weather-image
×

„Um der Menschen willen“

Das sind die Gründe: Landeskirche erlaubt öffentliche Segnungsgottesdienste

Die evangelisch-lutherische Landeskirche Schaumburg-Lippe hat eine Antwort auf die Frage gefunden, wie mit dem Wunsch gleichgeschlechtlicher Ehepaare nach einer öffentlichen Segnung umzugehen ist. Maßgeblichen Anteil daran trägt eine interne Arbeitsgruppe. Diese hat dargelegt, dass nicht die Institution Ehe oder eine Partnerschaft gesegnet wird, „sondern das Versprechen der heterosexuellen wie homosexuellen Partner, in Treue, Verlässlichkeit und Liebe ihren gemeinsamen Weg gehen zu wollen“.

veröffentlicht am 22.11.2020 um 12:15 Uhr

Michael_Werk

Autor

Reporter zur Autorenseite
LANDKREIS. Als letzte der zwanzig Landeskirchen in Deutschland hat die evangelisch-lutherische Landeskirche Schaumburg-Lippe eine Antwort auf die Frage gefunden, wie mit dem Wunsch gleichgeschlechtlicher Ehepaare nach einer öffentlichen Segnung umzugehen ist: diese ist künftig möglich; den Pastoren steht es aber frei, solche Segenshandlungen aus Gewissensgründen zu verweigern. Der von der Synode anlässlich ihrer Herbsttagung in Bückeburg mit großer Mehrheit gefasste Beschluss entsprach einer Empfehlung, die eine interne Arbeitsgruppe erarbeitet hatte.

Die Ergebnisse, zu der die Arbeitsgruppe unter anderem auf Basis des Schriftstudiums gekommen war, stellten der Vehlener Pastor Günter Fischer als Ausschussvorsitzender und Lutz Gräber, Theologischer Referent der Landeskirche, vor. Demnach wird nicht die Institution Ehe oder eine Partnerschaft gesegnet, „sondern das Versprechen der heterosexuellen wie homosexuellen Partner, in Treue, Verlässlichkeit und Liebe ihren gemeinsamen Weg gehen zu wollen“. Diese Werte bildeten wesentliche Orientierungspunkte des christlichen Verständnisses für zwei Menschen, die die Ehe eingehen wollen. In der Art oder Qualität der Segenshandlungen gebe es somit keinerlei Unterschiede. Allerdings gebe es formale und inhaltliche Gründe, die eine Unterscheidung in „Trauung“ (heterosexuelle Paare) und „Segnung“ (homosexuelle Paare) nahelegen.

Wie Gräber darlegte, gibt es innerhalb der Landeskirche sehr unterschiedliche Beurteilungen homosexueller Partnerschaften vor dem Hintergrund der dafür relevanten biblischen Texte. Die Bandbreite reicht ihm zufolge von der Forderung, unterschiedliche Lebensformen grundsätzlich gleichzustellen, bis hin zur Ansicht, dass der Segen Gottes allein der Ehe zwischen Mann und Frau vorbehalten ist. In großer Einmütigkeit begrüßten jedoch alle Positionen das Ende der Diskriminierung homosexuell lebender und liebender Menschen.

Laut Fischer ist die Arbeitsgruppe ferner zu dem Ergebnis gekommen, „dass uns die unterschiedlichen Einschätzungen in dieser Frage bekenntnis- und lehrmäßig nicht trennen dürfen“. Daher appelliere man an alle Kirchengemeinden und Menschen guten Willens, diese Einigkeit zu suchen und zu fördern. Gewissensentscheidungen hinsichtlich der Segnung gleichgeschlechtlicher Ehepaare seien wechselseitig anzuerkennen.

Die beiden Theologen Lutz Gräber (li.) und Günter Fischer (re.) erläuterten die Beschlussempfehlung der Arbeitsgruppe. Foto: wk

Landesbischof Dr. Karl-Hinrich Manzke merkte in seinem Bericht vor der Synode an, die meisten Landeskirchen innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hätten sich bereits seit den 1970er Jahren mit der Frage beschäftigt, wie es gelingen könne, „die Diskriminierung von Schwulen und Lesben in unserer Gesellschaft“ zu beenden - verbunden mit der Frage, welcher Beitrag den Kirchen zukomme. Die Landeskirche Schaumburg-Lippe dagegen hat sich ihm zufolge erst seit 2014 ernsthaft mit diesem Thema befasst.

Ein hoher Wert ist laut Manzke, dass sich alle Kirchengemeinden der Landeskirche an dem Beratungsgang beteiligt haben. Einen Dank richtete er zudem an die Mitglieder der Arbeitsgruppe für deren „großartige Unterstützung dieses Weges“ und die Kraft, die diese in den Beratungsprozess gegeben haben. Das mache ihm Mut für die gewichtige Aufgabe, die Landeskirche zu einer noch besser vernetzten und den Menschen in der Region uneingeschränkt zugewandten Kirche zu entwickeln.

Die Beschlussempfehlung der Arbeitsgruppe sei ein wichtiges Zeichen, dass sich homosexuelle Paare für deren sexuelle Ausrichtung nicht schämen müssten und nicht minderwertig seien, resümierte der Synodale Werner Mania.

Pastor Felix Nagel von der Kirchengemeinde Bad Eilsen zeigte sich dankbar, nun öffentliche Segenshandlungen für gleichgeschlechtliche Ehepaare vornehmen zu können.

Fischer erklärte, er sei einer derjenigen Pastoren, die aufgrund ihrer „Treue zur Heiligen Schrift“ keine solchen Segnungen durchführen werden. Dennoch stimme er für diese Segnungen -„um der Menschen willen“.




Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige