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„Canaillen Bagage“ brilliert auf Schloss Baum / Wegen Starkregens nur 60 Zuschauer

Der schwere Weg des Elephantenmanns

Rusbend (mig). Einen eindrucksvollen Theaterabend haben rund 60 Zuschauer auf der Naturbühne in Schloss Baum erlebt. Vor malerischen Ruinen und halb zerstörten alten Skulpturen führte die „Canaillen Bagage“ das Stück „John Merrick, genannt der Elephantenmann“ auf.

veröffentlicht am 24.05.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 08.11.2016 um 19:21 Uhr

Das an diesem Abend vergleichsweise wenig Besucher zu einer der sehr beliebten Freiluftvorstellungen gekommen waren, lag am Wetter.

Die Mücken tun ein Übriges …

Immer wieder öffnete der Himmel seine Schleusen, die Mücken vom nahegelegenen Teich taten ein Übriges, um es dem Publikum so unangenehm wie möglich zu machen. Vollauf entschädigt wurden die Zuschauer dafür aber von einer rundum gelungenen Aufführung.

Zu Gast war mit der Bielefelder freien Theatergruppe „Canaillen Bagage“ ein hochprofessionell und eingespieltes Team, dem man anmerkte, dass es schon seit 1997 mit einer Reihe von Theaterproduktionen sowie mit Walk Acts auftritt. Die Mitglieder sind Absolventen der theaterpädagogischen Fortbildung der LAG Spiel und Theater NRW e.V., die sich auch mit Theaterprojekten für Kinder einen Namen gemacht haben. Zu Recht, wie sich schnell zeigte. Sensibel zeichneten die Darsteller den Weg von „John Merrick, genannt der Elephantenmann“, nach.

Das Stück spielt im London des Jahres 1884, der junge Dr. Dreves wird auf eine Jahrmarktsbude aufmerksam, in der der „Elephantenmann“ gemeinsam mit Siamesischen Zwillingen und einer Dame mit Schnurrbart gezeigt wird. Dreves will mehr über diesen Mann mit seinen schweren Deformationen herausfinden und holt ihn in sein Hospital. Schnell stellt sich heraus – ganz uneigennützig handelt aber auch er nicht.

Das Stück hält nicht nur Merricks Zeitgenossen den Spiegel vor. Die Lust am Voyeurismus, die Vorführung von Abweichungen gibt es auch heute noch. Carey Merrick lebte übrigens tatsächlich. Wie im Stück auch, hatte er unter einem üblen Manager zu leiden – der ihn als seinen Besitz ansah. „Du bist mein Schatz“, sagt dieser an einer Stelle. „Der ist doch geistesschwach“, sagen andere. Und sogar im Hospital selbst, wird Merrick noch „verkauft“– der Hausmeister bietet gegen Geld einen Besuch an.

Zum Schluss aber hat Merrick – zumindest symbolisch – die Maske abgelegt und fasst wieder Vertrauen zu seiner Umwelt. „Ich will es probieren“, sagt sein Darsteller, dessen mimische und gestische Leistung nicht hoch genug zu bewerten ist.




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