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Bundeswehr will weniger Hubschrauber beschaffen – Folgen für Heeresfliegerwaffenschule ungewiss

Der NH90 wird gedrittelt, der „Tiger“ halbiert

Bückeburg (rc). Nach einem internen Bericht des Bundesverteidigungsministeriums will die Bundeswehr die Anzahl der neu zu beschaffenden Exemplare des neuen Transporthubschraubers NH90 und des Kampfhubschraubers „Tiger“ deutlich reduzieren. Statt 122 Exemplare der NH90 sollen nur noch 80 angeschafft werden, statt 80 Tiger nur noch 40. Das berichteten das „Handelsblatt“ sowie die „Bild-Zeitung übereinstimmend in ihren gestrigen Ausgaben und zitierten dabei aus internen Unterlagen des Ministeriums.

veröffentlicht am 08.07.2010 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 10:41 Uhr

Auf Anfrage unserer Zeitung teilte ein Ministeriumssprecher mit, dass es sich bei dem „offiziellen Papier – Priorisierung Materialinvestitionen“ um ein internes Arbeitspapier des Bundesverteidigungsministeriums handle, zu dem keine Stellungnahme abgegeben werde. Auch der Sprecher der Heeresfliegerwaffenschule, Oberstleutnant Michael Baumgärtner, verwies darauf, dass die Waffenschule die entsprechenden Berichte zur Kenntnis genommen habe. „Wir kennen das Papier nicht, wir äußern uns dazu nicht, wir warten die Entscheidungen ab.“ Erst wenn es Entscheidungen in Berlin gebe, könne man die Auswirkungen vor Ort kommentieren: „Jede Spekulation ist zu früh.“

Nach Einschätzungen aus Kreisen der Heeresflieger dürften die Auswirkungen auf Bückeburg und die Schule – sollte es tatsächlich so kommen – eher gering sein. Der Kampfhubschrauber „Tiger soll nach den bisherigen Planungen ohnehin in den Regimentern in Roth und Fritzlar stationiert werden, die Schulung erfolgt im deutsch-französischen Schulungszentrum in Le Luc in Frankreich. Lediglich für die Eingangserprobung sollten „Tiger“-Exemplare nach Bückeburg kommen.

Vom NH90 sollen zwölf Exemplare zu Schulungszwecken in Bückeburg stationiert werden. Der Großteil der Exemplare, die für das Heer vorgesehen sind, gehen in die Regimenter in Faßberg und Niederstetten.

Nach dem Bericht des „Handelsblatt“ wird in der 23-seitigen Unterlage „Priorisierung Materialinvestitionen – Handlungsempfehlungen Minister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) unter anderem empfohlen, statt 122 nur noch 80 NH90 zu beschaffen, vom Tiger statt 80 nur noch 40. Auch weitere Rüstungsprojekte sollen gekürzt werden. So wird eine Reduzierung der neu zu beschaffenden Exemplare des neuen Transportflugzeuges A400M empfohlen, ohne das eine konkrete Zahl genannt wird. Die Reduzierung des Kampfjets „Tornado“ soll ebenfalls deutlich schneller über die Bühne gehen: Statt 185 Tornados soll die Bundeswehr nur noch 85 vorhalten. Insgesamt will das Ministerium langfristig neun Milliarden Euro einsparen.

Beobachter erwarten heftige Auseinandersetzungen zwischen dem Verteidigungsministerium und der Rüstungsindustrie. Insbesondere der Flugzeug- und Rüstungskonzern EADS wäre von dem Streichkonzert betroffen – wenn es denn so umgesetzt wird.




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