig. Denn die Besucherzahlen sinken, langsam, aber kontinuierlich. Bis zu Eröffnung der Umgehungsstraßen lagen die Besucherzahlen jährlich noch bei rund 90 000. Mittlerweile sind sie auf gerade einmal 60 000 (ohne Sonderveranstaltungen) gesunken. Mit ständig weiter sinkender Tendenz, wie der Schlossverwalter feststellt: „Das kann nicht unser Standard sein.“ Irgendwann drohten Personalentlassungen.

Neben dem neuen Konzept für die Führung ist das Schloss dabei, aktiv neue Produkte zu entwickeln. Das Schloss schließt sich der Tourismusregion Hannover an, um Besucher aus der Landeshauptstadt zu locken. Künftig soll es zudem Führungen für Kinder und Abendführungen geben. Dazu kommen Spezialführungen durch Räume, die nicht der Öffentlichkeit zugänglich sind – auch nicht bei Landpartie oder Weihnachtszauber. Zudem sollen aus dem Traditionsraum der Bückeburger Jäger, die in der Jägerkaserne vor sich hin stauben, Leihgaben ins Schloss gebracht werden. Perl: „Wir müssen einfach reagieren. Wer vor 20 Jahren schon einmal hier war, sieht heute immer noch das Gleiche.“

Das Schloss-Modell, bezahlt von der Hofkammer, soll zu den Veränderungen beitragen. Seit fast zwei Jahren baut ein beauftragter polnischer Professor und Restaurator an dem Modell. Jedes Detail soll stimmen, jeder Dachziegel will – von Hand (!) – gemalt sein, ebenso wie jede Fuge im Sandstein des Mauerwerkes. Perl: „So langsam ist er fertig mit seinen Nerven, aber auch mit dem Modell. 99 Prozent hat er geschafft.“

Der Schlossturm: In Handarbeit wird jedes Detail herausgearbeitet.




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