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Vor Gericht: 500 Euro Geldstrafe / Passanten um Kleingeld angebettelt und beleidigt

Der Unhold vom Parkplatz

BÜCKEBURG. Auf übelste Weise hat ein 61 Jahre alter Bückeburger mehrere Passanten beleidigt, die ihm kein Kleingeld geben wollten. In zwei weiteren Fällen drückte er sich noch drastischer aus. Wegen Beleidigung in drei Fällen hat eine Berufungskammer des Landgerichts gegen den 61-Jährigen jetzt eine Geldstrafe von 500 Euro verhängt. Dies entspricht 50 Tagessätzen.

veröffentlicht am 27.07.2018 um 13:40 Uhr

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BÜCKEBURG. Auf übelste Weise hat ein 61 Jahre alter Bückeburger mehrere Passanten beleidigt, die ihm kein Kleingeld geben wollten. Zuvor hatte er die Leute auf einem Parkplatz in der Bückeburger Innenstadt angebettelt. Zu einer 58-Jährigen sagte er: „Du bist wohl schlecht gevögelt worden.“

In zwei anderen Fällen drückte sich der aufdringliche Mann noch drastischer aus. Stets zielten die Beschimpfungen direkt unter die Gürtellinie. Wegen Beleidigung in drei Fällen hat eine Berufungskammer des Landgerichts Bückeburg gegen den 61-Jährigen jetzt eine Geldstrafe von 500 Euro verhängt. Dies entspricht 50 Tagessätzen.

„Ich spreche gar nicht so und muss das als unwahre Vorwürfe zurückweisen“, verteidigt sich der Angeklagte und betont: „Mein Name ist in Verruf geraten. Wir haben einen erstklassigen Stand und auch Status.“ Vor dem Landgericht drückt sich der 61-Jährige äußerst gewählt aus und spricht mit sanfter Stimme. Man könnte sagen, dass er einen kultivierten Eindruck macht.

Der Bückeburger muss demnach ein Mann mit zwei Gesichtern sein, denn die Zeugen haben ihn völlig anders kennengelernt. „Was mich mordsmäßig ärgert: Er quakt ständig Frauen mit Kindern oder ältere Damen an, die nicht schnell genug die Kurve kratzen können“, erzählt ein 71-Jähriger aus Obernkirchen.

Dessen Frau, ebenfalls ein Opfer des Mannes, erinnert sich: „Das fing schon Wochen vorher an. Er hat einem immer wieder aufgelauert, wenn man zum Parkscheinautomaten wollte.“ Eine andere Frau (71) kann bis heute kaum aussprechen, was der Unhold vom Parkplatz vor etwa einem Jahr zu ihr gesagt hat. „Mir fällt es schwer, diese Ausdrücke zu gebrauchen“, sagt sie. „Das gehört nicht zu meinem Sprachgebrauch.“

Nach den Beschimpfungen ging sie in ein nahes Geschäft und berichtete dem Verkaufsleiter darüber. Der soll gesagt haben: „Das kommt öfter vor.“ Auch die Frau kannte den Täter bereits vom Sehen.

Offenbar fühlt sich der Angeklagte, der nicht vorbestraft ist und nach eigenen Angaben von Sozialleistungen lebt, im Prozess ungerecht behandelt, denn er „möchte beim Justizministerium und der Landesregierung vorstellig werden“, wie er nach dem Plädoyer von Staatsanwalt Lukas Veith in einem kurzen Schlussvortrag erklärte. Im Gegensatz zu Veith plädierte der 61-Jährige auf Freispruch. In den drei Zeugenaussagen hat er „Verzerrtheiten bezüglich der Wahrheit“ ausgemacht, ohne dies näher zu erklären. „Vieles stimmte auch absolut nicht.“ Was genau? Auch dies ließ der Angeklagte offen.

Das Bückeburger Landgericht geht davon aus, dass die Zeugen angepöbelt und beleidigt worden sind, während der Bückeburger dies bestreitet. „Sie wollen es nicht wahrhaben“, redete Richterin Eike Höcker den Bückeburger während der Urteilsbegründung wegen seines Verhaltens ins Gewissen. „Die Kammer hat überhaupt keinen Zweifel, dass es so gewesen ist.“ Gegen das Urteil, mit dem eine vorausgegangene Entscheidung des Amtsgerichts bestätigt wird, war zuletzt noch Revision möglich.ly




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