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Im Unternammerholz wird ein Fließgewässer an der Grenze zu Bückeburg vom Waldrand zurück in den Forst verlegt

Der Bach legt sich wieder in die Kurven

Bückeburg/Nammen. Früher verliefen Bäche in Kurven, die an den Nürburgring erinnern. Kreuz und quer ging es durch den Wald. Mäandern nennt sich das. Mitte des 20. Jahrhunderts wurden dann viele dieser Fließgewässer begradigt und an den Rand von Feldern gelegt, um landwirtschaftliche Flächen zu entwässern. Dünger und andere Einträge tun dem Wasser jedoch gar nicht gut, Ufervegetation fehlt über weite Strecken völlig. Zudem fließt das Gewässer zu schnell. Ideale Lebensbedingungen für Tiere sehen anders aus.

veröffentlicht am 06.05.2015 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 10:41 Uhr

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Zurück zur Natur: Nach dieser Devise wird demnächst im Naturschutzgebiet Unternammerholz ein bisher noch namenloser Bach vom Waldrand in den Forst verlegt, wo das Fließgewässer vor Jahrzehnten bereits verlaufen ist. Zurzeit fließt der Bach geradlinig an den Äckern entlang. Bald legt er sich wieder in die Kurven, bevor er kurz vor Meißen in den Sandfurthbach mündet, der die Grenze zu Bückeburg und damit dem Landkreis Schaumburg markiert.

Im Spätsommer könnten die Arbeiten beginnen, nachdem der Landschaftsbeirat kürzlich eine Empfehlung ausgesprochen hat. Landschaftsarchitektin Anke Schurtzmann, beim Kreis Minden-Lübbecke mit dem Gewässerentwicklungsprojekt Weser-Werre-Else (WWE) betraut, rechnet mit August oder September.

WWE verfolgt das Ziel, Fließgewässer zurück in den natürlichen Zustand zu versetzen. Das Unternammerholz ist FFH-Gebiet, ausgewiesen nach einer Richtlinie, die dem Schutz von Pflanzen, Tieren und speziellen Lebensräumen dient.

„Teilweise werden in Nammen die Strukturen des früheren Bachbettes reaktiviert, zum Teil neue angelegt“, kündigt Diplom-Ingenieurin Anke Schurtzmann an. Träger des Projektes ist die Stadt Porta Westfalica. Das Geld kommt zu 80 Prozent vom Land, der Rest aus dem städtischen Topf für Ausgleichszahlungen. Ausführende Kräfte sind Baugruppen der Initiative für Arbeit und Schule (Bad Oeynhausen), die Arbeitslose beschäftigt.

Mit im Boot ist auch das Regionalforstamt. „Wir stellen Flächen zur Verfügung, schneiden Bäume und begleiten den Bau vor Ort“, erklärt der Nammer Revierförster Achim Büscher, dessen Behörde das Projekt mit angeschoben hat.

Büscher geht davon aus, dass sich die Lebensbedingungen vieler Tiere deutlich verbessern werden. „Schattige Bereiche sind ganz wichtig für Forellen und Groppen“, erklärt er. Die Groppe war mehrfach Fisch des Jahres und lebt bevorzugt am Boden eher kühler Gewässer.

Amphibien dürfen sich nicht minder freuen. So finden beispielsweise Salamander und Molche bessere Laichbedingungen vor. „Fledermäuse und Libellen werden ebenfalls profitieren, denn sie brauchen feuchte Bereiche“, fügt Anke Schurtzmann hinzu. Kleinlebewesen wie Bachflohkrebse oder Köcherfliegenlarven können laut Achim Büscher im bisherigen Bach nicht existieren. Auch das soll sich ändern. Mehr noch: „Eine Verringerung der Fließgeschwindigkeit trägt aktiv zum Hochwasserschutz bei“, so der Förster.

In den Wald verlegt wird der Bach auf einer Strecke von mehr als einem Kilometer. Unterteilt ist das Projekt in drei Bauabschnitte. Der erste beginnt im südlichen Teil des Unternammerholzes, an der Grenze zu den Stukenwiesen, wo zwei Bäche zusammentreffen und zu einem werden. Beide kommen aus dem Wesergebirge.

Über die Interessen etwa der Landwirtschaft soll sich das Projekt nicht hinwegsetzen. „So etwas geht nur im Einvernehmen“, betont Anke Schurtzmann.

Im Unternammerholz zeigt Revierförster Achim Büscher den Mitgliedern des Landschaftsbeirates Pläne. Schnurgerade verläuft der Bach am Waldrand. Eines Tages soll er in Kurven durch den Wald fließen.ly (2)




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