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Toyota-Autohaus Starnitzke in Bückeburg rechnet mit bis zu 500 betroffenen Kunden

Der „Megahammer“ mit den Gaspedalen

Bückeburg (wk). Seit bekannt geworden ist, dass der japanische Autohersteller Toyota in den USA und Europa ausgelieferte Fahrzeuge wegen fehlerhafter Gaspedale in die Werkstätten zurückruft, ist dieses Thema auch beim Bückeburger Vertragshändler Autohaus Starnitzke präsent: Jeden Tag führe man Gespräche mit besorgten Kunden, die sich danach erkundigen, wie gefährlich der festgestellte Mangel ist, berichtet der Geschäftsführer Frank Starnitzke. Durch entsprechende Aufklärung ließen sich deren Bedenken jedoch stets ausräumen. Denn so dramatisch wie es scheint, sei die Situation nicht, auch wenn es in den USA bereits einige Unfälle im Zusammenhang mit festklemmenden Gaspedalen gegeben habe.

veröffentlicht am 04.02.2010 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 07.11.2016 um 03:41 Uhr

In seltenen Fällen könne es passieren, dass eines der betroffenen Gaspedale nach Zurücknehmen des Fußes langsamer als gewohnt wieder in die Ausgangsstellung zurückkehrt, erklärt Starnitzke. Ursächlich hierfür sei die Bildung von Kondenswasser, das die Reibung innerhalb des Bauteils erhöht. Dass das Pedal in der getretenen Position verbleibt, komme dagegen nur sehr selten vor, wobei solche Störfälle in Europa bislang überhaupt noch nicht bekannt geworden seien. „Man muss also schon über längere Zeit alle Warnzeichen ignorieren, bevor es zum Klemmen des Gaspedals kommt“, betont er.

Bei welchen Fahrzeugen die Gaspedale umgerüstet werden müssen, wird laut Starnitzke derzeit von Toyota geprüft. Sobald das Ergebnis feststeht, werden die jeweiligen Halter vom Kraftfahrtbundesamt anhand der Fahrgestellnummern ihrer Autos ermittelt und angeschrieben. Bei den infrage kommenden Fahrzeugen der Modellreihen Aygo, IQ, Yaris, Auris, Corolla, Verso, Avensis und RAV4 soll dann ein kleines Distanzstück dafür sorgen, dass die Reibung innerhalb des Pedalbauteils vermindert und die Druckkraft der dortigen Rückholfeder erhöht wird. Die Ersatzteile selbst stehen voraussichtlich ab der sechsten Kalenderwoche zur Verfügung.

„Es ist wahrscheinlich die größte Rückrufaktion der Welt“, resümiert Starnitzke mit Blick auf die – nach seinen Angaben – rund 1,8 Millionen Fahrzeuge, die Toyota allein in Europa in die Werkstätten zurückruft, 215 796 in Deutschland. Bei von ihm angenommenen bis zu 500 Kunden seines Betriebes, die hiervon betroffen sein könnten, kommt auf das Bückeburger Autohaus eine Menge Arbeit zu. Zirka 250 Arbeitsstunden seien insgesamt nötig, um so viele Gaspedale umzurüsten, rechnet der Unternehmer. Zwei Mechaniker müssten sich also fast einen Monat lang nur mit den fehlerhaften Pedalen befassen, wollte man dieses Volumen am Stück abarbeiten. Da der normale Werkstattbetrieb aber weiterläuft, werde man durch verlängerte Arbeitszeiten darauf hinzielen, dass die Umrüstaktion voraussichtlich im März abgeschlossen ist.

Inwieweit sich die Rückrufaktion auch auf die Neuwagenverkäufe auswirken könnte, vermag Starnitzke momentan noch nicht zu beurteilen. Aufgrund von Wirtschaftskrise, Abwrackprämie und Winterwetter sei der Januar 2010 ohnehin ein eher schwacher Monat gewesen, berichtet er. In den bisherigen Verkaufsgesprächen sei die Panne mit den Gaspedalen zwar nicht thematisiert worden, von einem gewissen „Imageverlust“ für die Marke Toyota müsse man indes schon ausgehen.

„Es ist aber die Frage, was man daraus macht“, sagt Starnitzke, der sich sicher ist, dass der Autohersteller alle Prozesse der Fahrzeugproduktion derzeit intensiv überprüft, damit so ein „Megahammer“ wie mit den Gaspedalen „nie wieder“ passiert. Insofern sehe er selbst die Rückrufaktion sogar als Chance, das vorhandene Vertrauen der Kunden noch weiter auszubauen. Zumal sich bislang noch nicht einer seiner Kunden dahin gehend geäußert habe, dass dessen Vertrauen in die Automarke jetzt erschüttert sei.

Wer nicht so lange warten will, bis Toyota die betroffenen Fahrzeuge ermittelt hat, dem empfiehlt Starnitzke einen einfachen Selbsttest, um die Funktionsfähigkeit des Gaspedals zu überprüfen. Dazu muss man das Gaspedal bei stehendem Fahrzeug und abgeschaltetem Motor von Hand langsam in die Vollgasstellung drücken und dann langsam wieder loslassen. Sollte sich das Pedal unregelmäßig oder schwergängig bewegen, sollte unverzüglich eine Werkstatt aufgesucht werden.

„Wir hatten nach den Medienberichten mehrere Anrufe von besorgten Toyota-Fahrern“, sagte Heinz Stelzer, Inhaber des Toyota-Autohauses in Stadthagen. „Aber in ganz Europa ist noch kein Fall bekannt, wo etwas an den Gaspedalen der betreffenden Fahrzeuge passiert ist. Alle Autos, die dafür in Frage kommen, werden aber von uns versorgt, denn wir wollen für die Kunden auf Nummer sicher gehen.“

Der Vertragshändler Frank Starnitzke sieht in der Rückrufaktion, hier ein ähnliches Bauteil des Gaspedals, auch die Chance, das Vertrauen der Kunden in die Automarke Toyota weiter auszubauen.

Fotos: wk




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