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Die Negenklauken wollen die niederdeutsche Mundart erhalten / Regelmäßige Gesprächskreise

De Spraake erfaaten un faste hoolen

BÜCKEBURG. Dr. Rudolf Bensen, Fritz Reuter und Ernst-August Schlömer sind drei Protagonisten des jüngsten Treffens der Negenklauken gewesen. Der Bückeburger Mediziner, der Ehrendoktor und der Nienburger Schriftsteller zählen gewissermaßen zu den Stammgästen der Neunmalklugen, die an jedem zweiten Dienstag im Monat in der Begegnungsstätte zusammenkommen, um in niederdeutscher Mundart zu parlieren.

veröffentlicht am 16.07.2018 um 10:12 Uhr
aktualisiert am 16.07.2018 um 17:10 Uhr

Alfred Barkhausen (Zweiter von links) erzählt den Negenklauken plattdeutsche Geschichten. Foto: bus
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Autor

Herbert Busch Reporter
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„Uns geht es in erster Linie um die Erhaltung der plattdeutschen Sprache“, sagt Alfred Barkhausen. „Wir sind für das gesamte Niederdeutsche offen und auch Personen, die überhaupt kein Platt sprechen und uns nur zuhören wollen, sind herzlich willkommen“, gibt der Mitbegründer der vor weit mehr als drei Jahrzehnten ins Leben gerufenen Gemeinschaft zu verstehen. Was selbstverständlich auch auf Frauen zutreffe. Das sei bei der Vorgängergruppe nicht der Fall gewesen, erläutert der 88-Jährige.

Um das Plattdeutsche ist es hierzulande trotz diverser Bemühungen derzeit nicht besonders gut bestellt. „Das Hören und Verstehen funktioniert noch einigermaßen“, weiß Barkhausen. Aber beim Sprechen täten sich immer mehr Lücken auf, die eines nicht allzu fernen Tages wohl nicht mehr vollends geschlossen werden könnten. Um den Niedergang des Niederdeutschen als gesprochene Sprache vorherzusagen, bedürfe es keiner hellseherischen Fähigkeiten.

Bei den Negenklauken-Zusammenkünften klingt zumeist ein humoristischer Unterton an. „Maast werd doa Vatellse un Dönekens vatellt“, erklärt der Senior. „Dat irstemaal vor oawer 30 Joahr’n in’n Berliner Hoawe, wo jetzt dat Hotel ,Am Schloßtor‘ stoaht. Dann in’n ,Casino‘ un in’n ,Dütsche Huis‘ inner Lan-genstroate, dann bi Hermann Fenkner inner Wallstroate und nun inne Stätte, eis in’n Monat, jeden tweiden Dienstag ümme Klokke 15.“

Ehrendoktor Fritz Reuter zählt zu den Lieblingsautoren des Gesprächskreises. Foto: bus
  • Ehrendoktor Fritz Reuter zählt zu den Lieblingsautoren des Gesprächskreises. Foto: bus

Zusätzlich zu Bensen, Reuter und Schlömer kommen Autoren wie Karl („Koarl“) Meier, Karel Wehmeier, Wilhelm Bornemann, Wilhelm Henze, Karl Danke und Rudolf Kinau zu Gehör. Während des aktuellen Treffs stand zunächst Bensens „Nationalhymne“ auf dem Vorleseprogramm – Ja, us‘ leiw oll‘ schaumbörger Land / höllt Godd in sinen Hännen / un wat ok jümmer üs bedräppt / hei wird’t tau’n Besten wennen.

Außer den Negenklauken existieren ringsum mehrere vergleichbare Gesprächskreise, die allerdings mit bemerkenswert unterschiedlichen Zungenschlägen zu reden verstehen. „Hier bei uns im Schaumburg-Weserknie-Raum treffen nun gerade drei Dialektgebiete des Nordniedersächsischen, des Westfälischen und des Ostfälischen zusammen“, legte Karl „Koarl“ Meier in den 1980er-Jahren in einem Vortrag dar. Genaue Grenzen seien nicht festzulegen und könnten nur grob nachgezeichnet werden.

„Es sind weniger die Konsonanten als vielmehr die Vokale, die durch eine Vielfalt von Ab- und Umlautungen die wesentlichen Unterschiede ausmachen“, führte der Dialekt-Experte aus. Bezüglich der Zwei- und Doppellaute biete der Raum von Cammer bis Stadthagen und vom Schaumburger Walde bis zum Kleinenbremer Pass und bis nach Steinbergen eine wahre babylonische Sprachenverwirrung.

Was auf Hochdeutsch „Auf unserem Hause saß eine Eule und hatte eine Maus im Maule“ heiße, komme in Cammer als „Up usen Huse satt’n Ule un harr ne Mus in’n Mule“ daher. Im Bückeburgischen sei „Üp uisen Huise satt ne Uile un hall ne Muis in’n Muile“ zu vernehmen, in Nienstädt „Up iusen Hiuse satt’n Iule un harr ne Mius in’n Miule“.

„Regionalsprachen sind in ihrer ursprünglichen Vielfalt ein versinkendes Kulturgut“, heißt es bei der Schaumburger Landschaft. Und: „Der Erhalt einer Regionalsprache in ihrer Originalität ist bekanntermaßen nur möglich, wenn ein regelmäßiger Gebrauch im Alltagsleben erfolgt und sie von Kindesbeinen an erlernt wird.“ Um zumindest den Bestand zu sichern, hat der Kulturträger das Projekt „Datenbank Schaumburger Platt“ ins Leben gerufen.

„Als modernet Waarktüüg gifft et nu düsse digitale Datenbank. Sei deint doafer, de Spraake te erfaaten un faste te hoolen“, ist auf der Homepage zu lesen. Sowie: „Bloß tehope küün wi datt eschaffen, dat, wat vandage noch hier un doa an Kenntnisse van den Schaumbörper Platt doa is, tehope te drägen, doamia dat düt als Kulturerbe fer use Naakuamen erhoolen blifft.“ Soll heißen: Nur mit vereinten Kräften kann es gelingen, das verstreut vorliegende, sehr komplexe Wissen zum Schaumburger Platt einheitlich zusammenzuführen, um so dieses Kulturerbe für die Nachwelt zu bewahren.

Im Internet gibt es zudem ein an die bekannte Plattform „Wikipedia“ angelehntes „Friee Nokieksel“. Een Nokieksel (ook: Nakieksel) is een Book, wo een wat nokieken kann. Üm de Artikels to finnen, de di intresseert, kannst du glieks op de Hööftsiet in dat Feld „Söken“ dat Woort ingeven, dat du söchst. Wer hier das Wort „Negenklauken“ eingibt, wird allerdings nicht fündig.




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