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Soviel Beschwerden wie lange nicht / Heeresflieger: Fliegen nicht mehr und anders als sonst

Der Fluglärm erregt erneut die Gemüter

Bückeburg (rc/bus). Jahrelang war er kein Thema, der Fluglärm der Heeresfliegerwaffenschule. Vermehrte Ausbildung in den Simulatoren und neue, leisere Hubschraubertypen wie etwa der Schulungshubschrauber EC-135 sorgten dafür, dass es nur noch vereinzelte Beschwerden gab.

veröffentlicht am 22.05.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 08.11.2016 um 19:21 Uhr

In den vergangenen Wochen und Monaten ist aber ein deutlicher Anstieg der Beschwerden zu registrieren: Ortsbürgermeister der um Achum liegenden Ortschaften wie Müsingen, Meinsen-Warber, Scheie oder aber auch an den Außenlandeplätzen wie etwa am Schierholzberg bei Aerzen wurden von ihren Bewohnern angesprochen und wurden aktiv. Auch in unserer Redaktion gingen Anrufe ein.

Müsingens Ortsvorsteher Gerhard Heinrichsmeier etwa äußerte sich gegenüber unserer Zeitung: „Ich richte den dringenden Appell an die zuständigen Stellen der Heeresfliegerwaffenschule, die Belastungen für die Anwohner so gering wie möglich zu halten.“ Die Piloten sollten vermehrt Ausweichmöglichkeiten nutzen und vor allen Dingen die vorgeschriebenen Flugrouten einhalten.

Schilderungen des Ortsvorstehers zufolge ist nicht zu übersehen, respektive zu überhören, dass die auf dem Flugplatz Achum stationierten Hubschrauber bei ihren Überflügen häufig „rechtswidrig“ in niedriger Höhe über Häusern innerhalb der Ortschaft unterwegs sind. „Und das sogar in der Mittagszeit“, unterstreicht er. Überdies stellt er die Frage nach der Notwendigkeit von bis Mitternacht und darüber hinaus dauernden Nachtflügen. Hier gelte es, Rücksicht auf alte Menschen und den arbeitenden Teil der Bevölkerung zu nehmen.

Der Ortsvorsteher berichtet von Gesprächen, in denen auch Bewohner Achums und Scheies und darüber hinaus viele Bückeburger Klage über ansteigende Lärmbelästigung führen. Dem Argument, mit der Bundeswehr den größten Wirtschaftsfaktor der Stadt zu behelligen, begegnet Heinrichsmeier mit der Klarstellung, nicht den Flugplatz auflösen zu wollen: „Wir fordern lediglich mehr Rücksichtnahme auf die Bevölkerung.“

Bei der Bundeswehr selbst hat in den vergangenen Monaten ebenfalls das Beschwerdetelefon häufiger geklingelt, als in den Jahren davor, wie der Stellvertreter des Generals der Heeresflieger, Oberst Albert Dittmer, und der Pressesprecher des Standortes, Oberstleutnant Michael Baumgärtner, jetzt im Gespräch mit unserer Zeitung einräumten.

Indes: Eine Antwort, warum sich in den vergangenen Wochen die Beschwerden häufen, haben auch sie nicht. „Es gibt im Jahresgang keine Veränderungen, wir sind genauso so häufig in der Luft wie in den vergangenen Jahren.“ 2008 etwa verbrachten die Heeresflieger exakt 9543 Stunden in der Luft, ähnlich viele waren es 2007. „Und auch 2009 werden wir uns konstant bei dieser Flugstundenzahl bewegen, plus/minus weniger Stunden“, so Oberst Dittmer.

In den Simulatoren in Bückeburg flogen die Piloten im vergangenen Jahr 15 623 Stunden, 2007 waren es 17 958 Stunden. Auch hier wird 2009 eine konstante Flugstundenzahl erwartet. Was irgend möglich sei, werde im Simulator geflogen. Insgesamt: „Im Gang des Jahres gibt es bei uns keine Veränderung des fliegerischen Auftrages.“

Die Soldaten versuchen, Erklärungen zu finden: Die Ausbildung an allen Heeresflugplätzen sei ein Wellengang. Alle vier Monate würden neue Lehrgänge starten, die an bestimmten Punkten ihrer fliegerischen Ausbildung häufiger in der Luft seien als an anderen Punkten. Hinzu komme, dass jetzt im Frühling und Sommer mit den länger werdenden Tagen die zu absolvierenden Nachtflüge in der Regel erst gegen 21 bis 22 Uhr starten könnten. Da es wärmer ist, die Menschen auf ihren Terrassen sitzen oder bei offenem Fenster schlafen würden, würde der später einsetzende Fluglärm ganz anders wahrgenommen als im Winterhalbjahr. „Da sind wir mit den Nachtflugübungen schon um 21 oder 22 Uhr fertig. Und die Fenster sind dann auch zu.“ Dittmer: „Wir sind vor zwei Monaten mehr geflogen als derzeit.“

Und noch einen Erklärungsversuch haben die Obristen an der Hand: Mit dem neu eingeführten Transporthubschrauber NH-90 sei ein fremdes Geräusch am Himmel, an das sich die Ohren der Bevölkerung noch nicht gewöhnt hätten. Die Rotorengeräusche der alten, ausgemusterten Typen seien vertrauter gewesen.

Dittmer widersprach Beobachtungen, nach denen die Flüge über Mitternacht hinausgehen und abseits der vorgeschriebenen Flugrouten und -höhen geflogen würden. „Bei uns ist um 24 Uhr Schluss.“ Und bei Abweichungen von der Flugroute würde der Flug-Controller auf dem Tower eingreifen und zum Einhalten der Regeln auffordern. Jeder Beschwerde von Anwohnern werde detailliert nachgegangen, die Piloten mit entsprechenden Verweisen bestraft, sollte sich das Fehlverhalten bestätigen.

Angesichts der Beschwerden wird die Bundeswehr in den kommenden Wochen die in den neunziger Jahren eingerichtete Lärmschutzkommission einberufen, die bis 2007 regelmäßig einmal im Jahr tagte. 2008 wurde sie nicht einberufen. Die Kommission wird vom Landrat angeleitet, ihr gehören Bürgermeister und Ortsvorsteher der betroffenen Kommunen an. Die Heeresflieger informieren über die neuesten Entwicklungen.




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