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Arbeitskreis Sorge- und Umgangsrecht gegründet

Das Wohl der Kinder soll im Vordergrund stehen

Bückeburg (ly). Schlechte Noten, Aggressionen, totaler Rückzug in sich selbst: Kinder leiden häufig am meisten, während Vater und Mutter zum Beispiel in Scheidungsverfahren vor Gericht streiten. „Wenn es den Eltern gelingt, besser zu kooperieren und wieder ins Gespräch zu kommen, hören Auffälligkeiten bei Kindern oft auf“, sagt Susanne Lehmann, Familienrichterin am Bückeburger Amtsgericht. „Elterlicher Streit löst Unsicherheit und Ängste aus.“

veröffentlicht am 08.04.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 01:41 Uhr

Im Vordergrund des Schaumburger Arbeitskreises Sorge- und Umgangsrecht, zu deren Initiatoren Lehmann gehört und der sich kürzlich gegründet hat, steht daher als oberster Maßstab das Kindeswohl. Der Start gilt als gelungen: Zur Gründungsversammlung in Bückeburg kamen rund 70 Angehörige von Professionen und Institutionen, die im Landkreis an Kindschaftssachen beteiligt sind.

Gelungen ist es dabei, die sechs Familienrichter aus Bückeburg, Rinteln und Stadthagen in ein Boot zu holen. Im Arbeitskreis vertreten sind außerdem Rechtsanwälte, Verfahrenspfleger, Sachverständige, bei denen es sich in der Regel um Psychologen handelt, Mitarbeiter von Jugendamt und Erziehungsberatungsstelle.

Alle werden nun vernetzt, denn schließlich verfolgen sie gemeinsame Ziele. In erster Linie soll die Kommunikation verbessert werden, um mehr Transparenz zu schaffen und effektiver arbeiten zu können. Informationen werden ausgetauscht, gegenseitige Erwartungen geklärt.

„Je mehr diese Professionen voneinander wissen, desto besser kann Eltern und Kindern geholfen werden“, erklärt Susanne Lehmann. „Früher gab es Reibungsverluste, weil jeder sein eigenes Süppchen kochte.“ In Zuständigkeiten und Kompetenzen soll nicht eingegriffen werden.

Das nächste Treffen ist am 27. Mai. Dann wird die gemeinsame Zielvereinbarung diskutiert, eine Selbstverpflichtung. Wer zu den Berufsgruppen gehört, ist eingeladen.

„Was kann ich als Teil des Systems tun, damit es besser wird?“, formuliert Richterin Lehmann ihren Ausgangspunkt. Der Arbeitskreis versteht sich als offenes Forum. Dabei geht es auch um ganz konkrete Fragen. Zum Beispiel diese: Welche Angebote hat das Jugendamt für Familien im Landkreis?

Gegenüber früher hat sich die Situation vor Gericht bereits deutlich verbessert. Seit 2005 wird im Schaumburger Land nach der „Cochemer Praxis“ verfahren, wenn es um Scheidung oder Trennung geht. Das bedeutet: Kindschaftssachen erhalten Eilbedürftigkeit. Bereits zwei Wochen, nachdem eine Seite einen Antrag gestellt hat, wird ein erster Gerichtstermin anberaumt. Vorher waren drei bis vier Monate die Regel – mit der Gefahr, dass Fronten sich weiter verhärten konnten.

Schon im Anhörungstermin (ohne Kinder, dafür mit Jugendamt), vorgesehen als offenes Gespräch, soll nun möglichst eine Einigung erzielt werden. Eltern kommen ausführlich zu Wort, damit sie ihre Eigenverantwortung wieder aufnehmen. Das Ziel ist die gemeinsame elterliche Sorge. Vor Gericht wie auch im neuen Arbeitskreis geht es vor allem um eins: das Wohl der Kinder.




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