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So denkt Niedersachsens Ministerpräsident über streitlustige Kollegen und Hauptstadtmedien

David McAllister zieht über „Berlin Mitte“ her

Bad Nenndorf (rwe). Ist es eine ehrliche Kritik am Berliner Politbetrieb oder eine effektheischende Provokation? Beim öffentlichen Auftritt zum Landratswahlkampf in der Bad Nenndorfer Wandelhalle hat Niedersachsens junger Ministerpräsident David McAllister über den Umgang der Koalitionspartner und die Hauptstadtpresse vom Leder gezogen.

veröffentlicht am 02.11.2010 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 07:22 Uhr

Anlass für seine Abrechnung mit profilierungssüchtigen Kollegen, Dauernörglern und „Oberschlaumeiern“ aus den Medien war eigentlich ein guter: der Aufschwung nach der schwersten Finanz- und Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit. Sogar die Engländer lobten das deutsche Jobwunder, nur die eigene Bundesregierung verstehe es nicht, die gute Entwicklung entsprechend zu nutzen und die in seinen Augen richtige politische Strategie zu kommunizieren. McAllister wunderte sich mit Blick auf das Wachstum über die schlechte Stimmung im Land und die politische Wahrnehmung. Von der ökonomisch hervorragenden Situation bleibe nichts an der Koalition hängen, ärgerte sich der CDU-Landesvorsitzende und zielte dabei auch auf Bundeskanzlerin Angela Merkel, ohne diese explizit zu erwähnen.

Vorgänger Gerhard Schröder hätte sich in einer Sänfte durch Berlin tragen und die Glocken läuten lassen, wünschte sich McAllister mehr Selbstbewusstsein und mehr Mut. Gegen eine Diskussion unter Koalitionären hat er nichts einzuwenden. „Aber es hapert an den bürgerlichen Umgangsformen“, beklagte er sich über das Getöse in „Berlin Mitte“, für das er die Medien mitverantwortlich macht. „Nicht jede Diskussion ist gleich ein Streit oder Hickhack“ widmete er sich schließlich den Ritualen, die er als neuer Ministerpräsident nun auch kennenlernen darf.

So klingele meist freitags gegen Mittag das Telefon. Ihm unbekannte Hauptstadtjournalisten großer Sonntagszeitungen oder der montäglichen Nachrichtenmagazine möchten ihn den Lesern in ganz Deutschland vorstellen. „Für eine Kritik an der Kanzlerin haben wir immer Platz“, zitiert McAllister die Versprechen der Presse. Aber auch Kommentare zu CSU-Chef Horst Seehofer, einen Minister oder einen anderen Ministerpräsidenten würden ihm demnach eine „bundesweite Schlagzeile mit Agenturmeldung, Foto und Interview“ bringen. Er versprach, standhaft zu bleiben und sich nicht an den „Berliner Schreiereien“ beteiligen zu wollen.

Auch gegen politische Talkshows habe er eine „Aversion“. McAllister zieht es nach eigenen Worten vor, am Sonntagabend seine Kinder ins Bett zu bringen und den Tatort zu gucken. Statt sich zu Anne Will in die Sendung zu setzen, empfahl er den Kollegen, sich lieber für die Woche auszuruhen. „Ich frage mich immer, ob die kein Zuhause haben“, echauffierte sich der Ministerpräsident und warnte davor, die Politik an der Demoskopie auszurichten. „Das ist sicher nicht der richtige Weg.“




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