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Auf den Spuren der Skulpturen: „Der Hütejunge“ im Bürgergarten

"Der Hütejunge" verbindet Stadt- und Familiengeschichte

Von Julia Marre
Hameln. Wenn Ingeborg Bloege im Bürgergarten spazieren geht, bleibt sie vor einer Skulptur jedes Mal stehen. Der „Hütejunge“ von Kurt Schwerftfeger hat es ihr angetan. Denn die Hamelnerin kennt seine Geschichte. Eine Geschichte, die wohl nicht (mehr) viele Hamelner kennen. Es ist das Jahr 1962, als der Bürgergarten „im bescheidenen Rahmen“ versucht, „eine Verbindung mit der zeitgenössichen bildnerischen Kunst herzustellen“. So ist es in einem alten Hamelner Dokument über „Gartengestaltung und Bildnerische Kunst“ nachzulesen. In Niedersachsen beheimatete Bildhauer werden daher kontaktiert und überlassen der Stadt Leihgaben.

veröffentlicht am 12.07.2010 um 16:27 Uhr
aktualisiert am 22.09.2011 um 11:29 Uhr

Von Julia Marre
Hameln. Wenn Ingeborg Bloege im Bürgergarten spazieren geht, bleibt sie vor einer Skulptur jedes Mal stehen. Der „Hütejunge“ hat es ihr angetan. Denn die Hamelnerin kennt seine Geschichte. Eine Geschichte, die wohl nicht (mehr) viele Hamelner kennen.

Es ist das Jahr 1962, als der Bürgergarten „im bescheidenen Rahmen“ versucht, „eine Verbindung mit der zeitgenössichen bildnerischen Kunst herzustellen“. So ist es in einem alten Hamelner Dokument über „Gartengestaltung und Bildnerische Kunst“ nachzulesen. In Niedersachsen beheimatete Bildhauer werden daher kontaktiert und überlassen der Stadt Leihgaben.

Einer der Künstler, die einst eine Menge ihrer Werke zur Gestaltung des Bürgergartens beigesteuert haben, ist Professor Kurt Schwerdtfeger. 1897 geboren in Ostpommern, studierte er Kunstgeschichte und Philosophie in Jena. Am Weimarer Bauhaus ist er später Schüler von Johann Itten und Oskar Schlemmer. Durch den Zweiten Weltkrieg gehen alle seine früheren Arbeiten verloren. Doch Schwerdtfeger beginnt von Neuem: An der Pädagogischen Hochschule Alfeld ist er bald als Professor tätig. Der Hannoversche Schroedel Verlag veröffentlicht in den 50er Jahren sein kunstpädagogisches Buch „Bildende Kunst und Schule“. Der Bildhauer, der unter anderem 1960 in Hameln seine Werke ausstellte, reicht einen Katalog ein, als er hört, dass Kunstwerke für den öffentlichen Raum gesucht werden.

Anfang der 60er Jahre fällt dieser Katalog mit Schwerdtfegers Skulpturen in die Hände von Adolf Damm. Er arbeitet als Bankdirektor der Kreditbank Hameln am Ostertorwall. Die Bank, die in der Nachkriegszeit verstärkt Handwerkern auf die Beine geholfen hat, möchte den Bürgern der Stadt eine Skulptur schenken. Und Adolf Damm entscheidet sich spontan für den „Hütejungen“. Warum? „Weil er als Jugendlicher in den Ferien in der Lüneburger Heide selbst als Hütejunge gearbeitet hat, um sich etwas Geld zu verdienen“, weiß Ingeborg Bloege. Sie ist die Tochter des ehemaligen Bankdirektors und denkt heute beim Spazierengehen gern an das Stück Familien- und zugleich Stadtgeschichte zurück.

„Der Hütejunge“: Die Bronze von Kurt Schwerdtfeger ist 92 Zentimeter hoch und wird 1962 im Bürgergarten aufgestellt. Wenige Jahre später, 1966, stirbt der Künstler. Fotos: are




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