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Sonderausstellung im Informationszentrum an der Schachtschleuse

Der Bau des Mittellandkanals

Minden (bus). Das Wasser- und Schifffahrtsamt Minden betreibt in unmittelbarer Nähe der Schachtschleuse an der Sympherstraße ein Informationszentrum mit einer umfangreichen Ausstellung. Hier informieren Schrift- und Bildwände, Videofilme, Computer und eine stattliche Zahl detailgenauer Modelle über das bundesdeutsche Wasserstraßennetz und die Bedeutung des Binnenschiff-Verkehrssystems. Unter dem Motto „100 Jahre Mittellandkanal – 1905 bis 2005“ beschäftigt sich eine Sonderausstellung mit der Geschichte des Mittellandkanals. Das Informationszentrum ist bis zum 31. Oktober montags bis sonnabends von 9 bis 17 Uhr sowie sonn- und feiertags bis 18 Uhr geöffnet. Die Eintrittspreise betragen 1,50 Euro für Erwachsene und 80 Cent für Kinder.

veröffentlicht am 13.07.2010 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 10:21 Uhr

Die Idee, die schiffbaren Flüsse Norddeutschlands – Rhein, Ems, Weser, Elbe und Oder – in Ost-West-Richtung miteinander zu verbinden, reicht weit in die Vergangenheit hinein. Bereits im 16. Jahrhundert entwickelte Herzog Julius von Braunschweig einen entsprechenden Plan. Er wollte zudem Oker und Aller schiffbar machen und sie mit der Weser und der Elbe verbinden. In der Realität entstanden stromverbindenden Kanalbauten in Deutschland aber erst im 17. Jahrhundert. Von 1662 bis 1668 wurde der Friedrich-Wilhelm-Kanal gebaut, der eine Verknüpfung der Stromgebiete von Elbe und Oder schuf.

Etwa von der Mitte des 19. Jahrhunderts an führte die Erfindung der Dampfmaschine zu einer erheblichen Beschleunigung des Gütertransports auf den Wasserstraßen. Die Maschinen revolutionierten darüber hinaus die gesamte Wirtschaft. Massengüter, speziell Kohle, erlebten einen rasanten Nachfrageanstieg. Besonders in Westdeutschland mit seinen umfangreichen Kohlelagerstätten waren nun Schifffahrtskanäle zum Anschluss der Vorkommen an die Flussgebiete dringend erforderlich. Daher überreichte am 24. April 1856 ein sogenanntes Kanalkomitee im Auftrag der Industrie dem Preußischen Minister für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten eine Denkschrift zum Bau einer Verbindung vom Rhein über die Weser zur Elbe, die im Wesentlichen dem heutigen Mittellandkanal entsprach.

Es dauerte aber noch ein halbes Jahrhundert, bis 1906 mit dem Bau des Rhein-Weser-Kanals begonnen werden konnte. Dessen westlicher Abschnitt, der heutige Rhein-Herne-Kanal, ging 1914 in Betrieb. Auf dem zunächst als Ems-Weser-Kanal bezeichneten Kanalabschnitt bis Minden wurde der Verkehr am 15. Februar 1915 aufgenommen. Östlich von Minden fanden die weiteren Arbeiten bis Hannover im Herbst 1916 ihren Abschluss.

Für den Startschuss hatte Wilhelm II. verantwortlich gezeichnet. In der Nr. 13 der Gesetz-Sammlung für die Königlichen Preußischen Staaten („aufgegeben zu Berlin, den 11. April 1905“) verordnen „Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden König von Preußen“ (unter Zustimmung beider Häuser des Landtags der Monarchie): „Die Staatsregierung wird ermächtigt, für die nachstehend bezeichneten Bauausführungen die folgenden Beträge nach Maßgabe der von den zuständigen Ministern festzustellenden Pläne zu verwenden“. Unter Punkt „c“ der Verordnung „für die Herstellung eines Schifffahrtskanals vom Rhein zur Weser einschließlich Kanalisierung der Lippe und Nebenanlagen“ führt die Aufstellung „einen Schifffahrtskanal vom Dortmund-Ems-Kanal in der Gegend von Bevergern zur Weser in der Gegend von Bückeburg mit Zweigkanälen nach Osnabrück und Minden“ auf.

Heute zweigt der Mittellandkanal (MLK) bei Bergeshövede in der Nähe von Rheine aus dem Dortmund-Ems-Kanal ab und mündet nach rund 320 Kilometern bei Magdeburg in die Elbe. Er verknüpft als zentraler Teil der einzigen West-Ost-Wasserstraße Norddeutschlands die Stromgebiete des Rheins, der Ems, der Weser und der Elbe und stellt darüber hinaus die Verbindung nach Berlin und zu den osteuropäischen Wasserstraßen her. Den MLK und seine Stichkanäle kreuzen 385 Brücken sowie 228 Düker und Durchlässe, mit denen Gewässer und Verkehrswege unterführt werden.

Den Planungen war ein Verkehrsaufkommen von 8,8 Millionen Jahrestonnen zugrunde gelegt worden. Bereits gegen Ende der 30er Jahre erreichte der Verkehr jedoch 12 Millionen Jahrestonnen und ist bis heute auf etwa 23 Millionen Tonnen angewachsen. Prognosen sagen, insbesondere nach der Wiederherstellung der deutschen Einheit und nach Öffnung der osteuropäischen Länder, einen weiteren deutlichen Zuwachs voraus. Die Verkehrsentwicklung begleitete ein grundlegender Wandel in der Binnenschifffahrt.

Beim Bau des Kanalbetts kommen mächtige Löffelbagger zum Einsatz.

Repro: bus




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