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Tag zwei des Scheier Erntefestes mit ernsten und humorigen Wortbeiträgen gern gesehener Gäste

„Dass wir satt werden und satt werden können“

Scheie (bus). Am zweiten Tag des Scheier Erntefestes hat am Sonntagnachmittag ein dreistündiger Veranstaltungsreigen die meiste Aufmerksamkeit der Feiermarathonteilnehmer für sich in Anspruch genommen.

veröffentlicht am 22.08.2012 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 21:21 Uhr

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Nachdem die Mitglieder der organisierenden Trachtengruppe morgens bei Katerfrühstück und amerikanischer Versteigerung frische Kräfte geschöpft hatten und bevor abends der abschließende Tanz in dem am Dorfgemeinschaftshaus aufgestellten Festzelt über die Bühne ging, wurde Gastgebern und Gästen ab 15 Uhr Gelegenheit geboten, bei Kaffee und Kuchen, Kinderunterhaltung, Festansprachen und Ernterede das Ahnebeier-Geschehen zu genießen.

Selbstverständlich zählten auch etliche Tanzdarbietungen um die von Sense, Zweizackforke und Harke überragte Erntekrone zum Programm. Gleich sieben Mal standen Aufführungen der im Wechsel auftretenden älteren und jüngeren Trachtenträger der anno 1974 gegründeten Gruppe auf dem Programm. Für die ganz jungen Ahnebeier-Freunde war eigens Spielespezialist Dietmar „Didi“ Ostermeier engagiert worden, der den Kindern im Schatten des Dorfgemeinschaftshauses allerhand Zeitvertreibmöglichkeiten präsentierte.

Apropos „Schatten“: Den rekordverdächtigen Hochsommertemperaturen war sicherlich die Tatsache zu verdanken, dass der Nachmittag nahezu ausschließlich von Ortsansässigen besucht wurde. „Schön, dass doch noch einige Leute gekommen sind, ich hatte mit weniger Gästen gerechnet“, sagte Friedrich Meyer während seiner kurz gefassten Begrüßungsrede.

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Scheies Ortsbürgermeister brachte zudem seine Freude darüber zum Ausdruck, dass der Festausschuss – Theresa Rechenberg, Jennifer und Jeanine Wilharm sowie Philipp Johnen – in diesem Jahr ausschließlich von Jugendlichen gebildet worden war. „Ich bin sowieso der Ansicht, dass die Älteren sich beizeiten zurückziehen müssen.“ Er habe sich als Heranwachsender „nie gerne dort aufgehalten, wo meine Eltern waren“, verriet Meyer.

Bückeburgs Bürgermeister Reiner Brombach, der im Namen von Rat und Verwaltung der Stadt das Wort ergriff, stellte eingangs seiner Bemerkungen ebenfalls auf das Wetter ab. „Das haben wir noch nicht erlebt, dass ein Erntefest am heißesten Tag des Jahres gefeiert wird.“ Dessen ungeachtet sei er froh, dass die Scheier die Tradition des Erntefestfeierns aufrecht erhalten. „Ich freue mich mit Ihnen.“

In einer kritischen Passage griff das Stadtoberhaupt das Thema „Bioethanol“ auf. „Mittlerweile erkennen immer mehr Leute, dass das, was gesät und geerntet wird, besser für die Nahrungsmittelkette verwendet und nicht in den Sprit hineingegeben werden sollte“, legte Brombach dar. „Ich hoffe, dass man in dieser Hinsicht bald wieder auf ein vernünftiges Niveau kommt“, sagte der Bürgermeister.

Pastor Dr. Wieland Kastning, der den urlaubenden Geistlichen Jan-Uwe Zapke vertrat, stellte seinen Verlautbarungen ein Zitat des US-amerikanischen Landwirtschaftsministers voran: „Wenn ich könnte, würde ich gerne einen Regentanz aufführen.“ Während hierzulande fast alle Felder abgeerntet seien, bestünden jenseits des Großen Teichs erhebliche Schwierigkeiten bei der Einbringung von Mais, Soja und Weizen. „Das wird die Preise in die Höhe treiben und weltweite Folgen für viele Menschen nach sich ziehen, die ohnehin nichts haben“, verdeutlichte der Kleriker.

Wielands Äußerungen erschöpften sich unterdessen nicht im Klagen. „Erntefeste“, rief er in Erinnerung, hätten auch viel mit dem Begriff „Dank“ zu tun. „Aus dem Dank kommt eine ganz andere Freude ins Leben hinein.“ Hinter der Schaer Ahnebeier stehe „eigentlich der Grund einer großen Freude“. Und zwar der Freude, „dass wir satt werden und satt werden können“. Verständlicherweise konnte der Pastor angesichts von schweißnassen Gesichtern und knapp 40 Grad Celsius im Schatten die Wetterthematik nicht aussparen. „Diesen heißen Tag halten wir alle gut durch“, verbreitete der Doktor der Theologie Zuversicht. „Die Sonne sollte nicht mehr zu reichlich, aber sie soll uns scheinen.“ Denn alle Anwesenden wüssten sehr wohl, dass in Zukunft „wieder dunklere Tage“ in Aussicht stehen. „Nehmen wir also viel von der Sonne in unsere Gemüter auf und legen uns im Köpfchen und im Herzchen einen kleinen Vorrat für grauere Tage an“, lautete Kastnings Rezept.

In der von Gudrun Peter (als Stine) und Gerd Wilharm (Heini) zu Gehör gebrachten Ernterede kamen überwiegende amüsante Ereignisse der zurückliegenden zwölf Monate zur Sprache. Erwähnung fanden unter anderem das Phänomen „Black Out“ (Schwatt Aut), ein Festschmaus für den Fahrer des Erntewagens (annerichtet mit Bloumen un Kerzen), ein „besonners leckerer Hochprozentijer“ beim Einsammeln der Weihnachtsbäume und mehrere „Hochtieten“ (Schorse und Natalie, de Jäger von Jagdweije und Kerstin) sowie eine Ente aus der Landes-Zeitung, die die örtliche Jugendfeuerwehr nach dem Gewinn der Stadtmeisterschaft als „Möllenbecker“ bezeichnet hatte.

Schlussfazit des Duos: ,,Wer Dach för Dach sien Arbat daht / und jümmer up sien Posten staht / und daht dat frouh und daht dat jirn / de schall sick ouk mol amüsiern“.

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