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Zoff bei der Tagung der Landessportfischer / Präsident Vertrauen entzogen / „Kinderkacke“ und Tonband-Mitschnitte

Der Fisch beginnt zuerst am Kopf zu stinken …

Bückeburg (wk). Hitzige Diskussionen, böse Zwischenrufe und eine vermutete Sabotage bei einer Abstimmung haben die Mitgliederversammlung des Landessportfischerverbandes Niedersachsen überschattet. An der Veranstaltung im großen Saal des Bückeburger Rathauses nahmen am Sonntag rund 220 Delegierte der dem Verband angeschlossenen Vereine teil.

veröffentlicht am 27.05.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 08.11.2016 um 18:41 Uhr

Schon zu Beginn war zu erahnen, dass das Raumklima in den nächsten Stunden von „dicker Luft“ beherrscht werden würde. Wohl wegen Erfahrungen, die der Vorstand bei früheren Versammlungen gemacht hatte, lief während der aktuellen Veranstaltung eine Tonaufnahme mit.

Kommission prüft Mandate

Zudem wurde extra für die Versammlung eine dreiköpfige „Mandatsprüfungskommission“ gewählt, die überprüfen sollte, ob die Summe der bei den später abzuhaltenden Abstimmungen und Wahlen ausgezählten Stimmen mit der Gesamtzahl der ausgegebenen Stimmkarten beziehungsweise -zettel übereinstimmt.

Bereits bei der „Genehmigung der Tagesordnung“ selbst (dem sechsten von 24 Tops) und der „Genehmigung des Protokolls über die Mitgliederversammlung 2008“ stellten sich einige Mitglieder quer und votierten mit Nein, was diese Punkte jedoch nicht kippen konnte.

Richtig Zoff gab es dann bei der „Aussprache zu den Berichten“, den „Berichten der Kassenrevisoren“, der „Genehmigung des Jahresabschlusses 2008/Entlastung des Vorstands“ und einem Antrag des SFV von 1904 Hildesheim, in dem dieser erneute Verhandlungen über einen bereits 2008 vom Bezirk 5 gestellten Misstrauensantrag gegen den amtierenden Verbandspräsidenten Peter Rössing forderte. Hintergrund des Problems war – so dessen Stellvertreter Bernd Schlicker – dass die vom Jugendverbandsleiter Roland Umlauf seit 2008 geführte Jugendkasse einen Fehlbetrag aufweise und der bislang vorläufige Gesamt-Kassenbericht des Landessportfischerverbandes deswegen nicht abgeschlossen und der Gesamtvorstand auch nicht entlastet werden könne. Der eigene Haushalt sei einwandfrei, betonte Landesverbands-Schatzmeister Günther Drawert, aber bei der Jugendkasse sei ein Fehlbetrag von „1000 Euro und mehr“ bislang nicht nachgewiesen worden. Mehrfach habe er Umlauf bereits erfolglos aufgefordert, entsprechende Nachweise zu erbringen. Auf Nachfrage eines Teilnehmers schätzte Drawert den noch ungeklärten Betrag auf 1200 bis 1300 Euro. Wegen Schriftstücken mit fehlerhafter Rechtschreibung äußerte er außerdem den „Verdacht“, dass der Jugendverbandsleiter „nicht in der Lage ist, richtig lesen und schreiben zu können“.

Rechtliche Schritte

Insofern sei er, Drawert, „völlig ratlos, was da abgelaufen“ sei – möglicherweise habe eine andere Person statt Umlauf die Bücher geführt.

Auf einen Zwischenruf erklärte Schlicker, die Angelegenheit zunächst auf dem „internen Weg“ klären zu wollen, bevor man rechtliche Schritte einleiten werde. Drawert ergänzte noch, dass Umlauf im Krankenhaus liege und für weitere Gespräche nicht zur Verfügung stehe, während Schlicker anmerkte, dass auch der Vize-Jugendverbandsleiter nicht erreichbar sei. Wegen noch bestehenden Klärungsbedarfes könne folglich auch der Gesamtvorstand noch nicht entlastet werden.

Die Abstimmung über den Misstrauensantrag gegen Rössing entwickelte sich zu einer echten Posse: Als „Kinderkacke“ und „Zirkus“ kommentierten Teilnehmer das Geschehen. Schlicker bezeichnete es vornehm als „ein unschönes Verhalten hier in der Runde“. Was war passiert?

Bei der zunächst zu klärenden Frage, ob überhaupt noch einmal über den Misstrauensantrag verhandelt werden sollte, hatten die Delegierten (die jeweils über bis zu fünf Stimmkarten verfügten) 392 Ja-, 238 Nein-Stimmen und sieben Enthaltungen abgegeben. Das Problem dabei war, dass somit sieben Stimmkarten mehrfach gezeigt worden waren. Um einer Wiederholung dieser vermuteten Sabotage vorzubeugen, wurde die erneute Abstimmung geheim und mittels eingesammelter Stimmzettel vorgenommen. Die Delegierten votierten jetzt zwar ähnlich (380 x Ja, 229 x Nein, acht Enthaltungen), der Vorstand wurde zwischenzeitlich aber darüber informiert, dass einige Stimmkarten zuviel kursieren würden. Wegen der eindeutigen Tendenz des Ergebnisses, wurde dieser Durchgang dennoch für gültig erklärt.

Bei der Entscheidung, ob der bisherige Präsident noch das Vertrauen genieße, stimmten die Delegierten mit 339 Stimmen für eine Neuwahl – bei 208 Nein-Stimmen und neun Enthaltungen. „Wir stehen mit diesem Abstimmungsergebnis vor einer Wende“, stellte Schlicker fest. Zudem informierte er die Versammlung, dass Drawert wegen der Vorkommnisse im Verlauf der Versammlung überraschend mit sofortiger Wirkung vom Schatzmeisteramt zurückgetreten sei.

Mit 547 Ja-Stimmen wurde der einzige Präsidentschaftskandidat Schlicker schließlich für vier Jahre gewählt, wobei es zwölf Nein-Stimmen und 26 Enthaltungen gab.

„Wir müssen einen Neuanfang gestalten“, betonte Schlicker“, der sich „ermutigt von dem doch recht eindeutigen Ergebnis“ fühlte.

Auch zu diesem Zeitpunkt – es waren bereits rund viereinhalb Stunden verstrichen – war aber immer noch keine „Ruhe im Karton“. So regte einer der Teilnehmer ernsthaft an, Schlicker solle nach einem Jahr freiwillig zurücktreten, um im Jahre 2010 eine Neuwahl des gesamten Vorstandes zu ermöglichen.




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