weather-image
Porträt

Der Plan ist aufgegangen - «AKK» folgt Merkel nach

Berlin (dpa) - Der Plan ist aufgegangen. Annegret Kramp-Karrenbauer ist neue CDU-Vorsitzende - so wie sie und ihre Vorgängerin Bundeskanzlerin Angela Merkel es letztlich wohl geplant hatten.

veröffentlicht am 07.12.2018 um 20:15 Uhr
aktualisiert am 11.12.2018 um 19:10 Uhr

Die neu gewählte CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer winkt auf dem CDU-Bundesparteitag den Delegierten zu. Foto: Christian Charisius

Autor:

Birgit Reichert, Jörg Blank und Ruppert Mayr, dpa

Der Weg dahin war allerdings ein völlig neuer für die CDU. «AKK», wie sie auch genannt wird, musste sich gegen zwei ernstzunehmende Herausforderer durchsetzen, Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz und Gesundheitsminister Jens Spahn.

Direkte Unterstützung ihrer Förderin konnte sie nicht mehr erwarten, das hätte der Saarländerin schaden können, da Merkel selbst in der Partei massiv in die Kritik geraten war. Der Plan begann, als Merkel «AKK» im Februar 2018 bewegen konnte, den angenehmen Posten der saarländischen Ministerpräsidentin aufzugeben und in den deutlich unsichereren Parteijob als Generalsekretärin zu wechseln, um die Partei zu reformieren.

Es war ein Coup, der Merkel Luft verschaffte. Das befriedete die unruhige Partei etwas, «AKK» treibt seither entschlossen den Prozess der Modernisierung und stärkeren Einbindung der Mitglieder voran. Sich vorzudrängeln ist nicht ihre Sache - aber dieser turbulente 29. Oktober 2018, als Merkel ihren Rücktritt auf Raten ankündigte, erforderte eine rasche, klare Entscheidung.

Selbst die Generalsekretärin war davon überrascht worden. Noch am Vorabend nach der Hessen-Wahl hatte «AKK» vieldeutig gesagt: «Die Bundesvorsitzende hat ganz klar erklärt, dass sie auf dem Parteitag noch mal antreten wird. Und ich habe bis zur Stunde keine anderen Signale.»

Ihre politische Karriere begann sie im Stadtrat ihres Heimatortes Püttlingen. Und immer, wenn sie gerufen wurde, machte sie ihre Sache so gut, dass irgendwann unvermeidlich der nächste Ruf kam. «Es gibt keine Aufgabe, die man Annegret nicht anvertrauen kann», hat schon der frühere Saar-Regierungschef Peter Müller (CDU) gesagt, als er Kramp-Karrenbauer 2000 als Innenministerin in sein Kabinett berief.

Seitdem hat sie sich als Allzweckwaffe der CDU einen Namen gemacht: Nach verschiedenen Ministerjobs wurde sie 2011 erste Ministerpräsidentin des kleinsten Flächenstaates. Im März 2017 gewann sie auf dem Zenit der Beliebtheit von SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz die Landtagswahl im Saarland haushoch für die CDU.

Seit Jahren arbeiten Merkel und Kramp-Karrenbauer, die wegen ihres nüchtern-analytischen Politikstils miteinander verglichen werden, eng zusammen. «Unaufgeregt» und «uneitel» gehören zu den Attributen Kramp-Karrenbauers. «Viele glücklichen Zufälle haben mir dabei geholfen», sagt die Mutter von drei erwachsenen Kindern. Eigentlich wollte sie vor dem Abi Hebamme werden, danach dachte sie an einen Beruf als Lehrerin. Mit 18 trat sie in die CDU ein - und entdeckte ihre Leidenschaft für Politik. Später studierte sie Jura und Politik.

Inhaltlich steht sie für den Merkel-Kurs. Sie versuchte sich aber bereits bei den acht Regionalkonferenzen im Kampf um den Parteivorsitz von Merkel abzugrenzen. Sie plädiert für einen härteren Umgang mit Asylbewerbern, die Behörden über ihre Identität täuschen - und fordert konsequentes staatliches Handeln bei Abschiebungen. Sie tritt ein für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, ist für Priesterinnen in der katholischen Kirche und gegen Werbung für Abtreibung. Eines ihrer Steckenpferde ist die Digitalisierung.

Sie kann aber auch lustig: An Karneval machte sie jahrelang als «Putzfrau Gretel vom Landtag» Furore und zog Politiker aller Couleur durch den Kakao, sich selbst eingeschlossen.




Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare