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Von Oertzen und Pfleiderer gehen

Die Bückeburger Justiz verliert zwei (Charakter-)Köpfe

Bückeburg (ly). An der Spitze des Bückeburger Landgerichts entsteht eine mindestens sechswöchige Vakanz. So lange bleibt das Amt des scheidenden Präsidenten Friedrich von Oertzen voraussichtlich unbesetzt. Ebenfalls zum 1. August verlässt der Leitende Oberstaatsanwalt Thomas Pfleiderer die Justiz und wechselt nach Hildesheim. Auch in dem Fall gilt eine Neubesetzung vor dem Herbst als unwahrscheinlich.

veröffentlicht am 16.07.2008 um 00:00 Uhr

Von Oertzen (65) hat das Pensionsalter erreicht und nimmt Ende Juli seinen Abschied. "Bei einer Neubesetzung der Stelle gehen wir von Mitte September aus", erklärt Georg Weßling, Pressesprecher des niedersächsischen Justizministeriums in Hannover. Dazwischen liegt die Ferienzeit. In der Gerüchteküche wird eine in Bückeburg bekannte Richterin als Nachfolgerin von Oertzens besonders heiß gehandelt. Wer regelmäßig den sogenannten "Flurfunk" der Justiz abhört, vernimmt diesen Namen auffallend häufig. Dieselben Gerüchte besagen, dass außerdem ein Mann seinen Hut in den Ring geworfen haben soll. Das wären zwei Kandidaten - nur zwei. Falls dies stimmt, erscheint die Stelle nicht übermäßig attraktiv, was mit der geringen Größe des Gerichts sowie dessen Randlage zusammenhängen könnte. Auf Anfrage unserer Zeitung hält sich die von vielen favorisierte Richterin völlig bedeckt und verweist an die zuständigen Stellen. Pressesprecher Weßling gibt jedoch keine Namen preis. Nicht einmal zur Zahl der Bewerber, dem Anteil von Männern und Frauen oder der Frage, wie viele Kandidaten aus dem Hause beziehungsweise von außerhalb kommen, mag er sich äußern. Nur so viel: "Zurzeit läuft das Besetzungsverfahren, eine Auswahl wird getroffen." Entschieden werde nach Eignung, Leistung und Befähigung. Die Vorentscheidung trifft das Ministerium, das Oberlandesgericht (OLG) wird beteiligt. Ministerium und OLG sollen sich zuletzt nicht einig gewesen sein. Am Ende steht dann ein Kabinettsbeschluss. Erfahrungsgemäß werdenderartige Stellen bevorzugt mit Bewerbern von außerhalb besetzt. Mit dem Leitenden Oberstaatsanwalt Thomas Pfleiderer verliert die Bückeburger Justiz am selben Tag einen weiteren (Charakter-)Kopf. Die Hildesheimer Anklagebehörde (insgesamt 138 Bedienstete) ist mit 29 Staatsanwälten, acht Amtsanwälten und rund 40 000 Verfahren jährlich ein paar Nummern größer als Bückeburg - für Pfleiderer (58) ein beruflicher Aufstieg. "Auf mich wartet eine größere Aufgabe", bestätigt der Noch-Amtsinhaber und fügt hinzu: "In Bückeburg habe ich mit keinem Krach oder Stress. Deshalb gehe ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge." Im Fall des Leitenden Oberstaatsanwalts (kurz: Losta) ist Mitte Juni die Ausschreibung erfolgt. Das Bewerbungsverfahren läuft bis zum 20. Juli. "Zum 1. August wird die Stelle bestimmt nicht besetzt", so Pfleiderer. Dies könne sich bis zum Herbst hinziehen. Die Geschäfte führt zunächst Oberstaatsanwalt Bodo Becker, bisher der Stellvertreter. Die Bückeburger Anklagebehörde (pro Jahr etwa 10 000 Verfahren) hat 30 Beschäftigte, darunter acht Staatsanwälte und zwei Amtsanwälte. Von der Vakanz ist das Landgericht besonders hart betroffen, weil nicht nur Präsident von Oertzen geht, sondern überdies ein zweiter Vorsitzender Richter für längere Zeit ausfällt. "Jeder Vorsitzende hat Vertreter, die nun über Gebühr belastet werden", erklärt Pressesprecherin Dr. Birgit Brüninghaus. Thomas Pfleiderer und Friedrich von Oertzen, Letzterer zuvor Direktor des Amtsgerichts in Bückeburg, hatten im Sommer 2001 gleichzeitig Amtseinführung. Jetzt gehen sie zusammen. Und geben beide zum Abschied gemeinsam einen aus.




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