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Freispruch nach Angriff auf Zeitungszusteller / Prozess gegen mutmaßlichen Schläger aus Cuxhaven demnächst

Der Falsche vor Gericht

BÜCKEBURG. Nach 45 Jahren harter Arbeit hat die Rente nicht gereicht. Deshalb verdient sich ein Bückeburger (65) etwas dazu und trägt Zeitungen aus, „um über die Runden zu kommen“. Wenn andere noch schlafen, ist er schon unterwegs - bei Wind und Wetter. Am 1. Juni 2018 gegen 4.15 Uhr hilft der Zusteller zwei Betrunkenen, die ihn nach dem Weg fragen, indem er sie zum nahen Taxistand schickt. Einer von ihnen schlägt dem Rentner danach auf der Herderstraße ohne Vorwarnung ins Gesicht.

veröffentlicht am 11.01.2019 um 10:37 Uhr
aktualisiert am 11.01.2019 um 18:00 Uhr

Foto: dpa
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„Diese Tat ist unter aller Kanone“, sagt Staatsanwalt Timo Goldmann in einem Prozess vor dem Amtsgericht in Bückeburg und wendet sich direkt an den Angeklagten: „Wenn Sie das gewesen wären, hätte ich so einen Hals gehabt. Dann wären Sie mit einer Freiheitsstrafe hier rausgegangen.“ Der Mann auf der Anklagebank, ein 26-Jähriger aus Stemmen (Kalletal), war es jedoch nicht. Ihn spricht Richter Dr. Dirk von Behren frei.

Dringender Tatverdacht besteht jetzt gegen den Zechkumpan, mit dem der Arbeitslose damals unterwegs war, einen Mann aus Cuxhaven. „Es spricht alles dafür, dass er der Schläger war“, stellt Richter von Behren fest. Name und Anschrift des mutmaßlichen Täters sind bekannt. Gegen ihn soll jetzt so schnell wie möglich verhandelt werden. Es geht um Körperverletzung und Sachbeschädigung.

„Ich bin keine Memme“, sagt der Zusteller, der auch unsere Zeitung austrägt. Nach den Schlägen ins Gesicht hatte er seine Tour damals trotz Nasenblutens fortgesetzt. „Er hat pflichtbewusst weiter Zeitungen verteilt - unglaublich“, so ein Augenzeuge, vor dessen Haustür die Tat passiert war.

„Der größere Mann hat den Herrn definitiv zweimal ins Gesicht geschlagen“, erinnert sich der Zeuge. „Der Kleinere hat versucht, den Größeren zu beruhigen“, fügt er hinzu. Mit dem Kleineren (Körpergröße: 1,75 Meter) ist der jetzt freigesprochene Mann gemeint. „Der Größere hat außerdem ins Auto getreten.“

Dazu muss man wissen: Nachdem der blutende Zusteller in seinen Wagen geflüchtet und einige Meter gefahren war, trat der Schläger schnell noch eine großflächige Delle in die Hecklappe, die später aufwändig repariert werden musste.

Zum ersten Mal sollen die Zecher den Zusteller an einer anderen Stelle angesprochen haben, bevor das Opfer kurze Zeit später an der Herderstraße völlig überraschend von der Seite ins Gesicht geschlagen wurde. „Mein Gesicht war danach geschwollen“, erinnert sich der 65-Jährige. „So etwas ist mir noch nie passiert.“ Verletzungen im Bereich der Hüfte hatte das Opfer ebenfalls erlitten.

Der jetzt freigesprochene Mann war kurz nach dem Vorfall festgenommen worden und in Verdacht geraten, weil er bei seiner Festnahme eine Baseballkappe getragen hatte. Dem Augenzeugen zufolge hat nämlich nur der Schläger eine solche Kopfbedeckung getragen. „Die Männer müssen die Kappe getauscht haben“, glaubt Staatsanwalt Goldmann. Für das mutmaßlich brutale Verhalten seines Zechkumpans, der zunächst entkommen konnte, hat der jetzt Angeklagte „absolut keine Erklärung“. ly




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