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Mehr als 100 Bauern und Vertreter von Pflanzenzucht und Pflanzenschutz besichtigen Freilandversuche

Der Landwirt benötigt heute viele Talente

Scheie (bus). Mehrere Freilandversuche mit den Pflanzen Raps, Weizen und Gerste haben vor Kurzem zahlreiche Interessenten auf den Hof und die Ländereien des Scheier Landwirts Friedrich Meyer geführt. Mehr als 100 Landwirte, viele namhafte Pflanzenzüchter und etliche Vertreter der Pflanzenschutzindustrie waren der von Raiffeisen-Landbund und Landberatung Schaumburg gemeinsam ausgesprochenen Einladung gefolgt. Die Versuchsbesichtigung habe zahlreiche positive Erkenntnisse zutage gefördert, er sei mit dem Verlauf der Zusammenkunft „hochzufrieden“, meinte Christoph Bebermeier, der Geschäftsführer der als gemeinnütziger Verein organisierten „Arbeitsgemeinschaft Landberatung“.

veröffentlicht am 06.07.2010 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 11:21 Uhr

Der Verein organisiert vergleichbare Veranstaltungen zweimal pro Jahr. Sie sind für Landwirte im weiten Umkreis von großem Interesse. Ähnliche Versuchfelder finden sich nur bei Nienburg und in der Nähe von Hildesheim. Auch im benachbarten Nordrhein-Westfalen gibt es entsprechende Freilandversuche bislang nicht. Was zahlreiche NRW-Gäste nach Scheie führte. Auf den drei hier von Meyer betreuten Feldern galt das Hauptaugenmerk Winterraps und Winterweizen. „Wir präsentieren sowohl die aktuellen Sorten als auch die Testergebnisse neuer sowie bewährter Pflanzenschutzmittel“, erläuterte Bebermeier.

Im Bereich der Fungizide (Pflanzenschutzmittel), Pestizide (Schädlingsbekämpfungsmittel), Insektizide (Insektenbekämpfungsmittel) und Herbizide (Mittel zur Abtötung von Pflanzen) kam der Novität „Carax“ eine besondere Rolle zu. Das unter anderem der Verbesserung der sogenannten Winterhärte dienende Fungizid wurde speziell und ausschließlich für Winterraps entwickelt und im vergangenen Jahr auf den Markt gebracht. Es stellt nach Herstellerangaben einen neuen Maßstab bei der Einkürzung und der Krankheitsbekämpfung in dieser Kultur dar. Das Produkt bewirke nicht nur eine schnelle und sichere Einkürzung sonder gleichzeitig auch eine sichere Krankheitsbekämpfung.

Die Wirkstoffkombination (Metconazol und Mepiquatchlorid) verfügt den Entwicklern zufolge über eine sehr effiziente, direkte Fungizidwirkung und veranlasst des Weiteren eine Verstärkung der Blattoberfläche (indirekte Fungizidwirkung), die zu einer geringeren Krankheitsempfindlichkeit führt. Die Erstanwendung auf den meyerschen Ländereien förderte durchaus zufriedenstellende Resultate zutage. Bei den Ergebnissen sei allerdings zu berücksichtigen, dass im laufenden Jahr wegen der verhältnismäßig großen Trockenheit auf den Feldern relativ wenig Krankheiten zu verzeichnen seien, merkte der Landberatungsgeschäftsführer an. Die Landberatung, ein freiwilliger Zusammenschluss im Gebiet der ehemaligen Landwirtschaftskammer Hannover, versteht sich als Partner der modernen Landwirtschaft Niedersachsens. Zu den Mitgliedern zählen 70 Beratungsringe mit mehr als 16 000 Betrieben aus Landwirtschaft und Obstbau sowie zwei Maschinenringe mit circa 1000 landwirtschaftlichen Betrieben. Für die unter dem Slogan „betriebsnah, unabhängig, vorausschauend“ angebotene Beratung stehen 135 Ansprechpartner zur Verfügung. „Die Landwirtschaft befindet sich in stetigem Wandel. Moderne Arbeits- und Betriebsführungsmethoden, zunehmende Betriebsgrößen, technische Neuerungen und verändertes Verbraucherverhalten sind nur einige der Herausforderungen, denen die Landwirte begegnen müssen“, gaben Bebermeier und Vereinsvorsitzender Otto Tegtmeier zu verstehen.

Der gewöhnliche Landmann ist folglich auch nicht mehr das, was er einmal war. Wer heute noch nach dem Motto „Im Märzen der Bauer die Rößlein einspannt“ zuwerke geht, wird dem traditionsreichen Berufsstand keine große Ehre einlegen. Auch mit aus den Gründungszeiten der „Grünen“ stammenden, flott formulierten Losungen wie „Der deutsche Bauer – im Felde unbesiegt“, ist dem Agrarier derzeit wenig geholfen. „Landwirt ist ein vielschichtiger Beruf. Und er wird immer anspruchsvoller“, wissen die Experten von der Landberatung. Körperlicher Einsatz und betriebswirtschaftliches Grundwissen reichten angesichts wachsender Betriebsgrößen und internationalem Wettbewerb nicht mehr aus. Gefragt seien Management-Know-how und Organisationsqualitäten.

Dazu gehörten beispielsweise Kostenübersicht und -planung, Mitarbeiterführung, Einhaltung von gesetzlichen Auflagen und Einsatz neuer Techniken. Niedersachsen habe als Deutschlands Agrarland Nr. 1 den Schritt in die landwirtschaftliche Zukunft schon längst unternommen. Dennoch gebe es Entwicklungspotenzial. Durch die kontinuierliche Technisierung und Modernisierung habe sich im Laufe der letzten Jahrhunderte nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch die Landschaft umfassend verändert. Diese Entwicklung setzte sich gegenwärtig fort. Wachsende Ansprüche der Verbraucher an Qualität und Quantität der Lebensmittel sowie nachhaltiger Anbau, mit dem die Landwirte einen langfristigen wirtschaftlichen Vorsprung erzielen möchten, bescherten Niedersachsen eine Erneuerung der Landwirtschaft. Bebermeier und Tegtmeier: „Mehr denn je treten der Pflanzenbau und die Pflanzenproduktion in den Mittelpunkt des Interesses.“




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