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Es kann jeden treffen

Depression – eine Krankheit, die niemand unterschätzen sollte

BÜCKEBURG. Eine Depression, das ist nicht einfach nur Traurigsein, es ist vielmehr eine Krankheit, die behandelt werden kann und muss, denn oftmals sehen die Betroffenen schließlich den Suizid für sich als einzige Möglichkeit, weil sie ihr Leiden nicht mehr ertragen können.

veröffentlicht am 15.04.2019 um 14:31 Uhr
aktualisiert am 15.04.2019 um 16:30 Uhr

Informierten über Depressionen: Eveline Fenk (rechts) und Marion Grages. Foto: gn

Autor:

Gabi Nachstedt
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Diese und viele weitere Informationen gab es beim Themenabend der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde.

Viele Betroffene, Angehörige und Interessierte waren in die Räume der Gemeinde an der Scheier Straße gekommen, um sich von der Ärztin Eveline Fenk und Marion Grages von der Angehörigengruppe „Sonnenschein“ über das breite Themenfeld Depression informieren zu lassen. Zwischendurch konnten immer wieder Fragen gestellt werden.

Fenk und Grages arbeiten ehrenamtlich für das Schaumburger Bündnis gegen Depression, das es seit drei Jahren gibt. Unter diesem Dach unterstützt ein breites soziales Netzwerk Betroffene, Angehörige und beruflich Helfende. Das Bündnis will über eine intensive Zusammenarbeit mit Hausärzten, Altenpflegern, Lehrern, Polizisten und Pastoren die Diagnose und Behandlung von Depressionen verbessern.

Jede vierte Frau und jeder achte Mann in Deutschland erkranke einmal im Leben an einer Depression, führte Fenk, die bis vor einem Jahr in der psychiatrischen Burghofklinik in Rinteln als Ärztin arbeitete, in ihrem Vortrag aus. Diese zu behandeln, erfordere Geduld und Zeit. Meist empfinde der Betroffene sich nicht unbedingt als krank, deshalb sei es so wichtig, dass die Angehörigen oder Menschen im sozialen Umfeld den möglicherweise Erkrankten darauf ansprechen. Erste Anlaufstelle zur weiteren Abklärung, ob es sich tatsächlich um eine Depression handelt, sei in jedem Fall der Hausarzt.

Die psychischen Symptome einer Erkrankung zeigten sich in einer Niedergeschlagenheit und Gefühllosigkeit, so Fenk, der Betroffene habe keinen Antrieb, kein Interesse an Aktivitäten und empfinde eine innere Leere, die teilweise zu Selbstmordgedanken führe. Der an einer Depression Erkrankte schlafe extrem schlecht, habe wenig Appetit, sei rasch erschöpft und habe häufig Druck- und Engegefühle im Hals- und Brustbereich. Auch die Körperhaltung verändere sich, so die Ärztin: „Der Betroffene geht gebeugt, als ob ihn etwas herunterdrückt.“

Diese Symptome führten zu einem deutlich veränderten Verhalten der Erkrankten. Manche würden aggressiv, andere zögen sich sozial komplett zurück, aber die meisten würden sehr viel weinen und auch Suizidankündigungen machen, weil sie sich selbst nicht mehr ertragen könnten. Deshalb sei es so wichtig, erklärte Fenk, dass im sozialen Umfeld von Menschen, die sich plötzlich in ihrem Verhalten verändern, dieses als eine ernste Erkrankung erkannt werde und ihnen Hilfen angeboten würden. Auch Kinder und Jugendliche könnten davon betroffen sein.

Ursache dieser Erkrankung seien entweder ein Ungleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn oder besondere Ereignisse wie etwa der Verlust des Partners, Überlastung, Arbeitslosigkeit oder ein dramatisches Erlebnis. Behandelt werde mit Medikamenten oder mit einer Psychotherapie. Unterstützen könnten Bewegung, Sport, Musik, Malen oder Entspannungsübungen. Dazu die Ärztin: „Ganz wichtig sind Gespräche mit anderen Betroffenen. Sie erleben, dass sie nicht allein sind mit dieser Krankheit.“

Die Angehörigen von depressiv erkrankten Menschen hätten eine schwierige Aufgabe zu meistern, denn die Familie sei ja mit betroffen. Ihnen rät sie, sensibel zu sein für die Erkrankung, aber sich das Leiden nicht zu eigen zu machen. In Schaumburg bietet die Selbsthilfegruppe für Angehörige psychisch erkrankter Menschen „Sonnenschein“ die Möglichkeit zum Austausch und zur Aufmunterung, um bei der schwierigen Aufgabe, einem Nahestehenden mit einer Depression zu helfen, nicht selber krank zu werden.




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