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Christopher Bolte stellt mit „The Push“ eine „Ode an den Blick nach vorn“ vor

Debüt-Album zum Abschied

BÜCKEBURG. Der in der heimischen Musikerszene und auf den globalen Musikkanälen im Internet recht bekannte Komponist, Profi-Bassspieler und Produzent Christopher Bolte trägt sich mit dem Gedanken, in die Vereinigten Staaten von Amerika auszuwandern. In etwa parallel zum Wohnortwechsel hat der 25-Jährige jetzt sein erstes Soloalbum fertiggestellt. Die „The Push“ betitelte Veröffentlichung sei „eine Ode an den Blick nach vorn“, erklärt das in Bückeburg beheimatete Multitalent. „Vor meinem Abschied gewissermaßen ein musikalisches Resümee der vergangenen beiden Jahre.“

veröffentlicht am 16.05.2018 um 15:17 Uhr

Christopher Bolte an den Reglern seines an der Windmühlenstraße zu findenden Tonstudios. Foto: bus
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Autor

Herbert Busch Reporter
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Auch wenn eine Auswanderung im digitalen Zeitalter im Gegensatz zu früheren Jahrhunderten keiner absoluten zeitlichen und räumlichen Trennung gleichkommt, stellt das Unterfangen dennoch einen bedeutenden Einschnitt im Leben eines jungen Mannes dar. Bolte zieht es zur Verlobten nach Boston, Massachusetts. „In der Millionen-Metropole“, sagt der Bückeburger, „gibt es tierisch viele Musiker.“ Was zweifellos auch eine Rolle bei der Wahl des künftigen Wohnsitzes gespielt haben dürfte.

Ebenso wie die Tatsache, dass er hier am renommierten Berklee College of Music studiert hat – unter anderem bei Bass-Größen wie Victor Bailey, Victor Wooten, Oscar Stagnaro, John Patitucci, Lincoln Goines und Joe Santerre. Das Studium zog unterdessen eine Aufenthaltsperre nach sich, sodass das ursprünglich für den Herbst 2017 erwartete Visum eine ziemliche Weile auf sich warten ließ.

Blieb aber andererseits ausreichend Zeit, „The Push“ im heimischen Studio („Timbre Recording Studios“) an der Windmühlenstraße zu vollenden. Dem Album ging einige Vorlaufzeit voraus. „Mehrere Konzepte landeten in der Schublade“, erzählt der 2014 beim Deutschen Rock- und Pop-Preis mit dem Titel „Bester Bassist“ ausgezeichnete Interpret. „In den zurückliegenden Jahren habe ich realisiert, dass meine besten und nachhaltigsten Entscheidungen immer solche sind, die ich emotional treffe.“ Und: „Seit dem Frühjahr 2017 versuche ich nicht mehr, anderen Musikern zu gefallen oder Jazz zu komponieren. Musik ist für mich wieder der reine Ausdruck von Emotionen. Etwas, das im Musikstudium gerne mal auf der Strecke bleibt.“ Herausgekommen sei ein Werk, das seine Person und ihn als Musiker repräsentiere – ehrlich, leidenschaftlich und unverfälscht.

Es beschäftigt sich facettenreich mit komplexen Gemütsbewegungen, Zweifeln und dem Verlangen, seinen eigenen Weg weiterzugehen. Dabei kommen akustische und elektrische Instrumente gleichermaßen zum Einsatz wie kreativ verwendete Alltagsgegenstände und lyrisches Bassspiel. Die zehn Titel erzählen – überwiegend instrumental – Geschichten von der Entdeckung der Gefühlswelt, von Ängsten, Verlangen und Träumen.

Mitunter klingen Reminiszenzen an die Vorbilder Taylor McFerrin, Jean Michel Jarre, Robert Glasper und Derrick Hodge an. Zu hören sind zudem die 2015 gemeinsam mit der Sängerin Ella O‘Brien-Coker produzierten Songs „Let Me Go“ und „Oblivion“. Diese erhielten allerdings ein völlig neues und vor allem elektrisches Gewand, das deutliche Inspiration durch Künstler wie Pharrell und J Dilla vermuten lässt.

Mit dem siebten Stück wechselt die Grundstimmung ins Melancholische, das seinen Höhepunkt im abschließenden Little-Dragon-Song „Twice“ findet. Mit einer geräumigen Klanglandschaft, gesampelten Vokal-Fragmenten und einem verzerrten, poetischen Basssolo schildern Ella und Christopher mit diesem Cover sehr persönliche Erlebnisse.

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