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Seniorenbeirat will Trägerverein für Anrufbus gründen

Des Wartens irgendwann müde

BÜCKEBURG. Der Seniorenbeirat unternimmt einen neuen Anlauf zur Einführung eines Anrufbusses in Bückeburg. Während einer in der Begegnungsstätte tagenden Informationsveranstaltung signalisierten 14 der rund zwei Dutzend Teilnehmer ihre Bereitschaft zur Gründung eines entsprechenden Trägervereins

veröffentlicht am 18.05.2018 um 13:46 Uhr
aktualisiert am 18.05.2018 um 15:00 Uhr

Klaus Rechtien (stehend, von links) und Bernd Tünnermann informieren über das Projekt „Anrufbus“. Foto: bus
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Autor

Herbert Busch Reporter
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Die konstituierende Sitzung könnte der Auffassung von Klaus Rechtien gemäß in etwa vier Wochen über die Bühne gehen.

„Ich bin des Wartens irgendwann müde“, hatte der Beiratsvertreter zuvor zu Protokoll gegeben. Angesichts der stetig zurückgehenden Versorgungsinfrastruktur in den Außenbezirken der Stadt sei die Vorhaltung eines solchen Angebots überfällig. Gerade für zahlreiche Rentner und Pensionäre seien Linienbusse oft zu beschwerlich, Taxis häufig unbezahlbar. Für die Teilnahme am öffentlichen Leben stelle der Anrufbus die beste Möglichkeit dar, meinte Rechtien.

Als Vorbild für die Ex-Residenz könnte die in der Samtgemeinde Nienstädt vorgehaltene Offerte dienen. Der Vorsitzende des dort aktiven Vereins, Bernd Tünnermann, stellte die Leistungspalette folgendermaßen vor:
Der von montags bis freitags in der Zeit von 7.30 bis 18 Uhr verkehrende Anrufbus fährt innerhalb der Samtgemeinde Nienstädt, nach Stadthagen, Obernkirchen, Bückeburg, Bad Eilsen und zum Klinikum Vehlen
jeder Einwohner der Samtgemeinde, auch Kinder und Jugendliche, können den Bus nutzen
Abholung von zu Hause und, falls gewünscht, mit Rückfahrt
Buchung der Fahrt möglichst am Tag vorher, aber auch spontane Fahrtwünsche werden, wenn möglich, erfüllt
Gruppenfahrten bis zu 16 Personen mit günstigem Tarif bei Ein- und Ausstieg an einem Ort
Sonderfahrten nach Absprache.

In Nienstädt sind derzeit zwei Fahrzeuge im Einsatz. Foto: bus
  • In Nienstädt sind derzeit zwei Fahrzeuge im Einsatz. Foto: bus

Dem im Sommer 2014 gegründeten Verein gehören derzeit rund 170 Mitglieder an. Rund zwei Dutzend sind als Fahrer der gegenwärtig zwei eingesetzten Fahrzeuge aktiv. Die Finanzierung des Projekts erfolgt größtenteils über den Landkreis und die Samtgemeinde sowie über 22 Werbepartner und die Fahrgelder. Eine einfache Fahrt innerhalb der Samtgemeinde kostet für Erwachsene 4, für Kinder und Jugendliche 2,50 Euro. Fahrten nach außerhalb sind einen Euro teurer. Für Rollstuhlfahrten gelten besondere Tarife. Zehnerkarten reduzieren die Fahrpreise um rund zehn Prozent.

Tünnermann berichtete über ein ständig gewachsenes Fahrgastaufkommen. „Bereits nach 31 Monaten konnten wir unseren 10 000sten Mitfahrer begrüßen“, verdeutlichte der Vereinsvorsitzende. Im ersten Quartal des aktuellen Jahres nahmen 2282 Personen das Angebot wahr. „Wir geben unser Wissen gern weiter“, ermunterte der Gast die Versammlungsteilnehmer zur Vereinsgründung. Die Thematik „Anrufbus“ wird in Bückeburg etwa seit der Jahrhundertwende in unterschiedlicher Form und in unterschiedlichen Foren diskutiert. 2004 griff die „Lokale Agenda“ das Thema auf; zur gleichen Zeit wurde im Ratsausschuss für Jugend, Familie und Soziales der seinerzeit als Pilotprojekt gehandelte „Anrufbus Niedernwöhren“ vorgestellt. 2012 tauchte der Bus in einer in Rusbend organisierten Bürgerbefragung auf.

Rusbends jetziger Ortsbürgermeister Klaus Harmening, der wie Rechtien in Nienstädt als Fahrer engagiert ist, betont, dass vor einem erfolgreichen Start etliche Detailfragen zu klären seien. So müssten sämtliche Ortschaften mit ins Boot geholt werden. Das frühere Beiratsmitglied Marlies Spiehl rief in Erinnerung, dass das Rusbender Vorhaben damals seitens der Stadt als „nicht finanzierbar“ abschlägig beschieden worden sei.

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