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Erste Zertifikate in Heimvolkshochschule übergeben / Verfassungsschutz will Vorurteile überwinden

Demokratielotsen sind „radikale Minderheit“

Loccum (ade). Mit der Ausbildung zu Demokratielotsen hat das Land Niedersachsen ein Pilotprojekt gestartet, das deutschlandweit einmalig ist. Die erste Ausbildung haben neun Niedersachsen in der Evangelischen Heimvolkshochschule Loccum absolviert.

veröffentlicht am 01.02.2011 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 21:22 Uhr

Nicht nur Dr. Stephan Walter, Leiter der NEIS – der „Niedersächsischen Extremismus-Informationsstelle“ im Innenministerium – war neugierig auf die ersten Niedersachsen, die Demokratielotsen geworden sind. Auch seine Tochter Charlotte wollte gerne erfahren, was dort an zwei Wochenenden in der Heimvolkshochschule eigentlich gemacht wurde. Bis die Zwölfjährige sich zu einem Kurs der Demokratielotsen anmelden kann, muss sie allerdings noch vier Jahre warten. Das Mindestalter von 16 Jahren ist aber auch die einzige Zugangsvoraussetzung.

Marie Gießler und Larissa Lüder haben dieses Alter erreicht – und gehören zu den ersten Demokratielotsen Niedersachsens. Den Altersdurchschnitt haben die beiden Loccumer Schülerinnen damit erheblich gesenkt. Mehr über Demokratie wollten sie erfahren und sich gern auch engagieren. „Wir können jetzt wählen gehen“, sagt Marie – das war ein Beweggrund. Hinzu kam, dass der Kurs nah an ihrem Wohnort stattfand, und auch für Bewerbungen für die Zeit nach der Schule sei die Teilnahme sicherlich sinnvoll, meinen die beiden. Eigene Projekte in Rehburg-Loccum mit ihrem Wissen als Demokratielotsen wollen sie jetzt folgen lassen.

Finanziert werden die Kurse vom niedersächsischen Verfassungsschutz, und wenn Stephan Walter von dessen Leitbild erzählt, ist er in seinem Element. Die landläufige Meinung über den Verfassungsschutz habe wenig mit der Wirklichkeit zu tun, sagt er. Mit den Kursen sollten auch keineswegs ‚Spitzel‘ ausgebildet werden. Es gelte, Vorurteile zu überwinden, der Kalte Krieg sei schließlich vorbei. Das Leitbild sei vielmehr der mündige, aufgeklärte Bürger. Und um dem Namen Verfassungsschutz gerecht zu werden und die Verfassung zu schützen, müsse eben dieses gefördert werden, denn die Demokratie werde in erster Linie direkt von den Bürgern geschützt.

Um dieses Ziel zu fördern, habe Niedersachsen als erstes Bundesland die Demokratielotsen-Ausbildung angeboten. Was Demokratie überhaupt ist, wodurch sie gefährdet wird und was der Einzelne dagegen tun kann – das seien die Inhalte der Kurse. Von den Teilnehmern erhofft Walter sich, dass sie in ihren jeweiligen Kommunen Projekte initiieren, die Demokratie sowie das Miteinander der Kulturen und Generationen fördern, die gegen die Gleichgültigkeit arbeiten und andere für diesen Weg begeistern. Den ersten Lotsen gab Walter scherzhaft mit auf den Weg, dass sie eine „radikale Minderheit“ seien.

Wer Interesse an einem der kostenfreien Kurse hat, kann nähere Informationen in der Loccumer Heimvolkshochschule unter der Telefonnummer (0 57 66) 96 09 51 oder im Internet unter www.hvhs-loccum.de bekommen. Der nächste Kurs beginnt am Freitag, 18. März.




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