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Immobilienbesitzer in Hamelns Altstadt müssen angesichts leer stehender Läden mit Einbußen rechnen

Der Mietspiegel sinkt

Hameln. Das Wort „Leerstandsmanagement“ hört Dennis Andres überhaupt nicht gern. Hamelns Stadtmanager, in dessen Zuständigkeitsbereich auch das Herstellen von Kontakten für freies Verkaufsterrain in der Innenstadt gehört, spricht lieber von Flächenmanagement. „Das klingt besser“, begründet er und betont: „Ein Makler aber bin ich nicht.“

veröffentlicht am 02.08.2013 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 15:21 Uhr

Hans-Joachim-Weiß-Redakteur-Lokales-Hameln-Dewezet

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Einschließlich der Stadtgalerie hat die Rattenfängerstadt in ihrem Zentrum rund 52 000 Quadratmeter Verkaufsfläche anzubieten – verteilt auf 300 Geschäfte. Für Andres ist der Leerstand in Hameln noch überschaubar. „Andere Städte sind viel härter betroffen“, meint er. Doch eine Nachnutzung verwaister Flächen gestaltet sich in vielen Fällen alles andere als einfach. „Es liegt nicht allein an der fehlenden Nachfrage, sondern auch an Punkten, die nicht zu erfüllen sind, denn oft entspricht der gebotene Standard nicht den Anforderungen der Interessenten“, weiß der Stadtmanager aus Erfahrung.

Als Beispiele nennt er den jeweiligen Zuschnitt des Ladenlokals, die Situation der Schaufenster oder auch die Ausstattung. „Die Anforderungen sind gerade bei Filialisten extrem gestiegen“, schiebt Andres hinterher. Hinzu käme, dass Vermieter den erforderlichen Investitionsbedarf oft nicht wahrhaben wollten, andererseits aber auch die Bausubstanz in vielen Gebäuden der Altstadt keine Änderungen zuließe.

„Das sind alles Punkte, die sich letztlich auch auf die Mieten niederschlagen, was aber von den Eigentümern nicht immer erkannt wird. Insbesondere in der Bäckerstraße werden teilweise noch Mieten wie vor zehn Jahren verlangt. Die sind aber heute fernab jeder Realität“, sagt Andres. Erschwerend hinzu komme, dass viele Gebäude nicht mehr im Besitz von Hamelnern sind, sondern auswärtigen Investoren gehören. „Und denen ist es oft egal, was passiert. Wenn sie die Mieten nicht erzielen können, lassen sie die Läden eben leer stehen. Manchmal wissen wir auch gar nicht, wer unser Ansprechpartner ist“, berichtet der Stadtmanager von seinem Aufgabenbereich. In der Hamelner 1A-Lage, die von der Stadtgalerie aus die Anfänge der Oster- und Bäckerstraße umfasse, ließen sich derzeit noch durchschnittlich 30 Euro pro Quadratmeter an Mieten erzielen. „Doch dann beginnt schon die B-Lage und die Preise bröckeln“, erklärt der Stadtmanager.

„Die Verhandlungen werden immer härter“, bestätigt auch Christoph Ziercke. Der Geschäftsführer der Wertmanagement GmbH, der sich als Makler hauptberuflich um die Vermarktung frei stehender Läden in der Hamelner Innenstadt kümmert, geht sogar noch einen Schritt weiter: „Viele Immobilienbesitzer müssen mal von ihrer Wahnvorstellung herunterkommen, in der heutigen Zeit selbst in 1A-Lagen Mieten von mehr als 20 Euro zu bekommen.“ Im unteren Bereich der Bäcker- und Osterstraße seien für Vermieter kaum mehr als zehn Euro durchsetzbar.

Dass immer mehr „Billig-Läden“ in der Innenstadt eröffneten, sei unter anderem auch den gebotenen Standards geschuldet“, sagt Andres. „Sie legen weniger Wert auf die Ausstattung als Fachgeschäfte“, begründet der Stadtmanager, der aber auch betont: „Wir haben keinen Einfluss auf die Vermieter, ein bestimmtes Geschäft aufzunehmen. Da müssen wir auf Einsicht hoffen.“

Aber auch dem veränderten Käuferverhalten, ausgelöst durch Internet und demografischen Wandel, werde bei der Geschäftsgestaltung im Zentrum Rechnung getragen. Durch die Sanierung der Fußgängerzone aber sei die Stadt in Vorleistung getreten, was sich positiv auf das Flächenmanagement auswirke. Das will Dennis Andres im kommenden Jahr noch weiter intensivieren und die Zusammenarbeit mit Hamelner Maklern forcieren. „Es macht keinen Sinn, sich ausschließlich auf die Innenstadt zu konzentrieren. Die Nebenlagen sind für ein Stadtbild genau so wichtig wie der Kern“, sagt Ziercke und nennt die Deisterstraße als Beispiel. Dort sei dringender Handlungsbedarf gegeben.




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