weather-image
Bewegender Gottesdienst in der Stadtkirche erinnert an den gewaltfreien Volksaufstand in der DDR vor 20 Jahren

Die Angst vor dem DDR-Regime war allgegenwärtig

Bückeburg (wk). Um der friedlichen Revolution in der DDR vor 20 Jahren zu gedenken, hat die Schaumburg-Lippische Landeskirche einen Gottesdienst in der Bückeburger Stadtkirche abgehalten. Zwar nahmen am Freitag nur ein paar Dutzend Menschen an der Feier teil, diese hörten jedoch einen beeindruckenden Zeitzeugenbericht des Pfarrers Dr. Arndt Haubold: Dieser hatte 1989 als einer von drei Geistlichen die Friedensgebete in der Leipziger Nicolai-Kirche mitgestaltet, die mit den Montagsdemonstrationen in einem gewaltfreien Volksaufstand gipfelten.

veröffentlicht am 11.10.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 07.11.2016 um 20:21 Uhr

270_008_4183544_bHauboldKi.jpg

„Es war wirklich eine Revolution, denn die Ereignisse haben die Landkarte Europas verändert“, resümierte Haubold, der heute in Markkleeberg lebt. Ursächlich für das Aufbegehren der Menschen machte er die desolaten Zustände in der DDR: etwa die tiefe Depression („die Wirtschaft war am Ende“) und die Perspektivlosigkeit in einem „tristen Land“ mit löcherigen Straßen und leeren Geschäften, die Bevormundung durch den Staat sowie die „Zensur und Lüge in den Medien“. Die Sehnsucht der Bürger, aus der DDR auszuwandern, hatte daher „beängstigende Ausmaße“ angenommen. In diesem Umfeld sei das christliche Gemeindewesen „eine Oase der Freiheit“ gewesen, so der promovierte Theologe.

Bombendrohung

Obwohl die Religion vom SED-Regime lange unterdrückt worden sei, habe sich bei den Friedensgebeten eine geradezu „religiös gesättigte Atmosphäre“ eingestellt: „Es war wie die Rückkehr Gottes auf unsere kleine Weltbühne.“ Andererseits habe – auch am 9. Oktober 1989 – überall große Angst geherrscht. So erzählte Haubold unter anderem von einer Bombendrohung vor dem Gottesdienst, von einer alten Holzbank, deren plötzliches Knarren wie ein Schuss klang und alle Kirchgänger vor Schreck zusammenfahren ließ und vom massiven Druck seitens der Stasi, dem der Kirchenvorstand unbeirrt standhielt. Getreu einer Inschrift am Portal der Nicolai-Kirche: „Wir sind nicht von denen, die weichen.“

Landesbischof Jürgen Johannesdotter zeigte sich von den Friedensgebeten beeindruckt, weil die Menschen im Vertrauen auf Gott den Mut gefasst hätten, der Staatsmacht und der Gewalt zu widerstehen. Für die Zukunft gelte es nun, „die innere, auch geistige und geistliche, Einheit zu vollziehen“ – und dies „nicht nur als blühende Landschaften des wirtschaftlichen und sozialen Erfolgs“.

Siehe Interview unten.




Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare