weather-image
11°
×

Höhepunkt in der Dorfgeschichte – Cammer feiert seinen 450. Geburtstag ganz groß

„Der Außenposten liegt uns sehr am Herzen“

Cammer (bus). Kinderfest mit ein bisschen Regen; Handwerkermarkt, Vorführungen und Offizielles bei prima Sommerwetter sowie ein Gottesdienst im schattigen Schaumburger Wald – die Feier zu der vor 450 Jahren protokollierten Ersterwähnung Cammers ist ohne Zweifel der Höhepunkt in der jüngeren Geschichte des Geburtstagsdorfes gewesen. „Ich bin rundum zufrieden“, meinte Ortsbürgermeister Hans-Georg Terner am Ende der drei Festtage.

veröffentlicht am 02.07.2012 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 03:21 Uhr

Dabei hatte der Veranstaltungsreigen am Freitag einen wenig vielversprechenden Auftakt genommen. Zu Beginn rauschte ein beständiger Dauerregen nieder. Die Organisatoren wussten sich unterdessen zu helfen und verlegten einen großen Teil der für Kinder und Jugendliche geplanten Aktivitäten ins Innere des Dorfgemeinschaftshauses. „Auf die ursprünglich vorgesehenen Wasserspiele und das Toben im Stroh haben wir allerdings angesichts der Niederschläge verzichtet“, erläuterte Terner, der die höchst abwechslungsreichen Tage im Zusammenspiel mit allen örtlichen Vereinigungen auf die Beine gestellt hatte.

Am Samstag präsentierte sich das Wetter von seiner Schokoladenseite. „Das haben wir uns auch verdient“, erklärte Terner. Der von mehr als 20 Ausstellern gestaltete Handwerkermarkt, Auftritte von Cammerscher Tanzkreis- und Cammeruner Kindertrachtengruppe, die offizielle Enthüllung der Jubiläumstafel, das Unterzeichnen einer Partnerschaftsurkunde zwischen Cammer/Bückeburg und Cammer/Brandenburg sowie etliche Gast- und Grußreden und die von der Cammeruner Dorfkapelle und der Formation „Champagne“ bestrittenen musikalischen Intermezzi gingen reibungslos über die Bühne. Zahlreiche Besucher nutzten die Gelegenheit, sich bei einer Selbstdarstellung der Vereine und Gemeinschaften über deren Historie und aktuelle Aktivitäten ins Bild setzen zu lassen. Und auch die Hubschrauberbesatzung freute sich über den weitgehend wolkenfreien Blick. Rund 200 Interessenten nutzten das Angebot, die gesamte Szenerie, die Ortschaft Cammer und deren Drumherum per Helikopter aus der Vogelperspektive in Augenschein zu nehmen.

„Das Programm ist in der Tat überwältigend“, ließ Bürgermeister Reiner Brombach wissen. Der „Außenposten an der Grenze zu Ostwestfalen“ liege „der Stadt sehr am Herzen“, führte Brombach aus und versprach mit Blick auf den geplanten Containerumschlagplatz „Regioport“ dem „Hafenanrainer“: „Wir werden alles tun, den Schutz der Cammeruner im Auge zu behalten.“ Landrat Jörg Farr – in Eingeweihtenkreisen als Freund ausführlicher Illustrationen bekannt – verzichtete auf eine Verlesung seines Manuskripts und redete, als er auf die Frage, ob Cammer „vor oder hinter dem Wald“ liege, Klartext: „Wichtig ist, dass man sich hier zu Hause fühlt, dass man Cammer als seine Heimat betrachtet und dass man sich aktiv ins Dorfleben einbringt.“

Ulf Dingelstaedt, offiziell Ortsvorsteher des Ortsteils Cammer (Brandenburg) und ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Planebruch, legte den vielen Hundert Anwesenden Grundsätzliches dar: „Wir nennen uns Cammersche und Ihr nennt Euch Cammeruner, aber wir gehören zusammen. Wir wollen unsere Zukunft gemeinsam gestalten.“

Den weitaus üppigsten Applausanteil der Gast- und Grußredner heimste indes Dieter Rommelmann ein. „Ich kann nicht recht glauben“, gab Päpinghausens Ortsvorsteher zu verstehen, „dass Cammer erst 450 Jahre alt ist. Es kann doch nicht sein, dass jenseits der Aue Päpinghausen in nicht mal zehn Jahren auf 1000 Jahre zurückblicken kann und hier in den dazwischen liegenden 550 Jahren Wüste gewesen sein soll. Ich glaube, da ist etwas unterdrückt worden.“ Er habe sich häufig gefragt, warum die Cammeruner so ein cleveres Völkchen seien und die Antwort in alten Unterlagen gefunden: „Die sind 180 Jahre lang in die Volksschule Päpinghausen gegangen. Da ist das doch kein Wunder.“

Der gut gelaunte Rommelmann plädierte augenzwinkernd dafür, eine dem „Rütli Schwur“ ähnliche Versicherung abzugeben: „Zum 1000-Jährigen von Cammer wollen wir uns alle hier erneut versammeln, um dieses Fest würdig zu begehen. Wenn uns das gelungen ist, haben wir etwas gekonnt.“ Sprach’s und überreichte Terner als Gastgeschenk eine „echte westfälische Eiche“, die anno 2562 als Treffpunkt dienen soll.

Am Sonntagmorgen, als (Schaumburger) Eichen und Buchen dem von Pastor Gerd Peter gehaltenen Freiluftgottesdienst zu einem majestätischen Baumdom verhalfen, klangen vielen Teilnehmern Rommelmanns Worte noch in den Ohren. Beim abschließenden gemeinsamen Erbsensuppenessen gehörte der Geburtstag fast schon wieder der Vergangenheit an.

Auf dem Handwerkermarkt - das Foto zeigt Reepschläger bei der Arbeit - geben sich mehr als 20 Aussteller ein Stelldichein.

Fotos: bus




Anzeige
Anzeige