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Beim Frauenfrühstück vorgestellt: Neue Bibelübersetzung in "gerechter Sprache"

Die Ewige, die Himmel und Erde schuf

Rinteln (cok). Es war eine Art Werbekampagne, das Referat der Theologin Luise Metzler während des 14. Rintelner Frauenfrühstücks im Gemeindesaal der Nikolaikirche. Mit Witz und Engagement warb sie für eine neue Bibelübersetzung, die unter den Zuhörerinnen zunächst auf Skepsis, dann aber auf großes Interesse stieß, die "Bibel in gerechter Sprache."

veröffentlicht am 25.09.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:25 Uhr

"Gerechte Sprache", das ist eine Sprache, die den Menschen,über die sie spricht, gerecht wird. In der Lutherbibel nun wimmelt es von tendenziellen Übersetzungen, bei denen Frauen und Juden auffällig oft unnötig schlecht wegkommen oder aber dort erst gar nicht genannt werden, wo sie sehr wohl präsent sein müssten. "Die Neuübersetzung ist nicht die Idee gelangweilter Theologen", sagte Luise Metzler, "sie ist die Reaktion auf Forderungen in dieser Richtung, die gleich nach Kriegsende laut wurden." Soll es jetzt etwa heißen "Liebe Göttin"? Oder "Apostelinnen und Apostel, Jüngerinnen und Jünger", solche und ähnliche Anmerkungen wurden im Publikum geflüstert. Schnell aber brachte Luise Metzler Beispiele, die davon überzeugten, dass eine "gerechte Übersetzung" nicht nur Spielerei ist. Als zum Beispiel der Apostel Paulus seine "Briefe an die Römer" schrieb, waren Männer und Frauen gleichermaßen seine Empfänger, ganz zu schwiegen davon, dass er natürlich Juden ansprach und nicht Römer. In der neuen Übersetzung heißt es also: "Briefe an die Gemeinde in Rom". Und wo es nötig ist, steht nun "jeder und jede von euch", statt nur die männliche Form. "Das vor allem war unser Anliegen: Die Frauen dort auch sprachlich einzubeziehen, wo sie ja tatsächlich beteiligt waren", so die Theologin. Ein anderes von vielen, vielen Beispiel zeigt die eindeutig antijüdische Tendenz von Martin Luther, etwa wenn er sagte, er wolle "Moses so deutsch wie möglich machen, damit niemand mehr vermeinen möge, er wäre ein Jude." So ist an den Stellen, wo Jesus mit den Schriftgelehrten und Pharisäern diskutiert, immer davon die Rede, dass diese "ihm eine Falle stellten". Die entsprechenden hebräischen Worte können aber genau so "prüfen" heißen, oder "wissen wollen" - "und schließlich wurde im Tempel ernsthaft und klug diskutiert, da ging es nicht ums Fallenstellen", betonte Metzler. Sie beschrieb die Arbeit derÜbersetzer, die bereits auf den Kirchentagen der 80er Jahre begann, wo Bibelausschnitte in "gerechter Sprache" kursierten und "die Leute riefen: Mehr davon!" und die vor allem in der Endphase zu leidenschaftlichen Diskussionen über jeden Satz, jedes strittige Wort führten. Nicht nur Protestanten, sondern auch Katholiken und einige Juden arbeiteten an derÜbersetzung, ehrenamtlich, als Teilnehmer eines Projektes der evangelischen Kirche Hessen-Nassau und dabei unter anderem auch von der Landesbischöfin Margot Käßmann unterstützt. Sie alle entschieden sich auch dafür, die Bibeltexte nicht mehr mit Überschriften zu versehen, die im hebräischen und griechischen Original sowieso nicht existierten. Die Überschriften der Lutherbibel geben oftmals die Interpretation der Textstellen vor, auf eine Weise, die manchmal drastische Auswirkungen hat. So heißt die Geschichte, in der Eva den verbotenen Apfel an Adam weiterreicht "Der Sündenfall", während doch im biblischen Text selbst das Wort Sünde allererst im Zusammenhang mit dem Brudermord von Kain an Abel vorkommt. Was die "Bibel in gerechter Sprache" in den Augen so mancher Zuhörerin als ziemlich radikal erscheinen ließ, hatte mit einer der wichtigsten Übersetzungsentscheidungen zu tun. Da nämlich "Gott" weder männlich noch weiblich ist (das steht auch von biblischer Seite her fest), sollte er auch nicht mehr nur mit männlichen Namen benannt werden. Überall dort also, wo der unaussprechliche Gottesname JHWH im Bibeltext steht und wo schon immer Ersatznamen gewählt worden waren, können jetzt auch weibliche Bezeichnungen stehen, wie: "Die Ewige", die Himmel und Erde geschaffen hat. Natürlich gab es gerade über diesen Punkt Diskussion und Gegenargumente in der Frauenfrühstücksrunde. Trotzdem aber bestellten sehr viele Zuhörerinnen eine Ausgabe der "Bibeln in gerechter Sprache", die auch über den Buchhandel zu beziehen ist und im nächsten Monat erscheinen soll.




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