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Wanderfalken brüten auch in Bückeburg / Kulturfolger / Jungvögel werden gerade flügge

Denn das Wandern ist des Falken Lust ...

Bückeburg (thm). Hoppla, wer befindet sich denn da auf Wanderschaft? Es ist ein Greifvogel, der "Müllers Lust" bereits im Namen trägt: ein Wanderfalke. Nun rührt die Bezeichnung keineswegs vom Umstand her, dass Vertreter dieser Spezies stets über grüne Wiesen spazierten - hier geht es um einen Jungvogel, soeben flügge geworden und noch etwas aus der Puste nach dem ersten Flugabenteuer. Und: Der Knirps ist sogar ein waschechter Bückeburger.

veröffentlicht am 23.07.2008 um 00:00 Uhr

Wanderfalken - Fachleute nennen den Vogel "falco peregrinus" - sind die am weitesten verbreitete Vogelart weltweit. Bis auf die Antarktis sind Wanderfalken auf jedem Kontinent anzutreffen. Je weiter nördlich sich ihr Siedlungsgebiet befindet, desto eher neigen die Tiere dazu, in wärmeren Gefilden zu überwintern - diesen sich jährlich wiederholenden Wanderungen verdanken die Vögel ihren Namen. Sie brüten auch gerne mal an Gebäuden. So haben es auch die Eltern des abgebildeten Jungtieres gehalten: Als Standort für ihren Brutplatz suchten sie sich einen ebenso verschwiegenen wie gut anfliegbaren Winkel an einem älteren, hohen Haus rund um Bückeburg aus. Irgendwo bei Bückeburg. Wo genau, das wird hier zum Schutz der Vögel nicht verraten. Schutz haben die Tiere bitter nötig. Seit 1971 kürt der Naturschutzbund Deutschland (NABU) den "Vogel des Jahres", um so auf die Gefährdung der jeweiligen Tiere und ihrer Lebensräume aufmerksam zu machen. Erster Vogel des Jahres wurde der Wanderfalke. Der Bestand der Art war äußerst gefährdet. Schuld daran waren weniger die Taubenzüchter, die dem hoch spezialisierten Jäger seit Ende des 19. Jahrhunderts intensiv zugesetzt hatten. Der weltweit dramatische Rückgang der Populationen ab Mitte der 1940er Jahre ging einher mit dem erstmaligen, großflächigen Einsatz des Insektizides DDT (Dichlordiphenyltrichlorethan) in der Land- und Forstwirtschaft. 1975 war der deutsche Bestand auf etwa 50 Brutpaare geschrumpft. Wegen der giftigen Wirkung auf Wanderfalken und andere Greifvögel wurde DDT ab den 1970er Jahren verboten. Die Maßnahme hatte Erfolg: Mit einigen Jahren Verzögerung erholten sich die kläglichen Restbestände des Wanderfalken spürbar. In Deutschland wurden im Jahr 2004 bereits wieder etwa 850 Brutpaare gezählt. Der sogenannte "DDT-Crash" und die anschließenden Maßnahmen zum Schutz der Tiere hatten allerdings noch einen weiteren Effekt ganz anderer Art. Erst im Zuge der Bestandserholung "mauserte" sich der Wanderfalke zu einem "Kulturfolger" ersten Ranges und besiedelte auch viele menschliche Siedlungen. Wanderfalken, die als Felsbrüter ursprünglich nur im Gebirge oder an felsigen Steilküsten anzufinden waren, gründeten plötzlich neue Populationen in felsfreien Gebieten. Im Flachland stellen diese "Gebäudebrüter" heute einen erheblichen Teil des Gesamtbestandes. Unseren Wanderfalkenjüngling wird all das nicht interessieren. Er und sein Bruder (vielleicht sind es aber auch zwei Schwestern) machen ihrem Namen dieser Tage wandernd alle Ehre. Jedenfalls kurzzeitig: Nach einigen Minuten Verschnaufpause beginnt die nächste Flugstunde: Dann fliegen sie wieder hinauf auf ihren von Menschenhand geschaffenen "Kunstfelsen". Mutter- und Vatertier sind gerade unterwegs, um sich aus großer Höhe im spektakulären Sturzflug auf einen kleinen bis mittelgroßen Beutevogel zu stürzen - zuhause wird das Leckerli von den Jungen bereits erwartet.




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