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„Tafel“: Bedarf wächst / Alter Vorstand im Amt bestätigt

„Die Hemmschwelle ist für viele noch immer zu groß“

Bückeburg (nig). Mehr als 900 Familien nutzen inzwischen die „Bückeburger Tafel“, die exakt gestern vor zehn Jahren auf Initiative des Seniorenbeirates und des Pastors Gerhard Brunzema ins Leben gerufen wurde. Das sind weit über 2500 Menschen, denen die soziale Einrichtung bei ihrem täglichen Existenzkampf hilft. Und der Bedarf wächst von Jahr zu Jahr. Grund genug für Bürgermeister Reiner Brombach den Stellenwert der „Tafel“, ihrer Angebote und Mitarbeiter anlässlich der Hauptversammlung im „Jetenburger Hof“ zu loben: Heute habe die Einrichtung samt ihrer Helfer einen derartigen Stellenwert erlangt, dass sie nicht mehr wegzudenken seien. „Mit Geld ist diese ehrenamtliche Arbeit nicht aufzuwiegen“, sagte er mit Blick auf die 22 310 geleisteten Stunden der „Tafel“-Crew.

veröffentlicht am 05.05.2010 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 16:41 Uhr

Dabei räumte Brombach ein, dass „Tafeln“ nicht überall positiv gesehen würden. „Denn durch sie wird deutlich, dass der Sozialstaat versagt hat.“ Er betonte jedoch, dass der Staat „schon eine ganz Menge leistet“ und an Grenzen stoße – ohne ehrenamtliches Engagement wie bei der „Tafel“ würden die großen Aufgaben nicht bewältigt werden können.

Auch „Tafel“-Vorsitzender Heinrich Heitmann glaubt, dass bei aller berechtigen Kritik an der Politik der Ruf nach mehr sozialen Leistungen nicht erhört werden könne. „Zwei Drittel aller Ausgaben werden für soziale Ausgaben und Schuldzins aufgewendet“, rechnet der ehemalige Banker vor. Ohne die freiwillige Mithilfe von Ehrenamtlichen gehe es „wohl nicht“.

Heitmann hob hervor, dass er stolz auf das Erreichte sei: „Diese Erfolgsgeschichte hätte ich mir nicht in meinen kühnsten Träumen auszumalen gewagt.“ Die Ausstattung sei „fast ideal“, das Zusammengehörigkeitsgefühl im Team beglückend und die Unabhängigkeit von öffentlichen Zuschüssen noch immer gegeben. „Ich hoffe aber, dass uns, wenn es uns mal nicht so gut geht, Rat und Verwaltung helfen.“ Sein Lob galt nicht zuletzt auch dem „Tafel“-Vater Brunzema. „Er hat schon bei der Zusammensetzung des ersten Vorstandes Weitsicht und Geschick bewiesen“, spielte Heitmann auf die vielen Kontakte der Vereinsspitze an, die sich die Einrichtung zunutze machen konnte.

Auch wenn es – wie „Tafel“-Mutter Karin Gerstenberg es ausdrückte – „erschreckend sei, wie viele Menschen uns nötig haben“, peilt Heitmann eine weitere Erhöhung der Kundenzahl an: „Die Hemmschwelle, zu uns zu kommen, ist für viele noch immer zu groß – obwohl sie es nötig hätten, weil sie unter der Armutsgrenze leben.“

Wenngleich den Einnahmen von 48 712 Euro diesmal erhebliche Mehrausgaben von 70 707 Euro entgegenstanden, gibt es keinerlei Probleme. „Wir haben rechtzeitig Rücklagen für den neuen, zweiten Kühlwagen, die neue Küche und die Pflasterung der Garagenauffahrt gebildet“, beruhigte Schatzmeister Arno Franke. Die „Tafel“ habe keine Schulden, sondern noch immer ein Guthaben.

Und weil es gut läuft, bleibt alles beim Alten: Der Vorstand – bestehend aus Heinrich Heitmann (Vorsitzender), Heinrich Rohde (stellvertretender Vorsitzender), Arno Franke (Schatzmeister), Dieter Liese (Schriftführer) sowie den Beisitzerinnen Karin Gerstenberg und Barbara Springer – wurde „en bloc“ und einstimmig wiedergewählt.

An den ersten „Tafel“-Tag vor zehn Jahren erinnert sich Heitmann noch ganz genau: „Das Allererste, was wir an die Menschen verteilen konnten, war Diebesgut“, berichtete der Vorsitzende lächelnd und fügt – angesichts der heutigen Angebotspalette – schmunzelnd hinzu: „Damals haben wir gedacht, jetzt können wir die Welt glücklich machen.“ Sprach’s, und ging mit vielen Mitgliedern und Gästen sowie einem üppigen Büfett feiern.

Nun: Die ganze Welt beglücken, das gelang nicht – aber viele Menschen in und um Bückeburg schon.




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